Ratgeber: Parteien in Deutschland
In Deutschland gibt es über 549 registrierte Parteien — doch nur sechs sitzen im Bundestag. Wie wird eine Partei gegründet? Woher kommt das Geld? Und warum scheitern manche an der 5%-Hürde, während andere seit Jahrzehnten regieren?
Das deutsche Parteiensystem ist im Wandel. Die einst klare Zweiteilung in CDU/CSU und SPD („Volksparteien") weicht einem Sechs-Parteien-System — mit Grünen, FDP, AfD, BSW und Linke. Jede Partei hat ihre eigene Geschichte, Wählerstruktur und programmatische Ausrichtung.
Parteien in Kürze
- 549+ registrierte Parteien in Deutschland
- 6 Parteien aktuell im Bundestag (Stand 2025)
- 5%-Hürde oder 3 Direktmandate für den Einzug nötig
- Staatliche Finanzierung: ca. 1 Euro pro Stimme und Jahr
- Mitglieder: SPD (ca. 350.000), CDU (ca. 365.000), Grüne (ca. 125.000)
Das politische Spektrum: Wo stehen die Parteien?
Die klassische Links-Rechts-Einteilung reicht heute nicht mehr aus, um deutsche Parteien zu beschreiben. Besser ist eine Zwei-Achsen-Betrachtung: wirtschaftspolitisch (links = mehr Staat, rechts = mehr Markt) und gesellschaftspolitisch (liberal = offen, konservativ = traditionell).
| Partei | Wirtschaft | Gesellschaft | Kernthemen |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Markt | Konservativ | Sicherheit, Wirtschaft, Familie |
| SPD | Mitte-links | Liberal | Arbeit, Soziales, Mindestlohn |
| Grüne | Mitte-links | Liberal | Klima, Diversität, Europa |
| AfD | Variiert | Konservativ-national | Migration, Identität, Anti-Establishment |
| BSW | Links | National-konservativ | Frieden, Soziales, Anti-NATO |
| Linke | Links | Liberal | Umverteilung, Mietrecht, Abrüstung |
Volksparteien im Wandel
CDU/CSU und SPD galten lange als „Volksparteien", die breite Bevölkerungsschichten banden. Bei der Bundestagswahl 1976 kamen beide zusammen noch auf 91 Prozent der Stimmen. Bei der Wahl 2025 waren es zusammen weniger als 50 Prozent. Das fragmentierte Parteiensystem macht die Koalitionsbildung schwieriger — und den Koalitionsrechner immer wichtiger.
Die Ursachen: gesellschaftliche Pluralisierung, Auflösung klassenbasierter Milieus, Vertrauensverlust in „etablierte Parteien", Aufstieg von Protestparteien. Wie aktuelle Wahlumfragen die Parteienwerte zeigen, sehen Sie in der Sonntagsfrage-Zeitreihe — dort sind alle Institute seit 2021 erfasst.
In unseren Ratgeber-Artikeln erklären wir die Grundlagen des Parteiensystems: Von der Parteigründung über die Finanzierung bis zum politischen Links-Rechts-Spektrum. Aktuelle Umfragewerte aller Parteien finden Sie unter Parteien im Überblick.
Häufige Fragen zu Parteien
Wie viele Parteien gibt es in Deutschland?
Aktuell sind über 549 Parteien in Deutschland beim Bundeswahlleiter registriert. Im Bundestag vertreten sind nach der Wahl 2025 jedoch nur sechs: CDU/CSU, AfD, SPD, Grüne, BSW (Gruppe) und FDP (nicht im Bundestag). Die meisten kleineren Parteien scheitern an der 5%-Hürde.
Wie finanzieren sich Parteien in Deutschland?
Deutsche Parteien finanzieren sich aus drei Quellen: staatliche Parteienfinanzierung (ca. 1 Euro pro Stimme und Jahr, gedeckelt), Mitgliedsbeiträge und Spenden (Spenden über 10.000 Euro werden veröffentlicht). Unternehmensspenden an Parteien sind in Deutschland anders als in manchen Ländern erlaubt, aber begrenzt und transparent.
Was unterscheidet CDU/CSU, SPD und die anderen Bundestagsparteien?
CDU/CSU (konservativ-liberal): Wirtschaftsnah, wertekonservativ. SPD (sozialdemokratisch): Arbeitnehmerrechte, Sozialstaat. Grüne: Klimaschutz, Bürgerrechte, links-liberal. FDP: Wirtschaftsliberal, Datenschutz, weniger Staat. AfD: Rechtspopulistisch, Migrationskritisch. BSW: Links-nationalist, anti-NATO, Wagenknecht-Partei seit 2024. Eine Übersicht aller Positionen findet sich auf der Parteien-Vergleichsseite.
Warum ist die FDP nicht mehr im Bundestag?
Die FDP scheiterte bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 mit 4,3 Prozent an der 5%-Hürde und gewann auch nicht die notwendigen drei Direktmandate. Damit zog sie erstmals seit 2013 wieder nicht in den Bundestag ein. Das Scheitern folgte auf den Bruch der Ampel-Koalition im November 2024.
Kann eine Partei allein regieren?
In Deutschland regiert fast nie eine Partei allein. Da selten eine Partei die absolute Mehrheit (316 von 630 Sitzen) erreicht, müssen Parteien Koalitionen bilden. Historische Ausnahme: CDU/CSU unter Adenauer 1957–1961 mit Quasi-Alleinregierung (50,2 %).


































































