Alle FDP-Vorsitzenden: Tabelle seit Heuss 1948
Key-Facts: FDP-Vorsitzende
- Anzahl: 15 Bundesvorsitzende seit 1948 (16. ab Mai 2026)
- Erster: Theodor Heuss (1948–1949), später Bundespräsident
- Längste Amtszeit: Christian Lindner (2013–2025, ca. 12 Jahre)
- Bundespräsidenten: Heuss (1949–1959), Scheel (1974–1979)
- Aktuell: Christian Dürr (kommissarisch, seit April 2025; tritt ab)
- Ab Mai 2026: Wolfgang Kubicki kandidiert als neuer Vorsitzender
- Partei: FDP-Übersicht
15 Vorsitzende in 78 Jahren — und nur einer schaffte es zweimal in den Bundestag zurück. Die Liste der FDP-Chefs liest sich wie eine Kurzgeschichte der Bundesrepublik: Zwei wurden Bundespräsident, einer prägte die Wiedervereinigung, einer führte die Partei zum Rekordergebnis, einer in den Abgrund — und einer scheiterte zum zweiten Mal an der Fünf-Prozent-Hürde. Jetzt wartet ein Parteitag im Mai 2026.
Die vollständige Liste
| Nr. | Name | Amtszeit | Weitere Ämter |
|---|---|---|---|
| 1 | Theodor Heuss | 1948–1949 | Bundespräsident 1949–1959 |
| 2 | Franz Blücher | 1949–1954 | Vizekanzler 1949–1957 |
| 3 | Thomas Dehler | 1954–1957 | Bundesjustizminister 1949–1953 |
| 4 | Reinhold Maier | 1957–1960 | Ministerpräsident Baden-Württemberg 1952–1953 |
| 5 | Erich Mende | 1960–1968 | Bundesminister für gesamtdt. Fragen 1963–1966 |
| 6 | Walter Scheel | 1968–1974 | Außenminister 1969–1974, Bundespräsident 1974–1979 |
| 7 | Hans-Dietrich Genscher | 1974–1985 | Außenminister 1974–1992, Innenminister 1969–1974 |
| 8 | Martin Bangemann | 1985–1988 | Bundeswirtschaftsminister 1984–1988 |
| 9 | Otto Graf Lambsdorff | 1988–1993 | Bundeswirtschaftsminister 1977–1984 |
| 10 | Klaus Kinkel | 1993–1995 | Außenminister 1992–1998, Justizminister 1991–1992 |
| 11 | Wolfgang Gerhardt | 1995–2001 | Vorsitzender Friedrich-Naumann-Stiftung 2006–2018 |
| 12 | Guido Westerwelle | 2001–2011 | Außenminister 2009–2013, Vizekanzler 2009–2011 |
| 13 | Philipp Rösler | 2011–2013 | Wirtschaftsminister 2011–2013, Vizekanzler 2011–2013 |
| 14 | Christian Lindner | 2013–2025 | Bundesfinanzminister 2021–2024; längste Amtszeit aller FDP-Chefs |
| 15 | Christian Dürr | Mai 2025 – Mai 2026 (komm.) | Ehemaliger FDP-Fraktionschef; kündigte Verzicht auf Kandidatur an |
| 16 | Wolfgang Kubicki (geplant) | ab Mai 2026 | Bundestagsvizepäsident 2017–2025; Schleswig-Holstein-Landeschef |
Die Gründer: Staatsmänner wider Willen
Theodor Heuss führte die FDP gerade einmal neun Monate — die kürzeste Amtszeit aller Vorsitzenden. Dann wurde er Bundespräsident und prägte in diesem Amt das demokratische Selbstverständnis der jungen Republik mehr als jeder Parteichef es hätte tun können. Sein Nachfolger Franz Blücher steuerte die Partei durch die Adenauer-Jahre — loyaler Koalitionspartner, loyaler Vizekanzler, heute weitgehend vergessen.
Thomas Dehler war das Gegenteil: streitbar, eigensinnig, ein Jurist, der die Unabhängigkeit der FDP von der CDU betonte und die Partei in Richtung einer eigenständigeren Deutschlandpolitik drängte. Reinhold Maier und Erich Mende führten die FDP durch die Übergangsjahre — Mende immerhin acht Jahre lang, länger als die meisten seiner Nachfolger.
Die Giganten: Scheel und Genscher
Walter Scheel hat die FDP modernisiert wie kein anderer vor ihm. Er führte sie 1969 in die sozialliberale Koalition, ermöglichte die Neue Ostpolitik und wurde 1974 der zweite FDP-Politiker im Amt des Bundespräsidenten. Sein Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen" kennt bis heute jeder — die Freiburger Thesen, die er intellektuell verantwortete, deutlich weniger.
Und dann Hans-Dietrich Genscher. Elf Jahre Parteivorsitz, 18 Jahre Bundesaußenminister — der bekannteste FDP-Politiker aller Zeiten. Genscher vollzog 1982 die Koalitionswende zur CDU, spielte die Schlüsselrolle bei der Wiedervereinigung und schuf das Bild des FDP-Politikers als weltgewandten Diplomaten. Seine Amtszeit als Vorsitzender war bis Lindner die längste — und inhaltlich die folgenreichste.
Die Wirtschaftsliberalen und die Übergangsfiguren
Bangemann und Lambsdorff stehen für den wirtschaftsliberalen Flügel der FDP, der nach der Wende 1982 den Ton angab. Lambsdorff war der Architekt des Koalitionswechsels, sein Lambsdorff-Papier lieferte die intellektuelle Begründung. Bangemann ging 1989 als Kommissar nach Brüssel — und geriet später in eine Lobby-Affäre, die seinen Ruf ruinierte.
Kinkel und Gerhardt waren Übergangsfiguren in schwierigen Jahren. Kinkel erbte die Partei nach Genschers Rückzug und konnte sie nicht aus dem Schatten des großen Vorgängers führen. Gerhardt hielt sie am Leben, bis Westerwelle kam.
Die Moderne: Westerwelle, Rösler, Lindner
Guido Westerwelle war der erste FDP-Chef, der verstand, dass Politik auch Showbusiness ist. Zehn Jahre Vorsitz, das Rekordergebnis 2009, dann der tiefe Fall als Außenminister, der die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Er starb 2016 an Leukämie — mit 54 Jahren.
Philipp Rösler hatte die undankbarste Aufgabe: Er übernahm eine Partei im freien Fall und konnte den Absturz unter die Fünfprozenthürde 2013 nicht verhindern. Seine Amtszeit dauerte nur zwei Jahre — die kürzeste seit Heuss.
Und Christian Lindner? Mit über zwölf Jahren war er länger im Amt als jeder andere FDP-Vorsitzende. Er führte die Partei 2017 zurück in den Bundestag, wurde Finanzminister, wurde gefeuert, verlor die Wahl 2025 — und trat danach als Parteichef zurück. Christian Dürr übernahm kommissarisch, kündigte aber ebenfalls seinen Rücktritt an. Beim Parteitag im Mai 2026 kandidiert Wolfgang Kubicki für den Vorsitz — die FDP sucht ihren 16. Chef, während sie zum zweiten Mal außerparlamentarisch ist.
2013: Christian Lindner übernimmt eine Partei ohne Bundestagsmandat – und führt sie zurück
Am 7. Dezember 2013, zwei Monate nach dem Wahldesaster, wurde Christian Lindner mit 79,1 Prozent zum FDP-Bundesvorsitzenden gewählt. Er war 34 Jahre alt. Die Partei hatte keine Bundestagsmandate mehr, kaum Mitglieder und war in sieben Landesparlamenten nicht mehr vertreten. Lindner setzte auf strikte Programmdisziplin (keine Koalition um jeden Preis), mediale Präsenz und ein klares wirtschaftsliberales Profil. Bei der Bundestagswahl 2017 kehrte die FDP mit 10,7 Prozent zurück – nach nur vier Jahren in der außerparlamentarischen Opposition.
November 2024: Lindner tritt ab – FDP ohne Bundestagsmandate nach 2025
Am 6. November 2024 entließ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Christian Lindner als Bundesfinanzminister — das Ende der Ampelkoalition. Lindner blieb FDP-Vorsitzender und führte die Partei in die Bundestagswahl 2025, die mit 4,3 Prozent katastrophal endete: Die FDP scheiterte erneut an der Fünf-Prozent-Hürde und zog — wie 2013 — nicht in den Bundestag ein. Es war das zweite Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die FDP keinen Fraktionsstatus erreichte. Zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Jahren steht die FDP vor der Frage: Erneuerung unter altem Vorsitz oder Neuanfang? Lindner kündigte nach der Wahl seinen Rückzug als Parteivorsitzender an.
Häufige Fragen
Wer war der erste FDP-Vorsitzende?
Der erste FDP-Vorsitzende war Theodor Heuss, der die Partei von der Gründung 1948 bis 1949 führte. Heuss wurde anschließend der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Wer war am längsten FDP-Vorsitzender?
Christian Lindner war mit rund zwölf Jahren (Dezember 2013 bis April 2025) der am längsten amtierende FDP-Vorsitzende aller Zeiten. Zuvor hielt Hans-Dietrich Genscher mit elf Jahren (1974–1985) den Rekord. Lindner trat nach der Wahlniederlage 2025 zurück.
Wie viele FDP-Vorsitzende gab es insgesamt?
Seit der Gründung 1948 hatte die FDP insgesamt 15 Bundesvorsitzende (Stand April 2026). Darunter waren zwei spätere Bundespräsidenten (Heuss, Scheel) und mehrere Bundesaußenminister. Beim Parteitag im Mai 2026 wird ein 16. Vorsitzender gewählt.
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