Alice Weidel, AfD-Bundessprecherin und Oppositionsführerin im Bundestag

AfD fast gleichauf mit der Union — Was bedeutet das für die deutsche Politik?

Key-Facts: AfD in Umfragen (April 2026)

  • Ipsos (April 2026): AfD 25 %, Union 25 % — erstmals gleichauf
  • Infratest dimap (März 2026): Union 26 %, AfD 25 %
  • Insa/Bild (März 2026): Beide bei 26 %
  • BTW 2025 Ergebnis: AfD 20,8 % (zweitstärkste Kraft)
  • VG Köln (Feb. 2026): AfD darf vorläufig nicht als "gesichert rechtsextrem" eingestuft werden
  • Brandmauer: Alle demokratischen Parteien schließen Kooperation aus

Das war eine Zahl, die Deutschland aufhorchen ließ: Beim Meinungsforschungsinstitut Ipsos (April 2026) liegt die AfD erstmals gleichauf mit der Union — beide bei 25 Prozent. Andere Institute zeigen ähnliche Werte: Infratest dimap sieht die AfD bei 25, die Union bei 26 Prozent. Insa und Bild notierten zuletzt beide Parteien bei 26 Prozent. Wer nach dem Bundestagswahlergebnis 2025 (AfD: 20,8 Prozent, CDU/CSU: 28,5 Prozent) geglaubt hatte, die Rechtspopulisten wären auf Normalniveau zurückgefallen, muss umdenken.

Wie konnte das passieren?

Die AfD profitiert von einem strukturellen Faktor, der sich nicht durch Konjunktur erklären lässt: Wählerbindung. Studien zeigen, dass die AfD eine der loyalsten Wählerschaften aller deutschen Parteien hat. Während CDU/CSU, SPD und Grüne bei Unzufriedenheit rasch Wähler verlieren, bleibt die AfD-Stammwählerschaft stabil — und wächst sogar bei neuen Gruppen.

Hinzu kommen externe Faktoren: steigende Energiepreise infolge des Iran-Konflikts, migrationsbedingte Verteilungskonflikte im sozialen Wohnungsbau und das Gefühl vieler Wähler, dass die Regierungskoalition die realen Alltagsprobleme nicht löst. All das nützt der AfD — auch ohne eigene politische Erfolge.

Berlin Reichstag Luftaufnahme — Die AfD als dauerhafte Oppositionskraft im Parlament
Die AfD sitzt als zweitgrößte Fraktion in der Opposition — und legt in Umfragen weiter zu.

Die Verfassungsschutz-Frage

Im Februar 2026 entschied das Verwaltungsgericht Köln, dass die AfD vorläufig nicht als "gesichert rechtsextrem" eingestuft werden darf. Das war ein Zwischenerfolg für die Partei, kein Freifahrtschein. Der Verfassungsschutz darf die AfD weiter beobachten, aber bestimmte öffentliche Einschätzungen sind vorläufig untersagt.

Wahlumfrage-Auswertung am Laptop — Meinungsforschung und Sonntagsfrage Deutschland
Im politischen Berlin: AfD fast gleichauf mit der Union: Was bedeutet das für die deutsche Politik? — Analyse — Fakten und Einordnung.

Für die "Brandmauer" der anderen Parteien hat das keine unmittelbaren Konsequenzen. CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und BSW schließen weiterhin jede Zusammenarbeit mit der AfD aus. In Landtagen und Kommunen führt das zu Mehrheitssituationen, in denen die demokratischen Parteien zusammenarbeiten müssen, ob sie wollen oder nicht.

Was bedeutet das für Landtagswahlen 2026?

Laut einer Tagesspiegel-Umfrage rechnet eine Mehrheit der Deutschen damit, dass die AfD bei einer der nächsten Landtagswahlen den Ministerpräsidenten stellen könnte. In Sachsen (AfD bei der BTW 2025: 38 Prozent), Thüringen (38 Prozent) und Brandenburg (32 Prozent) ist das keine abstrakte Möglichkeit mehr.

Das Dilemma der demokratischen Parteien: Die "Brandmauer" verhindert AfD-Regierungsbeteiligung, produziert aber komplizierte Mehrheitssuchen. In Thüringen regiert derzeit eine CDU-geführte Minderheitsregierung ohne stabile Mehrheit. Diese strukturelle Instabilität könnte das Argument stärken, dass Ausgrenzung allein kein dauerhaftes Konzept ist.

AfD 2029: Kurs auf stärkste Bundespartei?

Wenn die AfD ihren aktuellen Umfragekurs bis zur Bundestagswahl 2029 halten oder ausbauen kann, steht das deutsche Parteiensystem vor einem historischen Einschnitt: Eine Partei, die alle anderen ausschließen, könnte stärkste Kraft werden — ohne Chance auf Regierungsbildung. Das wäre politisch lähmend.

Die drei Ostländer werden 2029 dabei besonders im Fokus stehen: In Sachsen, Thüringen und Brandenburg findet zeitgleich zur Bundestagswahl die Landtagswahl statt — das Doppeljahr 2029. Wenn die AfD dort gleichzeitig auf Landes- und Bundesebene zulegt, ist das ein Verstärkungs-Effekt, der bundesweit ausstrahlt. Aktuell liegt die AfD in Sachsen und Thüringen bei über 30 Prozent — auf nationaler Ebene nähert sie sich dem Union-Niveau.

Das Dilemma für alle anderen Parteien: Je höher die AfD klettert, desto schwieriger wird die Koalitionsbildung ohne sie. Und je mehr die Brandmauer betont wird, desto stärker fühlen sich AfD-Wähler als verfolgte Opfer des Establishments — was wiederum Zulauf bringt.

Fazit: Eine normalisierte Ausnahmepartei

Die AfD ist im deutschen Parteiensystem angekommen — nicht als akzeptierter Partner, aber als dauerhafter Faktor. Die Sonntagsfragen zeigen, dass weder Verfassungsschutzbeobachtung noch Brandmauer ihren Wählerzulauf dauerhaft stoppen. Das zwingt die demokratischen Parteien, über ihre eigene Politik nachzudenken — nicht nur darüber, wie sie die AfD klein halten können.

Video: Union und AfD fast gleichauf im ARD-DeutschlandTrend (tagesschau)

Häufige Fragen

Ist die AfD wirklich gleichauf mit der Union?

Ja, laut Ipsos (April 2026) liegen AfD und CDU/CSU beide bei 25 Prozent. Auch andere Institute wie Infratest dimap und Insa zeigen die AfD sehr nahe an der Union — ein historisches Niveau seit ihrer Gründung 2013.

Was ist die "Brandmauer"?

Die Brandmauer ist die Vereinbarung aller demokratischen Parteien (CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, Linke, BSW), keine Koalition, keine Tolerierung und keine inhaltliche Zusammenarbeit mit der AfD einzugehen. Sie gilt auf Bundes- und Landesebene.

Warum wächst die AfD trotz Verfassungsschutz-Beobachtung?

Die AfD-Wählerschaft lässt sich durch Verfassungsschutz-Einschränkungen kaum abschrecken. Viele sehen das als Bestätigung ihrer Sicht, dass "die da oben" die AfD bekämpfen wollen. Strukturelle Unzufriedenheit überwiegt institutionelle Warnsignale.

Könnte die AfD Regierung übernehmen?

Auf Bundesebene ist das durch die Brandmauer ausgeschlossen. In einzelnen Bundesländern — Sachsen, Thüringen, Brandenburg — wäre die AfD mathematisch stärkste Kraft bei Neuwahlen. Ein AfD-Ministerpräsident ist realistisch nur denkbar, wenn die Brandmauer bricht.

LB
Laura Bremer Politikwissenschaftlerin · Wahlforschung & Parteiensysteme

Laura Bremer ist Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Parteiensystemforschung, Wählerverhalten und deutschen Koalitionsdynamiken. Sie analysiert politische Entwicklungen im Kontext aktueller Umfragedaten und historischer Wahlmuster.

Weiterführende Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung · Deutscher Bundestag

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