Sonntagsfrage aktuell — Alle Umfragen im Überblick
Forsa sieht die Union bei 22, INSA bei 22, YouGov nur bei 22 — wem soll man glauben? Die ehrliche Antwort: keinem Institut allein. Jede einzelne Sonntagsfrage ist eine Momentaufnahme mit eingebauter Unschärfe. Erst wer alle acht großen Institute nebeneinanderlegt und den Mittelwert bildet, bekommt ein belastbares Bild der politischen Stimmung in Deutschland.
Genau das leistet diese Seite. Statt sich auf einen einzelnen Wert zu verlassen, zeigen wir die jeweils aktuellsten Erhebungen aller Institute — mit Datum, damit Sie selbst einschätzen können, wie frisch die Daten sind.
Aktuelle Sonntagsfrage — Alle Institute im Vergleich
Aggregation (Mittelwert aller Institute, Stand: 30.05.2026)
CDU/CSU: 22,6% · SPD: 12,4% · AfD: 27,2% · Grüne: 14,2% · BSW: 3,3% · FDP: 3,6% · Linke: 11,4%
| Institut | Datum | CDU/CSU | SPD | AfD | Grüne | BSW | FDP | Linke |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| INSA | 30.05.2026 | 22% | 12% | 29% | 14% | 3% | 3% | 11% |
| Forsa | 26.05.2026 | 22% | 12% | 27% | 15% | 3% | 4% | 11% |
| FGW | 22.05.2026 | 24% | 12% | 26% | 15% | 0% | 3% | 12% |
| Ipsos | 13.05.2026 | 23% | 13% | 26% | 14% | 3% | 4% | 12% |
| YouGov | 12.05.2026 | 22% | 13% | 28% | 13% | 4% | 4% | 11% |
| Allensbach | 11.05.2026 | 25% | 12% | 26% | 14% | 0% | 4% | 10% |
| Verian (Emnid) | 08.05.2026 | 24% | 13% | 25% | 15% | 3% | 4% | 10% |
| Infratest dimap | 07.05.2026 | 24% | 12% | 27% | 15% | 3% | 4% | 10% |
Auffällig: Die CDU/CSU bewegt sich je nach Institut zwischen 22 und 25 Prozent — eine Spanne von 3 Punkten, die vollständig innerhalb der statistischen Fehlertoleranz liegt. Bei der AfD reicht die Bandbreite sogar von 25 (Allensbach) bis 29 Prozent (YouGov). Das ist kein Fehler, sondern Alltag in der Demoskopie. Wer aus einem einzelnen Prozentpunkt Unterschied zwischen zwei Instituten eine Schlagzeile bastelt, hat die Methodik nicht verstanden.
So lesen Sie die Zahlen richtig
- Nie ein Institut allein: Bilden Sie den Mittelwert über mindestens drei, besser alle acht Institute. Einzelwerte sind Rauschen, der Durchschnitt ist das Signal.
- Fehlertoleranz mitdenken: Bei 1.000 Befragten hat eine Partei mit 30% eine Schwankungsbreite von ±2,8 Punkten. Der „wahre" Wert kann also irgendwo zwischen 27 und 33 liegen.
- Datum prüfen: Allensbach erhebt monatlich, Forsa wöchentlich. Eine Allensbach-Umfrage vom 26. März ist nicht mit einer Forsa-Umfrage vom 1. April vergleichbar — dazwischen können politische Ereignisse liegen.
- Trend statt Einzelwert: Ein Rückgang von 30 auf 29 Prozent sagt nichts. Drei Institute, die unabhängig voneinander denselben Rückgang messen, deuten auf einen echten Trend hin.
Die acht Sonntagsfrage-Institute
Nicht alle Institute arbeiten gleich — und genau das macht den Vergleich wertvoll. Allensbach schickt Interviewer persönlich an die Haustür, YouGov fragt ausschließlich online, Forsa kombiniert beides. Jede Methode hat blinde Flecken: Telefonumfragen erreichen junge Menschen schlechter, Online-Panels überrepräsentieren digital affine Zielgruppen. Wer das weiß, liest die Unterschiede zwischen den Instituten nicht als Widerspruch, sondern als Korrektiv.
- Forsa — wöchentlich (Dienstag), für RTL/ntv, ca. 2.500 Befragte, Telefon + Online
- Infratest dimap — wöchentlich (Donnerstag), für ARD, ca. 1.500 Befragte
- INSA — wöchentlich (Montag), für Bild, ca. 2.000 Befragte, Online-Panel
- Forschungsgruppe Wahlen — alle 2 Wochen (Freitag), für ZDF, ca. 1.300 Befragte
- Allensbach — monatlich, für FAZ, ca. 1.000 Befragte (Face-to-Face — Unikat in Deutschland)
- GMS — unregelmäßig, für SAT.1/ProSieben, ca. 1.000 Befragte
- Ipsos — monatlich, verschiedene Auftraggeber, ca. 1.000 Befragte
- YouGov — wöchentlich, eigene Veröffentlichung, ca. 2.000 Befragte (rein online)
Ein Muster, das sich über Jahre hält: YouGov und INSA messen die AfD tendenziell etwas höher als Allensbach oder die Forschungsgruppe Wahlen. Das liegt nicht an politischer Voreingenommenheit, sondern an der Methode — Online-Befragte geben extremere Präferenzen eher an als Menschen im persönlichen Gespräch. Diesen Effekt nennt die Forschung „Social Desirability Bias".
Fehlertoleranz: Die Zahlen hinter den Zahlen
Jede Umfrage ist eine Stichprobe, und jede Stichprobe hat eine mathematisch berechenbare Ungenauigkeit. Die folgende Tabelle zeigt, wie groß die Schwankungsbreite bei verschiedenen Stichprobengrößen und Parteianteilen tatsächlich ist:
| Stichprobe | Partei bei 5% | Partei bei 15% | Partei bei 30% |
|---|---|---|---|
| 1.000 | ±1,4 | ±2,2 | ±2,8 |
| 1.500 | ±1,1 | ±1,8 | ±2,3 |
| 2.000 | ±1,0 | ±1,6 | ±2,0 |
| 2.500 | ±0,9 | ±1,4 | ±1,8 |
Praktisch bedeutet das: Wenn Forsa die FDP bei 5 Prozent misst, liegt der reale Wert mit 95-prozentiger Sicherheit zwischen 4,1 und 5,9 Prozent. Für die Frage, ob die Liberalen den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen würden, ist das ein enormer Unterschied. Bei Parteien nahe der Fünf-Prozent-Hürde ist die Sonntagsfrage schlicht zu ungenau für eine verlässliche Aussage.
Stimmungsbild, keine Prognose
Alle Institute betonen es, die meisten Medien ignorieren es: Die Sonntagsfrage ist keine Vorhersage. Sie misst, was die Befragten heute antworten — nicht, was sie in einem, sechs oder zwölf Monaten tatsächlich wählen werden. Zwischen Umfrage und Wahltag können Kanzlerkandidaturen angekündigt, Koalitionen aufgekündigt und Krisen eskaliert werden. Wer die Sonntagsfrage als Prognose liest, verwechselt ein Fieberthermometer mit einer Diagnose.
Die historische Analyse zeigt: Selbst die allerletzte Umfrage vor einem Wahltag weicht im Schnitt noch 2 Prozentpunkte vom Ergebnis ab. Mehr dazu in unserer Übersicht historischer Umfragen seit 1990.
1949: Die erste Sonntagsfrage in Deutschland – Noelle-Neumann fragt, was niemand fragt
Im August 1949, wenige Wochen vor der ersten Bundestagswahl am 14. August, stellte Elisabeth Noelle-Neumann in einer Befragung von 500 Deutschen die Frage: Wenn nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie waehlen? Es war die erste Sonntagsfrage auf deutschem Boden. Das Ergebnis zeigte CDU knapp vor SPD. Das tatsächliche Ergebnis: CDU 31,0% vs. SPD 29,2%. Noelle-Neumanns Formulierung war bewusst hypothetisch, um Befragte von der Pflicht-Assoziation zu entlasten. Diese Formulierung blieb 75 Jahre lang unverändert.
Häufige Fragen zur Sonntagsfrage
Was ist die Sonntagsfrage?
Die Sonntagsfrage ist eine regelmäßig erhobene Umfrage, bei der Wahlberechtigte gefragt werden, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Sie gibt ein Stimmungsbild wieder und ist ausdrücklich keine Wahlprognose. Acht Institute erheben sie unabhängig voneinander mit verschiedenen Methoden.
Wie genau sind Sonntagsfrage-Umfragen?
Die statistische Fehlertoleranz liegt je nach Stichprobengröße bei ±1,5 bis ±3 Prozentpunkten. Bei kleineren Parteien ist die relative Schwankungsbreite größer. Ein einzelner Umfragewert sollte nie isoliert betrachtet werden — der Mittelwert mehrerer Institute ist deutlich zuverlässiger.
Warum unterscheiden sich die Ergebnisse der Institute?
Unterschiede entstehen durch verschiedene Erhebungsmethoden (Telefon, Online, Face-to-Face), unterschiedliche Gewichtungsverfahren und variierende Erhebungszeiträume. Jedes Institut hat eigene Modelle zur Korrektur bekannter Verzerrungen — etwa der Tendenz, dass bestimmte Wählergruppen schwerer zu erreichen sind als andere.
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