BSW Wahlergebnisse — Landtagswahlen 2024, Bundestagswahl 2025
Key-Facts: BSW-Wahlergebnisse
- Gründung: Januar 2024
- Europawahl 2024: 6,2 % (6 Mandate)
- Sachsen 2024: 11,8 % (15 Sitze)
- Thüringen 2024: 15,8 % (15 Sitze)
- Brandenburg 2024: 13,5 % (14 Sitze)
- Bundestagswahl 2025: 4,97 % — knapp unter 5 %, 2 Direktmandate, Gruppe (2 Sitze)
Fünf Wahlen in vierzehn Monaten. Das BSW hat alle bestanden — jede einzelne über der Fünf-Prozent-Hürde, die schon etablierte Parteien zum Stolpern bringt. Für eine Neugründung, die bei ihrer ersten Wahl gerade einmal fünf Monate alt war, ist das nicht bloß bemerkenswert. Es ist ohne Vorbild in der Geschichte der Bundesrepublik.
Aber die Zahlen erzählen nicht eine Geschichte, sondern zwei. Im Osten sehen sie aus wie die Bilanz einer neuen Volkspartei: zweistellig in drei Landtagen, Königsmacher bei der Regierungsbildung, Koalitionspartner in Brandenburg. Im Westen dagegen 4 bis 5 Prozent — genug zum Überleben, zu wenig für einen Durchbruch. Diese Doppelstruktur ist kein vorübergehendes Phänomen. Sie ist das Profil der Partei.
Europawahl Juni 2024: Der Beweis
Vor dem 9. Juni 2024 war das BSW ein Versprechen. Danach war es eine Partei mit Mandaten. 6,2 Prozent und sechs EU-Sitze — das lag exakt im Korridor, den die Umfragen seit der Gründung prognostiziert hatten. Die regionale Verteilung zeigte bereits das Muster, das sich bei jeder folgenden Wahl wiederholte: über 10 Prozent in Ostdeutschland, um die 5 Prozent im Westen.
Bemerkenswert war weniger das Ergebnis selbst als die Tatsache, wie es zustande kam. Ohne Landesverbände. Ohne Ortsvereine. Ohne kommunale Mandatsträger. Eine Partei, die auf Papier kaum existierte, schickte sechs Abgeordnete nach Brüssel. Die These, dass Wagenknechts Medienpräsenz die fehlende Organisationsstruktur kompensieren kann, hatte ihren ersten empirischen Beweis.
September 2024: Der Durchbruch im Osten
Die eigentliche Zäsur kam drei Monate später. Am 1. September 2024 wählten Sachsen und Thüringen. Drei Wochen darauf Brandenburg. Die Ergebnisse sprengten alles, was die Demoskopie für eine Partei ohne lokale Verankerung vorhergesagt hatte.
Thüringen: 15,8 Prozent — drittstärkste Kraft hinter AfD und CDU. Brandenburg: 13,5 Prozent. Sachsen: 11,8 Prozent. In allen drei Ländern machte das BSW eine Regierungsbildung ohne AfD-Beteiligung überhaupt erst rechnerisch möglich. In Brandenburg ging die Partei in eine Koalition mit der SPD — nicht einmal ein Jahr nach dem Gründungsparteitag. Keine Neugründung in der Bundesrepublik hat diesen Weg je so schnell zurückgelegt.
| Wahl | Datum | BSW-Ergebnis | Mandate | Regierungsbeteiligung |
|---|---|---|---|---|
| Europawahl | 09.06.2024 | 6,2 % | 6 von 96 | – |
| Sachsen | 01.09.2024 | 11,8 % | 15 von 120 | Opposition |
| Thüringen | 01.09.2024 | 15,8 % | 15 von 88 | Koalitionsgespräche |
| Brandenburg | 22.09.2024 | 13,5 % | 14 von 88 | Regierungskoalition mit SPD |
| Bundestagswahl | 23.02.2025 | 4,97 % | 2 (Gruppe) | Opposition, kein Fraktionsstatus |
Bundestagswahl Februar 2025: Die nationale Prüfung
Landtagswahlen im Osten sind eine Sache. Die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit zu überspringen, während die Öffentlichkeit auf das Kanzlerduell fixiert ist, eine völlig andere. Am 23. Februar 2025 stellte sich die Frage, ob das BSW-Modell auch außerhalb seiner ostdeutschen Hochburgen trägt.
Die Antwort war ernüchternd: 4,97 Prozent — knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. Der Lagerwahlkampf zwischen Merz und Scholz hatte kleineren Parteien massiv Stimmen abgesaugt. BSW gewann 2 Direktmandate: Diese beiden Wahlkreissieger dürfen nach dem BVerfG-Urteil vom Juli 2024 persönlich in den Bundestag einziehen, auch wenn ihre Partei unter 5% liegt — die Grundmandatsklausel (die proportionale Sitze gab) ist seit 2023 abgeschafft und spielt hier keine Rolle. Damit sitzt BSW als Gruppe mit 2 Sitzen im 21. Bundestag — parlamentarisch präsent, aber ohne Fraktionsstatus und die damit verbundenen Rechte und Ressourcen. Das BSW ist kein ostdeutsches Regionalphänomen, hat aber bei seiner ersten Bundestagswahl die Hürde nicht klar überwunden.
Wer wählt das BSW?
Die Wählerwanderungsanalysen zeichnen ein Bild, das keine andere Partei so hat. Der größte Block kam von der Linken — Menschen, die nach der Spaltung der neuen Partei folgten. Aber signifikante Zuflüsse kamen auch von der AfD, von der SPD und — das ist der ungewöhnlichste Befund — aus dem Nichtwählerlager. Das BSW holte Menschen an die Urne zurück, die zuvor gar nicht mehr wählten. Eine Leistung, die in den letzten Jahrzehnten nur der AfD zugeschrieben wurde.
Demografisch dominiert die Generation 50 plus. Soziologisch die Mitte: mittleres Einkommen, mittlere Bildung, Erwerbstätigkeit — aber das Gefühl, dass die eigene Arbeit nicht mehr gewürdigt wird. Nicht die Arbeitslosen wählen BSW, sondern die Beschäftigten, die trotzdem das Gefühl haben, abgehängt zu werden.
Was die Zahlen über die Zukunft sagen
Stand April 2026 liegt das BSW in den Sonntagsfragen bei 5 bis 7 Prozent — stabil über der Hürde, aber ohne erkennbare Dynamik nach oben. Die zentrale Frage hat sich seit der Gründung nicht geändert: Kann eine Partei, deren wichtigstes Kapital die Bekanntheit einer einzigen Person ist, dauerhaft bestehen? Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass das Potenzial real ist. Ob es über Wagenknecht hinaus tragfähig bleibt, muss sich noch erweisen. Die nächsten Landtagswahlen werden eine erste Antwort liefern.
2025: BSW scheitert mit 4,97 Prozent knapp an der Hürde — Gruppe statt Fraktion
Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erhielt das BSW 4,97 Prozent — knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. BSW gewann 2 Direktmandate, nicht die 3 für die Grundmandatsklausel erforderlichen. Die Partei ist daher nur mit diesen 2 Direktmandatsträgern als Gruppe (kein Fraktionsstatus) im 21. Bundestag vertreten. Fraktionsstatus wäre an 5 % der Sitze (32 Sitze) oder an die Grundmandatsklausel (3 Direktmandate + proportionale Sitze) gebunden gewesen.
Linke, AfD, Nichtwähler: Die drei Quellen des BSW-Elektorats
Wählerwanderungsanalysen nach den Landtagswahlen 2024 zeigten ein ungewöhnliches Muster: Das BSW zog aus drei sehr unterschiedlichen Quellen – aus der Linken (nach der Spaltung), aus der AfD (im Osten signifikant) und aus dem Nichtwählerlager. Letzteres ist das strukturell wichtigste Signal: BSW mobilisierte Menschen, die seit Jahren nicht mehr wählten. Seit den 2000ern hatte das nur die AfD geschafft. Demografisch dominiert die Generation 50 plus mit mittlerem Einkommen und dem Gefühl, nicht ausreichend gewürdigt zu werden. Ob dieses Elektorat dauerhaft an eine Partei gebunden bleibt – oder an eine Person – ist die entscheidende offene Frage.
Häufige Fragen
Wie hat das BSW bei der Bundestagswahl 2025 abgeschnitten?
Das BSW erreichte bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 4,97 Prozent der Zweitstimmen — knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. Mit zwei gewonnenen Direktmandaten ist das BSW als Gruppe (2 Sitze) im 21. Bundestag vertreten, ohne Fraktionsstatus.
In welchen Bundesländern ist das BSW besonders stark?
Das BSW erzielte seine stärksten Ergebnisse in den ostdeutschen Bundesländern. Bei den Landtagswahlen 2024 erreichte die Partei 15,8 Prozent in Thüringen, 13,5 Prozent in Brandenburg und 11,8 Prozent in Sachsen.
Ist das BSW an Landesregierungen beteiligt?
Nach den Landtagswahlen 2024 war das BSW in Thüringen und Brandenburg an Koalitionsverhandlungen beteiligt. In Brandenburg trat das BSW in eine Regierungskoalition ein.
Video
Weiterlesen
Linke: Comeback mit Reichinnek?
Wie die Linke nach dem BSW-Abgang wieder punktet.
BSW-Parteiprogramm
Friedenspolitik, Sozialpolitik, Migration und Wirtschaft im Detail.
BSW Gründung
Abspaltung von der Linken, Gründungsparteitag und Hintergründe.
BSW Positionen
Links-konservativ und Anti-Establishment — Vergleich zu Linke, SPD und AfD.
Alle Ratgeber
450+ Artikel zu Wahlen und Politik in Deutschland.
Bundestagswahl 2029
Nächste Bundestagswahl: Termin, Kandidaten und Koalitionsszenarien.
