Reichstag Berlin — Parteiprogramme im Vergleich 2025

Parteiprogramme im Vergleich 2025 — CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke, BSW

Die 7 Parteien im 21. Bundestag

  • CDU/CSU: 220 Sitze — Regierungspartei, konservativ-wirtschaftsliberal
  • SPD: 158 Sitze — Regierungspartei, sozialdemokratisch
  • AfD: 160 Sitze — Opposition, rechtspopulistisch
  • Grüne: 89 Sitze — Opposition, ökologisch-sozial-liberal
  • Die Linke: 64 Sitze — Opposition, demokratisch-sozialistisch
  • BSW: 2 Sitze (Gruppe) — sozial-konservativ, Friedenspolitik
  • FDP: 0 Sitze — unter 5%, nicht im Bundestag

Sieben Parteien, sieben Parteiprogramme, sieben verschiedene Vorstellungen davon, wie Deutschland regiert werden sollte. Was CDU/CSU und AfD bei Migration trennt, worin SPD und Linke sich ähneln — und was BSW von allen anderen unterscheidet. Dieser Vergleich fasst die zentralen Unterschiede zusammen.

Grundlage sind die Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2025 sowie die gültigen Grundsatzprogramme der Parteien. Da die FDP mit 4,3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, ist sie im aktuellen Bundestag nicht vertreten — ihr Programm wird der Vollständigkeit halber berücksichtigt.

Migration und Asyl

Kein Thema hat die Bundestagswahl 2025 so dominiert wie Migration. Die Positionen reichen von “Remigration” bis zur Verteidigung eines humanen Asylrechts.

Partei Kernposition Migration Asylrecht
CDU/CSU Deutliche Reduzierung irregulärer Migration, Grenzkontrollen, Abschiebungen konsequent Beibehaltung, aber Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems
SPD Geordnete Migration, legale Einwanderungswege stärken, Fachkräftezuwanderung ausbauen Beibehaltung des Asylrechts, Schutz für Geflüchtete
Grüne Menschenwürdige Aufnahme, Integration investieren, legale Wege öffnen Volles Asylrecht, Ablehnung von Push-backs, sicherer Hafen
FDP Steuerung durch Punktesystem, weniger bürokratische Hürden für Arbeitsmigration Reform, schnellere Verfahren, konsequente Rückführung bei Ablehnung
AfD Remigration, vollständiger Einwanderungsstopp, Auflösung des bestehenden Systems Grundlegende Infragestellung, Aufhebung des Asylrechts angestrebt
Linke Offene Grenzen, kein Mensch ist illegal, Abschaffung der Abschiebehaft Ausweitung, Schutz vor Abschiebung, Bleiberecht stärken
BSW Starke Reduzierung, sichere Grenzen, konsequente Rückführung Reform auf Reduzierung, Begrenzung des Familiennachzugs

Wirtschaft, Steuern und Soziales

Zwischen FDP-Wirtschaftsliberalismus und der Forderung nach Verstaatlichungen der Linken liegen Welten. Die meisten Parteien bewegen sich irgendwo dazwischen — aber die Richtungsentscheidungen sind grundlegend verschieden.

Partei Steuer- & Wirtschaftspolitik Mindestlohn / Soziales
CDU/CSU Körperschaftsteuer senken, Bürokratieabbau, Investitionsanreize Mindestlohn beibehalten, Bürgergeld reformieren
SPD Investitionsoffensive, Rentenpaket II (48 % halten), gerechte Steuern Mindestlohn auf 15 €, starke Sozialversicherung
Grüne Transformation fördern, ökologische Steuerreform, Klimainvestitionen Mindestlohn erhöhen, Kindergrundsicherung
FDP Maximale Steuerentlastungen, Staatsschuldenbremse, weniger Regulierung Bürgergeld abschaffen, Aktivierung statt Versorgung
AfD Steuersenkungen, Euro-Skepsis, Renationalisierung von Industrie Familienpolitik statt universeller Sozialleistungen
Linke Vermögensteuer, Erbschaftsteuer, Verstaatlichungen (Wohnen/Energie) Mindestlohn 15 €+, bedingungsloses Grundeinkommen (Diskussion)
BSW Soziale Marktwirtschaft, Industriearbeitsplätze sichern Rente aufwerten, Pflegelohn erhöhen
Bundestag Abgeordnete im Gespräch — Parteiprogramme Deutschland
Im Bundestag treffen sieben Parteiprogramme aufeinander — bei Migration, Wirtschaft und Klimapolitik liegen die Positionen weit auseinander.

Klima und Energie

Die Klimapolitik spaltet den Bundestag wie kein anderes Thema. Auf der einen Seite die Grünen mit dem ambitioniertesten Klimaplan, auf der anderen die AfD, die Klimaschutzmaßnahmen grundlegend ablehnt.

Partei Klimaposition Energie
CDU/CSU Klimaneutralität bis 2045, Technologieoffenheit, keine Verbote Technologieoffenheit inkl. Kernenergie-Diskussion, Ausbau Erneuerbarer
SPD Klimaneutralität 2045, Klimafonds, sozial gerechter Übergang 100 % Erneuerbarer bis 2035 (Strom), Wasserstoff
Grüne Klimaneutralität möglichst vor 2045, 1,5-Grad-Pfad Vollständige Energiewende, kein fossiler Strom ab 2030
FDP Marktwirtschaftlicher Klimaschutz, CO²-Preis statt Verbote Technologieoffenheit, Kernenergie-Optionen prüfen
AfD Austritt aus dem Pariser Abkommen, Ablehnung von CO²-Steuer Rückkehr zu Kohle und Kernenergie, Ende der Energiewende
Linke Ambitionierter Klimaschutz, sozial gerecht, öffentliche Hand führt 100 % Erneuerbar, Verstaatlichung der Energieversorgung
BSW Klimaschutz ja, aber keine De-Industrialisierung Energieversorgungssicherheit priorisieren, Günstige Preise für Haushalte

Außenpolitik, Europa und Ukraine

Die Ukraine-Frage hat das politische Koordinatensystem verändert. Während CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP die Ukraine unterstützen, fordern AfD und BSW Verhandlungen und lehnen Waffenlieferungen ab.

Partei Ukraine & Sicherheit Europa / NATO
CDU/CSU Klare Ukraine-Unterstützung, NATO-Stärkung, Sondervermögen Bundeswehr Pro-europäisch, starke EU, transatlantische Partnerschaft
SPD Ukraine-Unterstützung mit diplomatischer Flanke, Waffenlieferungen Pro-europäisch, aber Diplomatie betonen
Grüne Entschlossene Ukraine-Unterstützung, Sanktionen gegen Russland Starke EU, gemeinsame Verteidigung, proeuropäische Werte
FDP Ukraine-Unterstützung, NATO-Ausgaben 2 %, transatlantisch Pro-europäisch, weniger Bürokratie in der EU
AfD Keine Waffenlieferungen, Verhandlungen mit Russland, NATO-Skepsis Euro-Skepsis bis EU-Austritt, nationale Souveränität
Linke Waffenstillstand, keine Waffenlieferungen, Abrüstung NATO-Skepsis, europäische Abrüstung, friedliche Diplomatie
BSW Sofortiger Waffenstillstand, keine deutschen Waffenlieferungen Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik, Dialog mit Russland

Innere Sicherheit und Rechtsstaat

Partei Sicherheitspolitik Polizei & Justiz
CDU/CSU Mehr Befugnisse für Sicherheitsbehörden, härtere Strafen Mehr Polizistinnen und Polizisten, schnellere Justiz
SPD Ausgewogene Sicherheit und Bürgerrechte, Prävention Bessere Ausstattung, digitale Ermittlung
Grüne Bürgerrechte schützen, Datenschutz, gegen ausufernde Überwachung Unabhängige Polizeikontrolle, Rassismus bekämpfen
FDP Freiheit vor Sicherheitsgesetzen, kein Überwachungsstaat Rechtsstaatlichkeit, schlanker Staat
AfD Maximale Sicherheit, Ausbau von Überwachung, Waffenrecht lockern Härtere Strafen, schnelle Abschiebungen
Linke Gegen Polizeigewalt und Rassismus, Bürgerrechte priorisieren Reform der Polizei, unabhängige Ermittlungsbehörde
BSW Starker Staat bei Sicherheit und Ordnung Mehr Polizei, konsequente Strafverfolgung

Familie, Gesellschaft und Bildung

Partei Familienpolitik Bildung
CDU/CSU Wahlfreiheit, Kitaausbau, traditionelle und moderne Familien Föderalismus beibehalten, Leistungsförderung
SPD Kindergrundsicherung, Kita-Ausbau, Elterngeld verbessern Gebührenfreies Studium, bessere Lehrergehälter
Grüne Alle Familienformen gleichgestellt, Kindergrundsicherung Ganztagsschulen, Bildungsgerechtigkeit, keine Studiengebühren
FDP Individueller Wahlfreiheit, Eigenverantwortung Bildungsföderalismus stärken, Digitalisierung, mehr Wettbewerb
AfD Traditionelles Familienbild (Mutter, Vater, Kinder), Ablehnung von Gendersprache Leistungsbetonte Schule, Ablehnung von Gender Studies
Linke Alle Familienformen gleich, hohe Familienleistungen Gemeinschaftsschule, gebührenfreie Bildung von Kita bis Uni
BSW Familienförderung, Kita-Qualität verbessern Wissensvermittlung priorisieren, weniger Ideologie in Schulen

Wo liegen die tiefsten Gräben?

Die Unterschiede zwischen den Parteien sind nicht nur graduell — in einigen Fragen sind sie fundamental. Drei Bereiche stechen besonders heraus:

1. Migration: Zwischen Grüne/Linke (offenes Asylrecht, Willkommenskultur) und AfD (Remigration, Ende des Asylrechts) liegt die größte ideologische Distanz im gesamten Parteiensystem. CDU/CSU und BSW sitzen näher an der AfD-Position als an der grünen.

2. Wirtschaft: Die Frage, ob der Markt oder der Staat Probleme löst, teilt FDP und Linke fundamental. Die anderen Parteien bewegen sich im Spektrum dazwischen — aber auch zwischen CDU/CSU und SPD gibt es reale Differenzen bei Steuern und Sozialpolitik, die der Koalitionsvertrag 2025 nur notdürftig überbrückt.

3. Ukraine: Das neue Scheidethema. Die Unterstützung für die Ukraine trennt inzwischen nicht mehr links/rechts, sondern bildet eine eigene Achse: CDU/CSU + SPD + Grüne + FDP auf der einen, AfD + BSW + Linke auf der anderen Seite.

Links-Rechts-Spektrum: Wo stehen die Parteien?

Das klassische Links-Rechts-Schema erklärt die heutige Politiklandschaft nur noch bedingt. Wie ordnen sich CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke und BSW im politischen Spektrum ein — und warum hat die Ukraine-Frage dieses Spektrum verändert?

Häufige Fragen

Welche Partei hat das strengste Migrationsprogramm?

Die AfD fordert Remigration und stellt das Asylrecht grundsätzlich in Frage. BSW und CDU/CSU fordern ebenfalls deutliche Reduzierungen der irregulären Migration. SPD, Grüne und Linke setzen auf humanitäres Asylrecht mit Integration.

Welche Partei will die meisten Steuersenkungen?

Die FDP fordert die umfangreichsten Entlastungen: Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Unternehmenssteuern. CDU/CSU ebenfalls wirtschaftsliberal. Linke und SPD wollen dagegen Vermögende stärker belasten.

Welche Partei ist am klimafreundlichsten?

Die Grünen fordern das ambitionierteste Klimaprogramm: Klimaneutralität möglichst vor 2045, vollständige Energiewende, kein fossiler Strom ab 2030. AfD und BSW lehnen weitreichende Klimaschutzmaßnahmen überwiegend ab.

Was unterscheidet Linke und BSW?

Beide entstammen der gleichen politischen Wurzel, unterscheiden sich aber deutlich: Die Linke setzt auf klassische Sozialpolitik, mehr Staat und höhere Vermögenssteuern. Das BSW kombiniert Sozialpolitik mit strikter Migrationsbegrenzung und fordert einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine.

Welche Parteien bilden die aktuelle Bundesregierung?

Die fünfte Große Koalition aus CDU/CSU (220 Sitze) und SPD (158 Sitze) regiert seit Mai 2025 unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Zum Koalitionsvertrag 2025.

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