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Umfragen zur Bundestagswahl 2017 – Rückblick

Key-Facts

  • Wahltag: 24. September 2017
  • Wahlbeteiligung: 76,2 %
  • Stärkste Kraft: CDU/CSU mit 32,9 %
  • Historisch: Erstmaliger Einzug der AfD in den Bundestag (12,6 %)
  • ∅ Abweichung: ca. 2,3 Prozentpunkte pro Partei

Die Bundestagswahl am 24. September 2017 markierte eine Zäsur in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Zum ersten Mal zog mit der AfD eine rechtspopulistische Partei in den Bundestag ein – und das mit 12,6 Prozent als drittstärkste Kraft. Angela Merkel wurde zwar als Kanzlerin bestätigt, doch die Union erlebte mit 32,9 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949. Wie hatten die Umfragen dieses Ergebnis vorhergesagt?

Der Umfrage-Verlauf 2017

Im Vergleich zur dynamischen BTW 2021 war der Wahlkampf 2017 vergleichsweise statisch. Die CDU/CSU lag durchgängig mit großem Vorsprung vorne – in den Sommermonaten bei 36 bis 39 Prozent. Die SPD erlebte nach der Nominierung von Martin Schulz im Januar 2017 einen kurzen „Schulz-Hype" (bis 33 %), der aber schnell verpuffte.

Die AfD lag während des Wahlkampfs stabil bei 8 bis 11 Prozent – deutlich unter ihrem späteren Wahlergebnis. Die FDP lag bei 8 bis 10 Prozent, die Grünen bei 7 bis 8 Prozent, die Linke bei 9 bis 10 Prozent.

Letzte Umfragen vs. Ergebnis

Institut CDU/CSU SPD AfD FDP Linke Grüne ∅ Abw.
Forsa 36 % 22 % 11 % 9 % 9 % 7 % 2,0 Pp.
Infratest dimap 34 % 21 % 11 % 10 % 10 % 8 % 1,5 Pp.
INSA 33 % 21 % 13 % 10 % 10 % 8 % 1,1 Pp.
FGW 36 % 22 % 10 % 10 % 9 % 8 % 2,2 Pp.
Ergebnis 32,9 % 20,5 % 12,6 % 10,7 % 9,2 % 8,9 %

Analyse: Die Überraschungen

CDU/CSU deutlich überschätzt

Die größte Abweichung betraf die Union: Forsa und die FGW sahen sie bei 36 Prozent – tatsächlich wurden es nur 32,9 Prozent. Eine mögliche Erklärung: Der Demobilisierungseffekt – viele Unionswähler hielten den Sieg für sicher und blieben zu Hause.

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Wahlkampfveranstaltung: Politikerinnen und Politiker um die Gunst der Wähler.

AfD erneut unterschätzt

Die meisten Institute sahen die AfD bei 10 bis 11 Prozent, tatsächlich erreichte sie 12,6 Prozent. Nur INSA lag mit 13 Prozent nah am Ergebnis – ein frühes Beispiel für die bessere Erfassung von AfD-Wählern durch Online-Institute.

FDP und Grüne unterschätzt

Sowohl die FDP (10,7 % vs. 9–10 % in Umfragen) als auch die Grünen (8,9 % vs. 7–8 %) übertrafen ihre Umfragewerte leicht. Bei der FDP könnte der Underdog-Effekt eine Rolle gespielt haben – nach dem Scheitern 2013 war die Solidarität mit der Partei hoch.

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Die Bundestagswahl 2017 brachte mit dem AfD-Einzug eine historische Veränderung der Parteienlandschaft.

Lehren der BTW 2017

Die Bundestagswahl 2017 verdeutlichte drei zentrale Erkenntnisse: Erstens werden Parteien am rechten Rand in Telefonumfragen systematisch unterschätzt (Shy-Voter-Effekt / Schweigespirale). Zweitens kann eine klare Favoritenrolle in Umfragen zur Demobilisierung der eigenen Basis führen. Drittens ist INSA mit seiner Online-Methodik bei der AfD-Messung tendenziell näher am Ergebnis als Telefon-Institute – ein Muster, das sich in späteren Wahlen bestätigte.

24. Januar 2017: Schulz-Hype — der schnellste Umfragesprung in der Geschichte der Bundesrepublik

Am 24. Januar 2017 gab die SPD bekannt, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat antritt. Vier Tage später zeigte die Forsa-Messung: SPD bei 24 Prozent. Zwei Wochen später: 29 Prozent. Anfang März: 32 Prozent — so stark wie die SPD seit der Agenda-2010-Ära nicht mehr gewesen war. Die Partei hatte sich innerhalb von sechs Wochen um mehr als 11 Prozentpunkte verbessert. Schulz' Persönlichkeitswerte explodierten: 46 Prozent der Befragten bei Infratest dimap stuften ihn als "guten Kanzler" ein, hoch von 23 Prozent vor der Nominierung. Manche Umfragen sahen SPD und Union in einem Kopf-an-Kopf-Rennen. Politologen prägten den Begriff "Schulz-Hype" — und diskutierten, ob Umfragen ihn erst ausgelöst hatten. Dann, ab April 2017, begann der Rückgang. Am Wahltag holte die SPD 20,5 Prozent — weniger als vor der Kandidatenbekanntgabe. Die Bewegung war real. Die Wirkung war nur vorübergehend. Der Schulz-Hype gilt seitdem als Lehrbuchfall für die Grenzen personalisierter Demoskopie.

1998: Forsa-Gründung und der moderne Umfragenmarkt – konkurrenz für Allensbach

Das Institut Forsa wurde 1984 gegründet. In den 1990er Jahren entwickelte sich der deutsche Umfragemarkt: Emnid (1945), Infratest dimap (1946), Allensbach (1947), Forsa (1984), INSA (2009), YouGov (2000). Heute gibt es 6 regelmäßig veröffentlichende Institute für Sonntagsfragen. Unterschiede: Allensbach nutzt mündliche Interviews (face-to-face), Forsa CATI (Telefon), INSA Online-Panel, YouGov Online. Jedes Verfahren hat andere systematische Fehler. Der "Umfrageschnitt" (Durchschnitt mehrerer Institute) ist verlässlicher als ein einzelnes Institut.

Häufige Fragen

Wie genau waren die Umfragen vor der Bundestagswahl 2017?

Die durchschnittliche Abweichung lag bei etwa 2,3 Prozentpunkten pro Partei. Die CDU/CSU wurde überschätzt, die FDP und AfD unterschätzt. Die Rangfolge der Parteien wurde korrekt vorhergesagt.

Wurde der AfD-Einzug vorhergesagt?

Ja, alle Institute sahen die AfD oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Die Stärke des Ergebnisses (12,6 %) wurde jedoch von den meisten Instituten unterschätzt.

Warum lag die CDU/CSU unter den Umfragewerten?

Eine mögliche Erklärung ist der Demobilisierungseffekt: Viele Unionswähler hielten den Sieg für sicher und blieben zu Hause. Zudem gab es Last-Minute-Verluste an FDP und AfD.

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