In der deutschen Umfragebranche gibt es Institute, die man respektiert, und Institute, über die man streitet. INSA ist beides. Gegründet 2009 in Erfurt — nicht in Berlin, nicht in Mannheim, nicht am Bodensee — hat sich das jüngste unter den großen Umfrageinstituten in weniger als zwei Jahrzehnten vom Newcomer zum festen Bestandteil der deutschen Sonntagsfrage-Landschaft entwickelt. Dabei hat INSA etwas geschafft, was in einer konservativen Branche selten ist: Es hat eine erkennbare Position. Man weiß, wofür INSA steht — und man weiß, wofür INSA kritisiert wird.
Key-Facts: INSA
- Vollständiger Name: INSA — Institut für neue soziale Antworten GmbH
- Gründung: 2009 in Erfurt
- Sitz: Erfurt
- Geschäftsführer: Hermann Binkert
- Hauptauftraggeber: BILD-Zeitung
- Methode: Online-Panel
- Frequenz: Wöchentlich (Montag)
- Stichprobe: ca. 2.000 Befragte
- Letzte Erhebung: 30.05.2026
Ein CDU-Mann gründet ein Umfrageinstitut
Hinter INSA steht Hermann Binkert, ein ehemaliger CDU-Politiker und Staatskanzlei-Chef in Thüringen. Dass ein Mann mit dieser Biografie ein Meinungsforschungsinstitut gründet, sorgte von Anfang an für hochgezogene Augenbrauen in der Branche. Kann jemand, der selbst Parteipolitiker war, neutrale Umfragen erstellen? Binkert argumentiert, dass gerade seine politische Erfahrung ihm ein tieferes Verständnis für die Mechanismen der öffentlichen Meinung gibt.
Der Standort Erfurt ist programmatisch. In einer Branche, die aus Berlin, München und Mannheim auf das Land schaut, sitzt INSA mitten in Ostdeutschland — in einer Region, deren politische Dynamik die westdeutsch geprägten Institute regelmäßig überrascht hat. INSA pflegt eine besondere Expertise für die politische Stimmung in den neuen Bundesländern, wo andere Wählerstrukturen und ein anderes Verhältnis zur Demokratie herrschen als im Westen.
Der INSA-Effekt — warum die AfD bei INSA höher liegt
Es gibt ein Phänomen, das in der Branche als „INSA-Effekt" diskutiert wird: INSA misst bei der AfD regelmäßig höhere Werte als Telefon-basierte Institute wie Forsa oder Infratest dimap. Die Differenz beträgt typischerweise ein bis zwei Prozentpunkte — nicht dramatisch, aber in einem Sechs-Parteien-System kann das über Koalitionsrechner und Sperrminoritäten entscheiden.
Die methodische Erklärung ist plausibel und hat nichts mit politischer Sympathie zu tun: In Online-Panels geben Befragte eher an, eine als kontrovers wahrgenommene Partei wählen zu wollen, weil kein menschlicher Interviewer am anderen Ende der Leitung sitzt. In der Forschung ist dieses Phänomen als „Social Desirability Bias" bekannt: Menschen neigen dazu, im persönlichen Gespräch sozial erwünschte Antworten zu geben.
Die Wahlergebnisse der letzten Jahre geben INSA in diesem Punkt teilweise recht: Bei der Bundestagswahl 2025 lag INSA mit seiner AfD-Einschätzung näher am Endergebnis als mehrere telefonbasierte Institute. Das beweist nicht, dass INSA insgesamt präziser ist — bei anderen Parteien zeigen sich die üblichen Abweichungen — aber es zeigt, dass die Frage nach dem richtigen Erhebungskanal keine akademische ist, sondern reale politische Konsequenzen hat.
Methodik — konsequent online
INSA setzt primär auf Online-Panel-Befragungen. Rund 2.000 Befragte werden wöchentlich aus einem großen Pool registrierter Personen rekrutiert. Der Fragebogen wird digital ausgefüllt, die Feldzeit beträgt typischerweise ein bis zwei Tage.
Der Vorteil: Geschwindigkeit. Online-Befragungen können schneller durchgeführt und ausgewertet werden als Telefoninterviews. Jüngere Altersgruppen, die telefonisch zunehmend schwer erreichbar sind, werden besser erfasst. Der Nachteil: Selbstselektion. Wer sich freiwillig für ein Online-Panel registriert, ist möglicherweise politisch interessierter oder meinungsstärker als der Durchschnitt.
Um diese Verzerrung zu kompensieren, wendet INSA ein aufwendiges Gewichtungsverfahren an: Alter, Geschlecht, Bildung, Berufsstatus, Region und das frühere Wahlverhalten fließen in die Korrektur ein. Ergänzend führt INSA bei ausgewählten Studien auch Telefonbefragungen durch, insbesondere wenn ältere Bevölkerungsgruppen stärker berücksichtigt werden sollen.
Der Montag gehört INSA
Jeden Montag veröffentlicht INSA im Auftrag der BILD-Zeitung (Axel Springer SE) neue Sonntagsfrage-Werte und eröffnet damit die Umfragewoche. BILD ist die reichweitenstärkste Tageszeitung Deutschlands, was den INSA-Umfragen eine hohe mediale Sichtbarkeit verschafft — auch wenn das Publikum der BILD ein anderes ist als das der ARD-Tagesthemen.
Neben BILD arbeitet INSA für Regionalzeitungen, Wirtschaftsverbaende, politische Stiftungen und Parteien. Das Institut erstellt auch Spezialumfragen zu gesellschaftlichen Themen wie Digitalisierung, Wertewandel und demografischen Entwicklungen. Binkert selbst ist regelmäßig als Kommentator in Medien präsent.
Aktuelle INSA-Umfragen — Sonntagsfrage
| Datum | CDU/CSU | SPD | Grüne | FDP | AfD | BSW | Linke |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 30.05.2026 | 22,0% | 12,0% | 14,0% | 3,0% | 29,0% | 3,0% | 11,0% |
| 26.05.2026 | 22,0% | 12,0% | 14,0% | 4,0% | 29,0% | 3,0% | 10,5% |
| 23.05.2026 | 22,0% | 12,0% | 14,0% | 4,0% | 29,0% | 3,0% | 11,0% |
| 19.05.2026 | 22,0% | 12,5% | 14,0% | 3,5% | 29,0% | 3,5% | 10,5% |
| 16.05.2026 | 22,0% | 12,0% | 14,0% | 3,0% | 29,0% | 3,0% | 10,0% |
Die durchschnittliche Abweichung über alle Parteien liegt bei INSA im branchenweiten Standard von rund 1,5 bis 2 Prozentpunkten. Die statistische Fehlermarge beträgt ±2,5 bis ±3 Prozentpunkte.
2021: INSA misst AfD bei 16 Prozent – Telefon-Institute bei 10 Prozent
In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs 2021 publizierte INSA eine Umfrage mit AfD bei 16 Prozent – während alle Telefon-Institute 10–12 Prozent massen. Der Unterschied war nie größer als in diesem Moment. Das tatsächliche Ergebnis: 10,3 Prozent. INSA hatte um fast 6 Punkte uebertrieben – ein Beleg dafür, dass auch Online-Methode ihren eigenen Bias hat.
Häufige Fragen zu INSA
Was bedeutet der Name INSA?
INSA steht für „Institut für neue soziale Antworten". Das Meinungsforschungsinstitut wurde 2009 von Hermann Binkert in Erfurt gegründet und hat sich auf Online-Befragungen spezialisiert.
Für welche Medien erstellt INSA Umfragen?
Der Hauptauftraggeber von INSA ist die BILD-Zeitung. Daneben erstellt INSA Umfragen für weitere Medien, politische Stiftungen, Verbände und Unternehmen. Die wöchentliche Sonntagsfrage erscheint jeden Montag.
Warum misst INSA die AfD höher als andere Institute?
INSA erhebt primär über Online-Panels. In anonymen Online-Befragungen geben Teilnehmer eher an, kontroverse Parteien wählen zu wollen, weil der soziale Druck eines Telefongesprächs fehlt. Die Wahlergebnisse 2025 zeigten, dass die Online-Institute bei der AfD näher am Ergebnis lagen.
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