Nachdenkliche Szene in einer Ruhrgebietsstadt

Wahlkreis 158: Mülheim – Essen I – Die grüne Mitte des Reviers

Key-Facts: Wahlkreis 158

  • Wahlkreis-Nr.: 158
  • Name: Mülheim – Essen I
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gebiet: Mülheim an der Ruhr, westliche Stadtteile von Essen
  • Stärkste Partei 2025: CDU (30,4 %)
  • Direktmandat 2021: SPD

Wer Mülheim an der Ruhr zum ersten Mal besucht, staunt oft: Mitten im dicht besiedelten Ruhrgebiet öffnet sich plötzlich eine Landschaft aus Ruhrauen, alten Villen und breiten Alleen. Die Stadt mit rund 170.000 Einwohnern trägt den inoffiziellen Titel der grünsten Ruhrgebietsstadt – und das nicht ohne Grund. Über die Hälfte des Stadtgebiets besteht aus Grünflächen, Parks und Wald. Zusammen mit den westlichen Essener Stadtteilen bildet Mülheim den Wahlkreis 158, einen der spannendsten Swing-Wahlkreise in Nordrhein-Westfalen.

Zwischen Wohlstand und Strukturwandel

Mülheim nimmt im Ruhrgebiet eine Sonderrolle ein. Die Stadt ist spürbar wohlhabender als ihre Nachbarn Oberhausen, Duisburg oder Gelsenkirchen. Das Durchschnittseinkommen liegt deutlich über dem Revier-Schnitt, die Arbeitslosenquote darunter. Historisch profitierte Mülheim von der Lederindustrie und später von der Ansiedlung großer Konzernzentralen. Noch heute hat die Stadt eine überraschend hohe Dichte an Firmensitzen für ihre Größe.

Der westliche Teil Essens, der ebenfalls zum Wahlkreis gehört, zeigt ein differenzierteres Bild. Stadtteile wie Borbeck und Schönebeck haben durchaus Arbeiterviertel-Charakter, während andere Gebiete zum gehobenen Mittelstand zählen. Genau dieser Mix macht den Wahlkreis politisch so unberechenbar.

Ein Wahlkreis, der die Seiten wechselt

2017 gewann die CDU das Direktmandat, 2021 holte es die SPD zurück. Bei der Bundestagswahl 2025 liegt die CDU mit 30,4 Prozent der Erststimmen wieder vorn, die SPD folgt mit 25,6 Prozent. Dieses Hin und Her ist kein Zufall, sondern spiegelt die soziale Struktur des Wahlkreises wider: Hier treffen bürgerliche Wählerschaft aus den besseren Vierteln Mülheims und der westlichen Essener Stadtteile auf eine gewerkschaftlich geprägte Arbeiterschaft in den älteren Industriequartieren.

Partei Erststimmen 2025 Rang
CDU30,4 %1 – Direktmandat
SPD25,6 %2
AfD14,2 %3
Grüne11,8 %4
FDP5,6 %5
Sonstige12,4 %
Politische Diskussion im Café

Die Ruhr als Lebensader

Die Ruhr selbst, der Fluss, der dem gesamten Gebiet seinen Namen gibt, prägt Mülheim wie kaum eine andere Stadt im Revier. Der Wasserbahnhof – ein denkmalgeschütztes Gebäude direkt am Flussufer – ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Ruhrauen bieten Naherholung, die Weiße Flotte fährt Ausflügler flussaufwärts und -abwärts. Für viele Mülheimer ist der Fluss der Grund, warum sie trotz aller Strukturprobleme im Ruhrgebiet bleiben.

Wer wählt hier wie – und warum?

Die CDU punktet in Mülheims besseren Wohnlagen – Saarn, Selbeck, Mintard – und bei älteren Wählern mit Eigenheim. Die SPD hält dagegen in den dichter besiedelten Quartieren, in denen Mieter überwiegen und die gewerkschaftliche Bindung noch spürbar ist. Die Grünen profitieren vom ökologischen Image der Stadt und erreichen hier bessere Werte als in den meisten anderen Ruhrgebiets-Wahlkreisen. Die AfD bleibt unter dem NRW-Durchschnitt – ein Zeichen für die vergleichsweise stabile wirtschaftliche Lage.

Muelheim an der Ruhr und Essen I
Muelheim-Essen I: Ruhr-Metropole und Stahlarbeiterstaedte im Wahlkreis 158. | BWU Redaktion

Direktkandidat 2025

Wahlkreis 158 umfasst Muelheim an der Ruhr und den westlichen Teil Essens. Die CDU gewann 2025 das Direktmandat - eine Ueberraschung in einer traditionell SPD-gepraegten Region. Muelheim ist wohlhabender als viele Ruhrgebietsstaedte, Essen-West ist heterogener.

Muelheim als Ausnahme im Ruhrgebiet

Muelheim an der Ruhr hat eine ueberdurchschnittliche Kaufkraft fuer das Ruhrgebiet. Villen an der Ruhr, Unternehmerfamilien und eine buergerliche Mittelschicht praegen die Stadt. Gleichzeitig gibt es strukturschwache Teile. Tengelmann und andere Grossunternehmen haben ihren Sitz in Muelheim.

Weiterlesen: Muelheim an der Ruhr auf Wikipedia

Mehr: Essen II und Duisburg II als Nachbarwahlkreise.

Lage des Wahlkreises

1990: Erste Gesamtdeutsche Wahl – 144 neue Wahlkreise aus dem Osten

Am 2. Dezember 1990 wählten erstmals alle Deutschen gemeinsam den Bundestag. Die DDR lieferte 144 zusätzliche Wahlkreise: Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Berlin-Ost. Wahlbeteiligung im Osten: 74,5 Prozent – niedriger als im Westen (78,4 Prozent). CDU/CSU gewann 43,8 Prozent – im Osten dank des Einheitsversprechens sogar über 40 Prozent. PDS (Nachfolgerin der SED) zog mit 2,4 Prozent bundesweit – dank Ostklausel fünf Direktmandate in Berlin – in den Bundestag ein. Die Wahlrechtsänderung für 1990 war eine historische Ausnahmeregelung.

Häufige Fragen

Warum gilt Mülheim als grünste Ruhrgebietsstadt?

Mülheim an der Ruhr besitzt einen außergewöhnlich hohen Anteil an Grünflächen und Waldgebieten. Das Ruhrtal, der Mülheimer Stadtwald und zahlreiche Parks machen über 50 Prozent des Stadtgebiets zu Grün- und Erholungsflächen – das ist für eine Ruhrgebietsstadt ungewöhnlich.

Warum wechselt der Wahlkreis 158 häufig zwischen CDU und SPD?

Die soziale Struktur ist gemischt: Mülheim gilt als wohlhabend für das Ruhrgebiet, was der CDU hilft. Gleichzeitig gibt es in West-Essen klassische Arbeiterviertel mit SPD-Tradition. Dieser Mix macht den Wahlkreis zu einem echten Swing-Seat, der bei jeder Wahl neu entschieden wird.

Welche Rolle spielt die Ruhr für den Wahlkreis?

Die Ruhr prägt Mülheim wie kaum eine andere Ruhrgebietsstadt. Der Fluss bietet Naherholung, der historische Wasserbahnhof ist Wahrzeichen, und die Ruhrauen machen den Unterschied zu den dichter besiedelten Nachbarstädten spürbar.

Mehr dazu: AfD Umfragen · CDU/CSU Umfragen · der Bundestag

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