Wahlkreis 156: Duisburg II – Stahl, Wandel und die Frage nach dem Morgen
Key-Facts: Wahlkreis 156
- Wahlkreis-Nr.: 156
- Name: Duisburg II
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Besonderheit: ThyssenKrupp-Stahlwerk, heterogene Sozialstruktur
- SPD: 27,8 % | CDU: 25,6 %
- Gewinner BTW 2021: SPD
- Gewinner BTW 2017: SPD
Nachts sieht man den Widerschein der Hochofen-Flammen am Himmel über Duisburg-Hüttenheim. Flüssiger Stahl bei 1.500 Grad – das ist keine Metapher, sondern Alltagsproduktion bei ThyssenKrupp Steel Europe. Eines der größten integrierten Hüttenwerke des Kontinents steht hier, mitten im Stadtgebiet. Während in anderen Teilen Deutschlands über Deindustrialisierung diskutiert wird, glüht in Duisburg immer noch der Stahl.
ThyssenKrupp: Arbeitgeber, Unsicherheitsfaktor, Zukunftsprojekt
Rund 13.000 Menschen arbeiten am Duisburger Standort von ThyssenKrupp Steel. Rechnet man Zulieferer und Dienstleister hinzu, hängen schätzungsweise 40.000 Arbeitsplätze in der Region an der Stahlindustrie. Das macht ThyssenKrupp zum wichtigsten einzelnen Arbeitgeber der Stadt – und zu einem politischen Faktor, an dem kein Bundestagskandidat vorbeikommt.
Derzeit plant der Konzern die Transformation zur Produktion von grünem Stahl mittels Wasserstoff. Es ist eines der größten Industrieprojekte Europas: Milliarden-Investitionen, um Kohlenstoff durch Wasserstoff zu ersetzen und den CO2-Ausstoß drastisch zu senken. Für Duisburg bedeutet das gleichzeitig Hoffnung und Angst – Hoffnung auf Zukunftsfähigkeit, Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen im Übergang.
Zwei Gesichter eines Wahlkreises
Duisburg II ist nicht nur Stahl. Der südliche Teil der Stadt umfasst Viertel wie Duissern, Neudorf und Buchholz, die bürgerlich geprägt sind. In Duissern stehen Gründerzeitvillen, in Neudorf ist die Universität Duisburg-Essen angesiedelt. Weiter südlich, in Wanheim und Mündelheim, grenzt die Stadt an den Rhein – ländlich anmutende Randgebiete, die man in einer Ruhrgebietsstadt nicht erwarten würde.
Diese Heterogenität schlägt sich in den Wahlergebnissen nieder. Die SPD dominiert in den Arbeitersiedlungen rund um das Stahlwerk. Die CDU punktet in den bürgerlichen Südvierteln. Und die Grünen finden an der Universität ihr stärkstes Terrain.
| Partei | Ergebnis (ca.) |
|---|---|
| SPD | 27,8 % |
| CDU | 25,6 % |
| AfD | ~14 % |
| Grüne | ~9 % |
| FDP | ~7 % |
| Sonstige | ~17 % |
Knapper als es scheint
Nur rund zwei Prozentpunkte trennen SPD und CDU in Duisburg II. Das ist weniger als in Duisburg I, wo die SPD deutlicher führt. Der Grund: Die bürgerlichen Südviertel gleichen den SPD-Vorsprung in den Arbeiterstadtteilen teilweise aus. Bei beiden letzten Bundestagswahlen gewann die SPD das Direktmandat – aber keineswegs unge-fährdet.
Die Sitzverteilung im Bundestag hängt auch von Wahlkreisen wie diesem ab: eng, heterogen, auf Bundestrends reagierend. Wer in Duisburg II gewinnen will, muss sowohl Stahlarbeiter als auch Universitätsangestellte überzeugen.
Direktkandidat 2025
Duisburg II umfasst die suedlichen Stadtteile: Rheinhausen, Homberg und Teile von Grossenbaum. Die SPD gewann 2025 das Direktmandat. Suedduisburg ist weniger von den schlimmsten Strukturproblemen betroffen als der Norden, hat aber ebenfalls mit dem Ruhrgebiets-Erbe zu kaempfen.
Rheinufer und Stadtentwicklung
Das Duisburger Rheinufer bietet eine attraktive Lage. Landschaftspark Duisburg-Nord - die umgebaute Huettenanlage - ist ein Beispiel fuer kreativen Strukturwandel: aus Hochofen wird Kulturraum. Derartige Projekte ziehen Touristen an und veraendern das Image der Stadt langsam aber stetig.
Weiterlesen: Duisburg auf Wikipedia
Mehr: Duisburg I und Muelheim-Essen I als Nachbarwahlkreise.
Lage des Wahlkreises
Wahlkreise in der Nähe
2017: AfD zieht in 91 Direktmandat-Wahlkreise als zweitstärkste Kraft ein
Bei der Bundestagswahl 2017 erhielt die AfD in 91 Wahlkreisen die meisten Erststimmen – allesamt in Ostdeutschland. Doch kein einziges Direktmandat: Die anderen Parteien hatten überall die Mehrheit. In Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erreichte die AfD 37,4 Prozent der Erststimmen – bundesweit einzigartig. Trotzdem zog die AfD mit 94 Sitzen in den Bundestag ein – über die Zweitstimme. Der Bundestag wächs auf 709 Sitze durch Ausgleichs- und Überhangmandate. Die Wahlkreiskarte zeigte: Westdeutschland = Schwarz/Rot, Ostdeutschland = fragmentiert.
Häufige Fragen
Welche Rolle spielt ThyssenKrupp?
ThyssenKrupp Steel Europe beschäftigt rund 13.000 Menschen am Standort Duisburg. Das Unternehmen ist der mit Abstand größte Arbeitgeber der Stadt und steht vor der historischen Transformation zu grünem Stahl.
Wie unterscheiden sich Duisburg I und II?
Duisburg I umfasst den Norden mit Hafen und Marxloh – stärker sozial belastet. Duisburg II umfasst den Süden mit Stahlwerk, Universität und bürgerlicheren Vierteln. Beide sind SPD-Hochburgen, aber Duisburg II ist heterogener.
Wie steht es um die Zukunft der Stahlindustrie?
Die Umstellung auf Wasserstoff-basierten Stahl ist ein Milliardenprojekt. Für Duisburg bedeutet das Zukunftsfähigkeit, aber auch Unsicherheit über Arbeitsplätze und Energiekosten während der Übergangsphase.
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