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Europawahl 2024 — Das Ergebnis für Deutschland

Key-Facts: Europawahl 2024

  • Datum (Deutschland): 9. Juni 2024
  • Wahlberechtigte (DE): ca. 64,9 Millionen
  • Wahlbeteiligung (DE): 64,8%
  • Stärkste Kraft (DE): CDU/CSU mit 30,0%
  • Deutsche Sitze im EU-Parlament: 96 von 720
  • Sperrklausel: Keine (kein 5%-Hürde bei der Europawahl)
  • Besonderheit: Erstmals Wahlrecht ab 16 Jahren

Am 9. Juni 2024 wählten die Deutschen ihre 96 Abgeordneten für das Europäische Parlament. EU-weit fand die Europawahl vom 6. bis 9. Juni in allen 27 Mitgliedstaaten statt. In Deutschland war die Wahl vor allem ein Stimmungstest für die Ampel-Regierung — und das Ergebnis fiel verheerend für die Regierungsparteien aus.

6,2 Prozent aus dem Stand — für eine Partei, die erst Wochen existierte. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), erst im Januar 2024 gegründet, zog bei seiner ersten bundesweiten Wahl direkt ins Europäische Parlament ein. Ein Ergebnis, das selbst politische Beobachter überraschte und zeigte, wie aufnahmebereit das Wählerfeld für neue Angebote jenseits der etablierten Parteien geworden war. Dass die Parteigründung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt gelang, an dem die Ampel-Regierung historische Tiefststände in den Zustimmungswerten erreichte, war kein Zufall — sondern der fruchtbare Boden, den politische Unzufriedenheit bereitet.

Doch das BSW war nicht die einzige Überraschung. Die Europawahl 2024 legte auch offen, wie tief der Graben zwischen den Generationen geworden war: Bei den Erstwählern (16–24 Jahre) lag die AfD in mehreren ostdeutschen Bundesländern auf Platz eins — ein Ergebnis, das die verbreitete Annahme widerlegte, junge Wähler seien gegenüber der AfD immun. Gleichzeitig erreichten die Grünen bei den unter 30-Jährigen bundesweit nur noch 11%, nach 34% bei der Europawahl 2019. Der Klimaschutz, einst das beherrschende Thema dieser Generation, war von Migration und wirtschaftlicher Unsicherheit verdrängt worden.

Gleichzeitig am selben Tag fanden in neun Bundesländern Kommunalwahlen statt, was die Wahlbeteiligung zusätzlich erhöhte. Erstmals bei einer bundesweiten Wahl durften zudem 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben.

Das Ergebnis in Deutschland (Zweitstimmen)

ParteiStimmenanteilSitze (DE)Veränderung zu 2019
CDU/CSU30,0%29+1,2%
AfD15,9%15+4,9%
SPD13,9%14−1,9%
Grüne11,9%12−8,6%
BSW6,2%6neu
FDP5,2%5−0,2%
Die Linke2,7%3−2,8%
Freie Wähler2,7%3+0,4%
Volt2,6%3+1,8%
Die PARTEI1,9%2−0,3%
Sonstige5,0%4

Da es bei der Europawahl in Deutschland keine Sperrklausel gibt, zogen insgesamt 15 Parteien und politische Vereinigungen ins EU-Parlament ein — darunter auch Parteien mit weniger als 1% der Stimmen. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2014 sowohl die 5%- als auch eine geplante 3%-Hürde für verfassungswidrig erklärt.

Gewinner und Verlierer

CDU/CSU: Stabiler Wahlsieger

Die CDU/CSU bestätigte mit 30,0% ihre Führungsposition. In den westdeutschen Flächenländern lag sie teilweise bei über 35%. Das Ergebnis wurde als Bestätigung von Friedrich Merz als Parteichef gewertet und stärkte seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur.

AfD: Zweitstärkste Kraft trotz Skandalen

Die AfD erreichte mit 15,9% Platz zwei — trotz zahlreicher Skandale im Wahlkampf, darunter der Spionagevorwurf gegen den Spitzenkandidaten Maximilian Krah und die Verhältnisse zu China und Russland. In Ostdeutschland wurde die AfD in vielen Regionen stärkste Kraft.

Junger Mann nachdenklich in Berlin vor der Europawahl
Erstmals durften bei der Europawahl 2024 auch 16- und 17-Jährige wählen.

SPD: Historisches Tief

Die SPD fiel auf 13,9% — ihr schlechtestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl überhaupt. Kanzler Olaf Scholz stand danach massiv unter Druck. Die Partei verlor in allen Altersgruppen und Regionen.

Grüne: Dramatischer Absturz

Von 20,5% (2019) auf 11,9% — die Grünen verloren fast die Hälfte ihrer Wähler. Das Heizungsgesetz, der Streit um Asylpolitik und eine allgemeine Regierungsermüdung trafen die Partei hart.

BSW: Erfolgreicher Neustart

Das Bündnis Sahra Wagenknecht trat erstmals bei einer bundesweiten Wahl an und erreichte aus dem Stand 6,2% und sechs Sitze. Besonders in Ostdeutschland (bis zu 15%) schnitt die Partei stark ab.

Das Wahlrecht ab 16 — Auswirkungen

Erstmals bei einer bundesweiten Wahl durften rund 1,4 Millionen 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Die Analyse ihres Wahlverhaltens ergab überraschende Ergebnisse:

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.
Partei16–24-JährigeAlle WählerDifferenz
CDU/CSU17%30,0%−13%
AfD16%15,9%±0%
Grüne11%11,9%−1%
SPD9%13,9%−5%
Volt9%2,6%+6%
BSW5%6,2%−1%
FDP6%5,2%+1%

Auffällig: Die AfD schnitt bei jungen Wählern fast genauso stark ab wie im Gesamtergebnis — ein Bruch mit dem bisherigen Muster, wonach junge Wähler tendenziell progressiver abstimmen. Volt profitierte überproportional von den Jungwählern. Die Grünen, 2019 noch mit über 30% bei den Unter-30-Jährigen die beliebteste Partei, fielen auf 11% zurück.

Die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre hatte der Bundestag im November 2022 beschlossen (BGBl. I S. 2150). Sie galt ausschließlich für die Europawahl, nicht für Bundestagswahlen. Rund 1,4 Millionen Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren waren erstmals wahlberechtigt. Die Wahlbeteiligung in dieser Altersgruppe lag allerdings unter dem Durchschnitt — laut Infratest dimap gaben nur etwa 55% der 16- und 17-Jährigen ihre Stimme ab. Die Debatte, ob das Wahlalter auch für Bundestagswahlen gesenkt werden sollte, gewann durch die Erfahrungen der Europawahl neue Dynamik (Quelle: Bundeswahlleiter).

Europawahl 2024 im EU-weiten Kontext: Der Rechtsruck

EU-weit gewannen konservative und rechte Parteien deutlich an Boden — Beobachter sprachen vom größten Rechtsruck seit Bestehen des Europäischen Parlaments. Die Europäische Volkspartei (EVP) blieb mit 188 Sitzen stärkste Fraktion, doch die eigentlichen Gewinner saßen weiter rechts.

EU-FraktionSitze 2024Sitze 2019Veränderung
EVP (Konservative)188182+6
S&D (Sozialdemokraten)136154−18
Renew (Liberale)77108−31
Grüne/EFA5372−19
EKR (Rechtskonservative)7869+9
ID (Rechtsaußen)5849+9
Sonstige / Fraktionslose13086+44

Die Verschiebung war in einzelnen Ländern besonders drastisch:

  • Frankreich: Das Rassemblement National (Marine Le Pen / Jordan Bardella) erreichte 31,4% — doppelt so viel wie Macrons Partei (14,6%). Präsident Macron löste daraufhin die Nationalversammlung auf und rief Neuwahlen aus.
  • Italien: Giorgia Melonis Fratelli d’Italia gewannen mit 28,8% und festigten ihre Regierungsposition.
  • Österreich: Die FPÖ wurde mit 25,4% erstmals stärkste Kraft bei einer bundesweiten Wahl.
  • Belgien: Premierminister Alexander De Croo trat nach schweren Verlusten seiner Liberalen zurück.
  • Niederlande: Die Koalition unter Geert Wilders’ PVV (17,7%) wurde bestätigt.

Politikwissenschaftler der Bundeszentrale für politische Bildung führten den EU-weiten Trend auf drei Faktoren zurück: Migrationspolitik, Inflationsfolgen und eine verbreitete Unzufriedenheit mit den Regierungsparteien in vielen Ländern. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wurde trotz des Rechtsrucks für eine zweite Amtszeit bestätigt — gestützt auf eine breite Koalition aus EVP, S&D und Renew.

Bedeutung für die Bundespolitik

Die Europawahl 2024 wurde vielfach als Vorbote für die Bundestagswahl 2025 interpretiert. Die drei Ampel-Parteien kamen zusammen auf nur 31,0% — ein vernichtendes Urteil über die Regierungsarbeit. Die Landtagswahlen im Herbst 2024 in Sachsen, Thüringen und Brandenburg bestätigten den Trend. Wenige Monate später zerbrach die Ampel-Koalition.

Die AfD im EU-Parlament: Fraktionswechsel und Isolierung

Für die AfD-Delegation im Europäischen Parlament hatte die Wahl 2024 ein paradoxes Ergebnis: Mit 15 Sitzen war sie so stark vertreten wie nie zuvor, stand aber fraktionspolitisch isoliert da. Die Fraktion „Identität und Demokratie" (ID) hatte die AfD bereits im Mai 2024 ausgeschlossen — nach Aussagen des Spitzenkandidaten Maximilian Krah, in denen er SS-Mitglieder pauschal in Schutz genommen hatte. Die AfD-Abgeordneten sahen sich gezwungen, eine neue Fraktion zu suchen. Letztlich schloss sich ein Teil der Gruppe „Patriots for Europe" (PfE) an, die von Viktor Orbáns Fidesz und Marine Le Pens Rassemblement National gegründet wurde. Krah selbst wurde aus der Delegation ausgeschlossen. Die Episode zeigte, dass die AfD trotz nationaler Stärke auf europäischer Ebene Schwierigkeiten hatte, verlässliche Bündnispartner zu finden — eine Dynamik, die sich bei der Europawahl 2029 erneut stellen wird.

Die Europawahl 2024 offenbarte zudem eine Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland, die bei keiner früheren Europawahl so deutlich zutage getreten war. In den fünf ostdeutschen Flächenländern wurde die AfD in vier von fünf Ländern stärkste Kraft (Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt), während die CDU/CSU in allen westdeutschen Ländern dominierte. Die politische Landkarte Deutschlands zeigte damit ein Muster, das sich bei den Landtagswahlen im Herbst 2024 noch verschärfte. Die fehlende Sperrklausel bei der Europawahl machte dieses Muster besonders sichtbar, da keine Stimme „verloren" ging und die regionalen Präferenzen unverzerrt abgebildet wurden.

9. Juni 2024, 21:17 Uhr: Macron kündigt Neuwahlen an — und stürzt Europa in eine Börsenkrise

Während in Deutschland noch die Hochrechnungen zur Europawahl liefen, trat Emmanuel Macron vor die Kameras und verkündete die Auflösung der Nationalversammlung und vorgezogene Parlamentswahlen. Sein Rassemblement-National-Gegner Marine Le Pen hatte gerade 31,4% geholt — mehr als doppelt so viele wie Macrons Partei (14,6%). Es war der dramatischste unmittelbare politische Einschlag einer Europawahl in der EU-Geschichte: Am nächsten Morgen fiel der französische Leitindex CAC 40 um 2,5%. Der Euro verlor gegenüber dem Dollar. Rating-Agenturen warnten vor politischer Instabilität. Eine Europawahl hatte zum ersten Mal direkt eine Börsenkrise in einem EU-Kernland ausgelöst. Macron verlor die Parlamentswahlen im Juli 2024 — wurde aber nicht gestürzt.

9. Juni 2024, 18:00 Uhr: Der Abend, der Europa veränderte

Als die ersten Prognosen der Europawahl 2024 eintrafen, war der Ruck nach rechts eindeutig sichtbar. In Frankreich brach die Partei von Emmanuel Macron ein (15,2 %) gegenüber Marine Le Pens Rassemblement National (31,4 %). Macron rief noch in der Nacht Neuwahlen aus — die größte politische Überraschung des Abends. In Deutschland war das Bild ähnlich: Die AfD erzielte mit 15,9 % ihr bestes EU-Wahlergebnis aller Zeiten. In Österreich gewann die FPÖ (25,4 %), in Italien dominierte Melonis Fratelli d'Italia (28,8 %). In Brüssel selbst verloren die drei großen Mitteparteien ihre bisherige Dreier-Dominanz. Es war das erste Europaparlament, in dem die Mitte nur noch mit Zugeständnissen nach rechts oder links regierungsfähig ist.

Häufige Fragen

Wann fand die Europawahl 2024 statt?

In Deutschland wurde am 9. Juni 2024 gewählt. EU-weit fand die Wahl vom 6. bis 9. Juni 2024 statt.

Wer hat die Europawahl 2024 in Deutschland gewonnen?

Die CDU/CSU wurde mit 30,0% stärkste Kraft, gefolgt von der AfD mit 15,9% und der SPD mit 13,9%.

Gab es bei der Europawahl 2024 eine Sperrklausel?

Nein. Bei der Europawahl 2024 in Deutschland gab es keine Sperrklausel, daher zogen auch Kleinparteien mit wenigen Stimmen ins EU-Parlament ein.

Wie hoch war die Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2024?

Die Wahlbeteiligung in Deutschland lag bei 64,8%, ein deutlicher Anstieg gegenüber 2019 (61,4%). Erstmals durften 16-Jährige wählen.

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