Merz-Regierung nach einem Jahr — Was hat Schwarz-Rot bisher erreicht?
Key-Facts: Merz-Regierung 2025–2026
- Koalition: CDU/CSU + SPD (Große Koalition)
- Kanzler: Friedrich Merz (CDU)
- Amtsantritt: Mai 2025 (Koalitionsvertrag April 2025, Kanzlerwahl Mai 2025)
- Zustimmung: nur 15 % der Deutschen zufrieden (März 2026)
- Wirtschaft: Wachstumsprognose 2026 auf 0,6 % halbiert
- Sonntagsfrage: CDU/CSU + SPD zusammen nur 38 % — rechnerisch keine Mehrheit
Ein Jahr nach dem Amtsantritt der schwarz-roten Koalition zeigt das Meinungsbarometer ein ernüchternd klares Bild: Nur 15 Prozent der Deutschen sind laut Infratest dimap (März 2026) mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden. 84 Prozent bewerten die Regierungsleistung negativ. Für eine Koalition, die nach den turbulenten Ampel-Jahren mit dem Versprechen von Stabilität und wirtschaftlicher Erneuerung angetreten war, ist das ein bemerkenswert schlechter Startwert.
Was wurde wirklich umgesetzt?
Die Bundesregierung kann durchaus auf erste wirtschaftspolitische Maßnahmen verweisen. Die degressive Abschreibung für Unternehmensinvestitionen wurde auf 30 Prozent angehoben. Eine schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer von 15 auf 10 Prozent bis 2028 ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Für die Gaslagerpauschale fließen jährlich 3,4 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds. Das sind keine symbolischen, sondern reale Entlastungen für Unternehmen.
Auf der Soll-Seite steht allerdings die ausgebliebene große Investitionsoffensive. Die Wirtschaftswachstumsprognose für 2026 wurde von 1,3 auf 0,6 Prozent halbiert — teilweise bedingt durch den Iran-Konflikt und daraus resultierende Energiepreissprünge, teilweise aber auch durch strukturelle Probleme, die kein Koalitionsvertrag schnell lösen kann.
| Versprechen im Koalitionsvertrag | Status (April 2026) | Einschätzung |
|---|---|---|
| Degressive Abschreibung 30 % | ✓ Umgesetzt | Reale Unternehmenshilfe, wirkt ab 2025 |
| Körperschaftsteuer-Senkung auf 10 % (bis 2028) | ↻ In Planung | Zeitplan abhängig von Haushaltslage |
| Gaslagerpauschale (3,4 Mrd. jährlich) | ✓ Umgesetzt | Aus Klimafonds, entlastet Industrie |
| Große Investitionsoffensive / Infrastruktur | ✗ Ausständig | Wachstumsprognose halbiert (0,6 %) |
| Migrationssteuerung / Grenzsicherung | ↻ Teilweise | Zuständigkeit zwischen Bund/Ländern strittig |
| Rentenniveau 48 % halten (Rentenpaket II) | ✓ Beschlossen | Umstritten: Kosten 170 Mrd. bis 2035 |
| Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen | ✗ Ausständig | Keine spürbare Entlastung bisher |
Die Stimmungskrise: Warum so viele unzufrieden sind
Der Absturz in den Umfragen hat mehrere Ursachen. Die SPD als Juniorpartner verliert besonders stark: Mit aktuell 12 Prozent hat sie ihren tiefsten Wert seit August 2019 erreicht. Die CDU/CSU behauptet sich mit rund 26 Prozent, liegt aber deutlich unter dem Bundestagswahlergebnis von 28,5 Prozent.
58 Prozent der Deutschen beschreiben steigende Energiepreise als großes persönliches Problem (ZDF-Politbarometer März 2026). 80 Prozent kritisieren, dass die Regierung zu wenig gegen den Preisanstieg tut. Dieser Eindruck der Handlungsunfähigkeit schadet beiden Koalitionspartnern — in unterschiedlichem Maße, aber gleichzeitig.
AfD profitiert: Der Druck von rechts
Das größte strukturelle Problem für die Koalition ist der Aufstieg der AfD. Sie liegt in mehreren aktuellen Umfragen gleichauf mit der Union — bei Ipsos (April 2026) erstmals sogar auf exakt dem gleichen Niveau (25:25 Prozent). Damit zeichnet sich ein Szenario ab, das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien: eine AfD als stärkste Partei in der Sonntagsfrage.
Für die Regierungskoalition ist das ein doppeltes Problem. Einerseits verliert sie Wählerinnen und Wähler direkt an die AfD, besonders in Ostdeutschland und bei wirtschaftlich Abgehängten. Andererseits schürt die “Brandmauer”-Politik — keinerlei Zusammenarbeit mit der AfD — intern Frustrationen, weil sie Möglichkeiten zur parlamentarischen Arbeit einschränkt.
Historisches Muster: SPD verliert in jeder GroKo
In allen vier früheren schwarz-roten Koalitionen verlor die SPD als Juniorpartnerin massiv an Zustimmung. 2013 trat sie mit 25,7 % ein — und kam 2017 mit 20,5 % heraus. 2018 startete sie mit 20,5 % — und landete 2021 bei 25,7 % (ausnahmsweise plus, weil Olaf Scholz als Kanzlerkandidat glänzte). Der Durchschnittsverlust über alle GroKos liegt bei rund −3 Prozentpunkten. 2025 ist die SPD mit nur 20,5 % gestartet — wenn das Muster greift, dürfte sie 2029 kaum besser abschneiden. Inwiefern die Koalition trotzdem stabil bleibt, analysiert unser Artikel Wie lange hält Schwarz-Rot?
Ausblick: Was kommt im zweiten Amtsjahr?
Die geplante Körperschaftsteuersenkung 2028 ist der Anker, an dem CSU-Chef Söder und Teile der Wirtschaftspolitiker in der Union festhalten. Kurzfristig entscheidend wird die Entwicklung der Energiepreise sein — ein Faktor, den keine Regierung vollständig kontrolliert, für den aber die Regierung politisch haftet.
Die Große Koalition steht vor der Frage, ob sie durch sichtbare Wirtschaftserfolge die Stimmung wenden kann, bevor die nächsten Landtagswahlen die Koalitionspartner unter weiteren Druck setzen. Gelingt das nicht, droht die GroKo das Schicksal der Ampel zu wiederholen: als warnendes Beispiel in die Geschichte einzugehen — dieses Mal nicht wegen Streit, sondern wegen Wirkungslosigkeit.
phoenix (ARD/ZDF): Wahl des Bundeskanzlers Friedrich Merz und Vereidigung des Kabinetts, Mai 2025
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Zustimmung zur Merz-Regierung?
Laut Infratest dimap (März 2026) sind nur 15 Prozent der Deutschen mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden. 84 Prozent bewerten die Regierungsleistung negativ — ein historisch niedriger Wert zu diesem Zeitpunkt in einer Amtszeit.
Was hat die schwarz-rote Koalition bisher erreicht?
Die Koalition hat wirtschaftspolitische Maßnahmen umgesetzt: degressive Abschreibung (30 %), Vorbereitung einer Körperschaftsteuersenkung bis 2028, Gaslagerpauschale aus dem Klimafonds. Die große Investitionsoffensive steht noch aus.
Warum steckt die SPD in der Krise?
Die SPD als Juniorpartner leidet in der Koalition besonders unter der allgemeinen Regierungsunzufriedenheit. Sie verliert programmatisches Profil und liegt mit 12 Prozent auf einem historischen Tief. Parteiintern wird über einen Sonderparteitag diskutiert.
Wie stark ist die AfD aktuell?
Die AfD liegt laut mehreren Umfragen vom März/April 2026 bei 25–26 Prozent — gleichauf oder sogar vor der Union (CDU/CSU). Das ist ein historischer Hochstand, der Druck auf die gesamte Koalition ausübt.
Wie lange hält die Merz-Regierung?
Die Koalition hat formal eine Mehrheit bis zur nächsten Bundestagswahl (spätestens 2029). Strukturell gefährlich sind zwei Szenarien: anhaltende Wirtschaftsschwäche, die beide Parteien in weitere Umfrage-Tiefs treibt, oder ein Koalitionsbruch ähnlich wie bei der Ampel. Schwarz-Rot hat historisch alle vier bisherigen Amtszeiten beendet — das spricht für Stabilität. Eine detaillierte Analyse bietet unser Artikel Wie lange hält Schwarz-Rot?
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