Wahlkampfveranstaltung zur Landtagswahl in Bayern

Landtagswahl Bayern — Der CSU-Staat und seine Ausnahmen

Kein anderes Bundesland ist politisch so berechenbar — und gleichzeitig so eigenwillig. In Bayern regiert seit 1957 dieselbe Partei. Die CSU hat den Freistaat geprägt wie keine andere Partei ein Bundesland. 60,7 Prozent holte Edmund Stoiber 2003 — ein Ergebnis, von dem CDU-Ministerpräsidenten in anderen Ländern nicht einmal träumen. Und trotzdem: Seit 2008 gibt es keine absolute Mehrheit mehr. Bayern verändert sich. Langsam, aber es verändert sich.

Die Landtagswahl 2023 zeigte beides: Die CSU bleibt dominant, aber sie braucht einen Partner. Und der heißt seit 2018 nicht mehr FDP, sondern Freie Wähler.

Das bayerische Zweistimmen-System

Wahlsystem Bayern

  • Erststimme: Direktkandidat im Stimmkreis (91 Stimmkreise)
  • Zweitstimme: Konkreter Kandidat auf der Wahlkreisliste (Regierungsbezirk)
  • Besonderheit: Wähler können die Listenreihenfolge verändern
  • Sitze: 205 (91 Direkt + 114 Liste)
  • Wahlperiode: 5 Jahre
  • Sperrklausel: 5 Prozent

Anders als bei der Bundestagswahl wählt man mit der Zweitstimme in Bayern nicht eine starre Liste, sondern einen konkreten Kandidaten auf der Wahlkreisliste des Regierungsbezirks. Erhält ein Kandidat viele Zweitstimmen, rückt er auf der Liste nach oben. Das gibt den Wählern mehr Einfluss als in jedem anderen Flächenland.

Landtagswahl 2023: Aiwanger-Test bestanden

Der Wahlkampf 2023 wurde von der Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger dominiert. Ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit tauchte auf. Die CSU hielt still, die Medien überschlugen sich — und die Wähler? Die belohnten Aiwanger. Die Freien Wähler legten auf 15,8 Prozent zu. Ein Solidaritätseffekt, der die Kommentatoren überraschte.

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.
ParteiErgebnis 2023SitzeTrend
CSU37,0 %85−0,2
Freie Wähler15,8 %37+4,2
AfD14,6 %32+4,4
Grüne14,4 %32−3,2
SPD8,4 %17−1,3
FDP3,0 %0−2,1

Die Wahlbeteiligung stieg auf 73,3 Prozent. Die FDP flog aus dem Landtag. Die AfD erreichte ein Rekordergebnis. Und die CSU? Die regiert weiter, mit einem Koalitionspartner, der trotz — oder wegen — des größten Skandals seiner Geschichte gestärkt wurde.

Diskussionen über die bayerische Landtagswahl
Bayern wählt anders als der Rest der Republik — und ist stolz darauf.

Von der Alleinherrschaft zur Koalition

Die Geschichte der bayerischen Landtagswahlen ist die Geschichte der CSU. Absolute Mehrheiten waren die Regel, nicht die Ausnahme. Seit 2008 ist das vorbei. Die CSU regiert seitdem in Koalitionen: 2008–2013 mit der FDP, 2013–2018 allein (absolute Sitzmehrheit mit 47,7 Prozent), seit 2018 mit den Freien Wählern.

Die Freien Wähler haben sich als idealer Partner erwiesen: bürgerlich, ländlich verankert, keine Konkurrenz in der Bundespolitik. Sie sind das, was die FDP in Bayern nie war — ein Partner auf Augenhöhe im ländlichen Raum.

Bundespolitische Bedeutung

Bayern hat mit sechs Stimmen im Bundesrat erhebliches Gewicht. Doch die eigentliche Bedeutung liegt woanders: Die CSU als Schwesterpartei der CDU ist ein bundespolitischer Machtfaktor. Was in München entschieden wird, wirkt nach Berlin. Bayerische Landtagswahlen sind immer auch Stimmungstests für das konservative Lager im Bund.

Der Absturz 2018: Wie die CSU 10 Punkte verlor und eine Ära endete

Am 14. Oktober 2018 erlebte die CSU das schlechteste Ergebnis seit 1950: 37,2 Prozent, ein Absturz von 10,5 Punkten gegenüber 2013 (47,7 %). In absoluten Stimmen verlor die CSU 912.000 Wähler. Hauptursache war der unionsinternen Asylstreit zwischen Seehofer und Merkel, der die CSU im Sommer 2018 an den Rand einer Regierungskrise geführt hatte. Viele Bayern-Wähler stiefen aus: AfD holte 10,2 Prozent, Freie Wähler 11,6 Prozent. Die CSU braüchte erstmals seit 1966 einen Koalitionspartner. Seehofer erklärte noch in der Wahlnacht, als Parteichef zurückzutreten. Sein Nachfolger als Ministerpräsident: Markus Söder. Die neue CSU-FW-Koalition war keine Wunschlösung — sie war die einzige stabile rechnerische Alternative. Bayern wählt seitdem mit Koalitionserfahrung. Ob die CSU je wieder zu absoluten Mehrheiten zurückfindet, gilt in der Politikwissenschaft als offene Frage.

2023: Bayern wählt – CSU und Freie Wähler bestätigen die Koalition

Bei der Landtagswahl Bayern am 8. Oktober 2023 gewann die CSU unter Markus Söder 37,0 Prozent — ein leichtes Plus. Die Freien Wähler unter Hubert Aiwanger kamen auf 15,8 Prozent, trotz eines antisemitischen Flugblatt-Skandals kurz vor der Wahl. Die AfD erreichte 14,6 Prozent. Die Grünen verloren massiv auf 9,2 Prozent (2018: 17,6 %). Die SPD stürzte auf 8,4 Prozent ab. Bayern bleibt das konservativste Bundesland der Republik: CSU und Freie Wähler regieren die Koalition weiter — und Söder bleibt Ministerpräsident mit massivem Koalitionsmähren. Die nächste Wahl: Oktober 2028.

Häufige Fragen

Wann ist die nächste Landtagswahl in Bayern?

Voraussichtlich Herbst 2028. Die letzte Wahl war am 8. Oktober 2023.

Warum tritt die CSU nur in Bayern an?

CSU und CDU sind Schwesterparteien. Die CSU tritt nur in Bayern an, die CDU in den übrigen 15 Bundesländern. Im Bundestag bilden sie eine gemeinsame Fraktion.

Mehr dazu: 299 Wahlkreise · Große Koalition · 5%-Hürde

Wahlumfrage-Benachrichtigungen

Sofort informiert bei neuen Umfragen — direkt im Browser, kein Spam.

Mehr erfahren →