Bayerische Regierungspolitik

Regierung Bayern — Die Anti-Berlin-Koalition

Wenn in Berlin ein Gesetz verabschiedet wird, kann man darauf wetten: Aus München kommt Widerspruch. Die bayerische Staatsregierung unter Markus Söder pflegt seit Jahren eine Rolle als Gegenpol zur Bundespolitik — egal, wer in Berlin regiert. Und mit den Freien Wählern hat die CSU einen Koalitionspartner gefunden, der dieses Selbstverständnis teilt.

Bayerische Staatsregierung

  • Koalition: CSU + Freie Wähler
  • MP: Markus Söder (CSU)
  • Stellvertreter: Hubert Aiwanger (Freie Wähler)
  • Kabinett: Söder II (seit November 2023)
  • Sitz: Bayerische Staatskanzlei, München
  • Mehrheit: 122 von 203 Sitzen

Zwei Parteien, ein Programm: Bayern zuerst

Die CSU dominiert mit 85 Sitzen, die Freien Wähler steuern 37 bei. Die Kombination ergibt eine breite bürgerliche Mehrheit, die in keinem anderen Bundesland existiert. Während die CSU Großstadt und Industrie abdeckt, vertreten die Freien Wähler den ländlichen Raum und den Mittelstand. Zusammen bedienen sie das gesamte Spektrum des konservativen Bayern.

Der Koalitionsvertrag 2023 liest sich wie ein Gegen-Programm zur Bundesregierung: Hightech-Agenda mit Milliarden für KI und Quantencomputing, scharfe Migrationspolitik, Kernenergie-Forschung, bayerisches Familiengeld. Und immer wieder der Satz: Bayern kann es besser als der Bund.

Kabinett Söder II

RessortMinister/inPartei
MinisterpräsidentMarkus SöderCSU
Wirtschaft, Landesentwicklung, Energie (stellv. MP)Hubert AiwangerFW
Inneres, Sport, IntegrationJoachim HerrmannCSU
Finanzen und HeimatAlbert FürackerCSU
Unterricht und KultusAnna StolzFW
Wissenschaft und KunstMarkus BlumeCSU
Umwelt und VerbraucherschutzThorsten GlauberFW
JustizGeorg EisenreichCSU
Gesundheit, Pflege, PräventionJudith GerlachCSU
Familie, Arbeit, SozialesUlrike ScharfCSU
Wohnen, Bau, VerkehrChristian BernreiterCSU
Ernährung, Landwirtschaft, ForstenMichaela KaniberCSU
DigitalesFabian MehringFW

Die Freien Wähler besetzen vier Ministerien: Wirtschaft, Kultus, Umwelt und Digitales. Die CSU behält die Kernressorts Inneres, Finanzen und Justiz. Aiwanger als stellvertretender MP und Wirtschaftsminister ist das Zugpferd seiner Partei — ländlich, direkt, polarisierend.

Bayerische Politik in München
Die Staatskanzlei am Hofgarten ist das Machtzentrum der bayerischen Politik.

Sechs Stimmen mit Gewicht

Bayern nutzt seine sechs Bundesratsstimmen offensiver als die meisten Länder. Söder instrumentiert den Bundesrat regelmäßig für bundespolitische Positionierungen — bei Migration, Finanzausgleich und Energiepolitik. Bayerns Stimme ist im Bundesrat laut, manchmal lauter als die der größeren Bundesländer.

Wahlumfrage-Auswertung am Laptop — Meinungsforschung und Sonntagsfrage Deutschland
Demokratie in Aktion: Regierung Bayern — Die Anti-Berlin-Koalition — Fakten und Einordnung.

Ende einer Ära: Wie 2018 die CSU-Alleinregierung nach 52 Jahren endete

Von 1966 bis 2008 regierte die CSU Bayern mit absoluter Mehrheit — 42 Jahre. Von 2008 bis 2013 regierte sie in einer Koalition mit der FDP, erlangte aber 2013 mit 47,7 % erneut die absolute Mehrheit. Es war der letzte Beweis einer ausnahmelosen CSU-Dominanz. Am 14. Oktober 2018 war dieser Zyklus durchbrochen: 37,2 %, 10,5 Punkte weniger. Die CSU braucht seitdem wieder einen Partner. Zurück in die Koalition zwingte sie Horst Seehofer zum Rücktritt als Parteivorsitzender; Markus Söder übernahm das Amt — und die Koalitionsverhandlungen mit den Freien Wählern unter Hubert Aiwanger. Der Koalitionsvertrag wurde am 5. November 2018 unterzeichnet. Seitdem gilt: Aiwanger ist der politische Preis, den die CSU für ihre Verluste zahlt — und ein stetiges Risiko, weil sein Profil als Anti-Establishment-Populist die CSU-Wählerwanderungen zurück stimulieren soll, aber auch AfD-Konkurrenz verstärkt.

2017: Länderfinanzausgleich – der ewige Kampf zwischen gebenden und nehmenden Bundesländern

Der Länderfinanzausgleich ist das finanziell bedeutendste und politisch heikle Instrument des deutschen Föderalismus: Reiche Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg) zahlen ein, ärmere (Berlin, Sachsen-Anhalt, Bremen) bekommen heraus. 2023: Bayern zahlte 10 Milliarden Euro ein, Berlin erhielt 3,8 Milliarden. Bayern hat seit 1973 immer eingezahlt – früher war es ein Nehmerland. Bayern klagte 2013 und 2017 erfolglos gegen das System. 2020 wurde der Ausgleich reformiert: Weniger direkte Transfers, mehr Bundeserganrungsz zuweisungen. Das Grundprinzip – starke Länder helfen schwachen – bleibt.

Häufige Fragen

Wer regiert in Bayern?

CSU und Freie Wähler unter Ministerpräsident Markus Söder. Die Koalition besteht seit 2018 und wurde 2023 erneuert.

Was sind die Freien Wähler?

Eine bürgerlich-konservative Partei, die vor allem im ländlichen Bayern stark ist. Bundesvorsitzender und stellvertretender MP ist Hubert Aiwanger.

Mehr dazu: Briefwahl

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