Ministerpräsident Bayern — Markus Söder

Markus Söder — Vom gescheiterten Kanzlerkandidaten zum Dauer-MP

„Es kandidiert, wer die Unionsstärke hat." Mit diesem Satz bewarb sich Markus Söder 2021 um die Kanzlerkandidatur der Union. Er lag in den Umfragen vorne, die CDU-Basis war gespalten — und am Ende entschied der CDU-Vorstand für Armin Laschet. Die Niederlage, die Söder nie ganz verwunden hat, definiert seine zweite Amtszeit: Er regiert Bayern mit einer Intensität, als müsse er jeden Tag beweisen, dass die Union den Falschen geschickt hat.

Steckbrief

  • Geboren: 5. Januar 1967, Nürnberg
  • Partei: CSU (Vorsitzender seit 2019)
  • Im Amt seit: 16. März 2018
  • Kabinett: Söder II (seit November 2023)
  • Beruf: Jurist, ehem. Journalist (BR)
  • Vorgänger: Horst Seehofer

Der Franke in einer altbayerischen Partei

Söder stammt aus Nürnberg — Franken, nicht Oberbayern. In der CSU, die traditionell von Altbayern dominiert wird, musste sich der Franke alles erarbeiten. JU-Vorsitzender, Generalsekretär (bekannt für scharfzüngige Attacken), Europaminister, Finanzminister — und dann der entscheidende Schritt: 2018 löste er Seehofer ab, erst als MP, dann als Parteichef.

Was ihn von seinen Vorgängern unterscheidet: Söder ist der erste Ministerpräsident des Social-Media-Zeitalters. Instagram-Posts aus der Staatskanzlei, Fasching-Verkleide-Auftritte, Star-Trek-Kostüme — er beherrscht die Codes der Aufmerksamkeitsökonomie wie kein zweiter Landespolitiker.

Zwei Amtszeiten, zwei Gesichter

Kabinett Söder I (2018–2023): Die erste Amtszeit war geprägt von Corona. Söder mutierte zum strengsten Krisenmanager der Republik, seine Popularität stieg bundesweit — und mit ihr der Wunsch, Kanzler zu werden. Die Niederlage gegen Laschet im April 2021 blieb die offene Wunde.

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.

Kabinett Söder II (seit 2023): Nach der Landtagswahl 2023 (CSU 37 %, FW 15,8 %) setzte Söder die Koalition mit den Freien Wählern fort. Die zweite Amtszeit steht im Zeichen der Hightech-Agenda (3,5 Mrd. Euro für KI, Quantencomputing, Raumfahrt), der Energiepolitik und einer verschärften Migrationsdebatte.

Stationen

ZeitraumPosition
1994–2003JU-Landesvorsitzender Bayern
seit 1994MdL (Wahlkreis Nürnberg)
2003–2007CSU-Generalsekretär
2011–2018Finanzminister Bayern
seit 03/2018Ministerpräsident
seit 01/2019CSU-Vorsitzender
04/2021Kanzlerkandidatur gescheitert (gegen Laschet)

2018: Wahl-Katastrophe als Karriere-Start

Am 14. Oktober 2018 erlebte die CSU ihr schlechtestes Ergebnis seit 1954: 37,2 Prozent. Geprägt vom Berliner Asylstreit zwischen Seehofer und Merkel, war die einst dominierende Staatspartei abgestürzt. Seehofer verlor den Parteivorsitz — aber Söder blieb. Als Ministerpräsident seit März 2018 hatte er gerade erst angefangen. Die Katastrophe seines Vorgängers wurde sein Startschuss: Im Januar 2019 übernahm er zusätzlich den CSU-Vorsitz. Seehofer zog als Bundesinnenminister nach Berlin — und Söder regierte fortan allein.

19. April 2021: Die CDU-Vorstandssitzung, die Söder nicht vergessen kann

Söder lag in allen bundesweiten Umfragen klar vor Armin Laschet: 72 Prozent der Unionsanhänger wollten laut ARD-Umfrage vom April 2021 Söder als Kanzlerkandidaten, nur 17 Prozent Laschet. Trotzdem entschied der CDU-Bundesvorstand am 19. April 2021 mit klarer Mehrheit für Laschet. Das Argument der CDU-Führung: Die Kanzlerkandidatur sei Sache der CDU, nicht der CSU. Söder akzeptierte öffentlich, machte aber keinen Hehl daraus, dass er die Entscheidung für falsch hielt. Was folgte, gilt als eine der größten Fehleinschätzungen der Unionsgeschichte: Laschet verlor die Bundestagswahl am 26. September 2021 mit 24,1 Prozent — das bis dahin schlechteste Unions-Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. Söder sagte öffentlich wenig. Er musste nichts sagen. Laschet trat kurz danach als CDU-Vorsitzender zurück. Söder blieb, wo er war — und regiert Bayern seither mit dem unausgesprochenen „Ich hab's euch gesagt" im Hintergrund.

Söder bei einer Veranstaltung
Söders medienwirksame Auftritte sind sein Markenzeichen — und Gegenstand ständiger Debatten.

Bundespolitische Rolle

Söder ist der mächtigste CSU-Chef seit Franz Josef Strauß. Er nutzt seine Doppelrolle als MP und Parteivorsitzender, um bundespolitische Debatten mitzubestimmen. Bei Migration, Sicherheit und Energiepolitik setzt er Akzente, die weit über Bayern hinaus wirken. Sein Verhältnis zu CDU-Chef Friedrich Merz ist sachlich, aber nicht frei von Spannung — die K-Frage von 2021 schwingt noch nach.

Bayern und die CSU: Das politische System ohne Alternative

Bayern hat seit 1957 ununterbrochen CSU-Ministerpräsidenten. Kein anderes deutsches Bundesland kennt ähnliche politische Kontinuität. Warum? Die CSU ist eine Volkspartei, die CSU und CDU gleichzeitig ist — sie deckt ein breiteres Spektrum ab als fast jede andere Partei in Europa. Dazu kommt: Bayern ist wirtschaftlich stärker als die meisten europäischen Länder (BIP größer als Österreich). Diese Wirtschaftsstärke ermöglicht es der CSU, sowohl konservative als auch wirtschaftsliberale als auch modernisierende Wähler anzusprechen. Söder selbst ist das Muster: Markus Blume (Wissenschaft), Judith Gerlach (Digitalisierung), Hubert Aiwanger (Wirtschaft) — breit aufgestellt, um kein Segment zu verlieren.

Häufige Fragen

Wer ist der Ministerpräsident von Bayern?

Markus Söder (CSU), seit März 2018. Er wurde nach der Landtagswahl 2023 für eine zweite Amtszeit bestätigt.

Wird Söder noch Kanzler?

2025 wurde Friedrich Merz Unions-Kanzlerkandidat. Söder hat sich auf die bayerische Landespolitik konzentriert.

Mehr dazu: Briefwahl · 299 Wahlkreise

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