Wahlkreis 154: Krefeld II – Wesel II – Wo der Bergbau noch nachhallt
Key-Facts: Wahlkreis 154
- Wahlkreis-Nr.: 154
- Name: Krefeld II – Wesel II
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Städte: Moers, Kamp-Lintfort, Teile von Krefeld
- CDU: 31,4 % | SPD: 24,6 %
- Gewinner BTW 2021: SPD
- Gewinner BTW 2017: CDU
Als im Jahr 2001 die letzte Zeche in Moers schloss, endete mehr als nur ein Industriezweig. Es endete ein Lebensgefühl. Drei Generationen von Familien hatten unter Tage gearbeitet, in Werkswohnungen gelebt, ihre Kinder in Bergmanns-Traditionen großgezogen. Was nach dem letzten Schacht bleibt, ist die Frage: Was wird aus einer Stadt, deren Daseinszweck verschwunden ist?
Moers: Mehr als Bergbau-Nostalgie
Moers ist mit rund 105.000 Einwohnern die größte Stadt im Wahlkreis und eine kreisangehörige Stadt im Kreis Wesel. Die Altstadt um Schloss Moers hat ihren Charme behalten, das Grafschafter Museum zieht Besucher an. Doch die wirtschaftliche Realität ist nüchterner: Die Arbeitslosenquote liegt über dem Kreisdurchschnitt, der Einzelhandel in der Fußgängerzone kämpft mit Leerstand.
Gleichzeitig profitiert Moers von seiner Lage. Duisburg liegt unmittelbar nebenan, Düsseldorf ist über die A40 schnell erreichbar. Viele Moerser pendeln – und bringen städtische Perspektiven in eine Stadt, die sich selbst manchmal noch als Bergarbeiterstadt versteht.
Kamp-Lintfort: Der Hochschul-Effekt
Kamp-Lintfort (ca. 40.000 Einwohner) erlebte 2009 einen Wendepunkt: Die Gründung der Hochschule Rhein-Waal brachte rund 3.500 Studierende in die Stadt, mehr als die Hälfte davon aus dem Ausland. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Friedrich Heinrich entstand ein moderner Campus – ein sichtbares Symbol für den Strukturwandel. 2020 richtete die Stadt die Landesgartenschau aus und verwandelte das Zechengelände in einen Park.
| Partei | Ergebnis (ca.) | Trend seit 2017 |
|---|---|---|
| CDU | 31,4 % | Rückgang |
| SPD | 24,6 % | Erholung |
| AfD | ~12 % | Wachstum |
| Grüne | ~9 % | Stabil |
| FDP | ~8 % | Leicht rückläufig |
| Sonstige | ~15 % | – |
Politische Grenzlage
Der Wahlkreis ist ein politisches Grenzgebiet im doppelten Sinne. Geographisch liegt er am Übergang vom ländlichen Niederrhein zum industriellen Ruhrgebiet. Politisch trifft CDU-Terrain auf SPD-Tradition. Die Krefelder Stadtteile im Wahlkreis tendieren konservativ, Moers und Kamp-Lintfort haben eine sozialdemokratische Grundierung aus der Bergbau-Ära.
Dieses Spannungsfeld macht den Wahlkreis zu einem Ort, an dem sich ablesen lässt, wie der Strukturwandel politische Loyalitäten verschiebt. Die Zweitstimmen verteilen sich breit – ein Zeichen für eine Wählerschaft, die sich nicht auf eine Partei festlegen will.
Direktkandidat 2025
Wahlkreis 154 umfasst den suedoestlichen Teil des Kreises Wesel und Krefeld-Sued. Die CDU gewann 2025 das Direktmandat. Die Region ist gepraegt durch Industriegeschichte, landwirtschaftliche Flaechen und den Uebergang zum Ruhrgebiet.
Strukturwandel am Niederrhein
Die Industrietradition des Niederrheins - Stahl, Chemie, Textil - ist in vielen Gemeinden noch spaerbar, aber viele Betriebe haben geschlossen. Die Region setzt auf Logistik und Dienstleistungen. Die politische Stimmung ist gespalten: buergerlicher Mittelstand waehlt CDU, ehemalige Industriearbeiter tendieren zur SPD oder AfD.
Weiterlesen: Kreis Wesel auf Wikipedia
Mehr: Wesel I und Duisburg I als Nachbarwahlkreise.
Lage des Wahlkreises
Wahlkreise in der Nähe
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Bei der Bundestagswahl 2002 verlor die CSU erstmals seit 1961 einzelne bayerische Wahlkreise an die SPD. In Augsburg-Stadt und Schwabing wechselte das Direktmandat. Gerhard Schröder nutzte die Flutkatastrophe und den Irak-Krieg für eine Aufholjagd: Am Wahlabend lagen SPD und Union gleichauf (38,5 zu 38,5 Prozent). Die SPD bildete erneut die Regierung – dank FDP-Verlusten (7,4 Prozent) und Grünen-Stabilität. Die Wahlkreisdaten zeigten: Fluthilfe-Gebiete wählten 2002 deutlich mehr SPD als vier Jahre zuvor.
Häufige Fragen
Was prägt Moers wirtschaftlich?
Nach dem Ende des Bergbaus (2001) setzt Moers auf Dienstleistungen, Einzelhandel und die Pendler-Lage zwischen Duisburg und Düsseldorf. Die Altstadt mit Schloss Moers ist kulturelles Zentrum.
Was ist die Hochschule Rhein-Waal?
Eine 2009 gegründete Hochschule mit Campus in Kamp-Lintfort. Über 50 % der rund 3.500 Studierenden kommen aus dem Ausland – ein wichtiger Impuls für die ehemalige Bergbaustadt.
Wie hat sich der Wahlkreis 2021 verändert?
Die SPD holte das Direktmandat von der CDU zurück. Der Wahlkreis spiegelt die Spannung zwischen konservativen Krefelder Stadtteilen und SPD-geprägten Bergbaustadtteilen wider.
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