Wahlkreis 135 – Köln I: Wo der Dom steht und drei Parteien um jede Stimme kämpfen
16,8 Prozent für die Grünen. In keinem anderen Kölner Wahlkreis ist die Partei so stark wie in Köln I – dem Herzen der Millionenstadt. Doch gewonnen hat 2025 erneut nicht Grün, sondern die CDU mit 27,8 Prozent vor der SPD mit 25,2 Prozent. Der Wahlkreis 135 ist damit ein Dreikampf-Gebiet, in dem keine Partei sich sicher fühlen kann.
Key-Facts: Wahlkreis 135
- Wahlkreis-Nr.: 135
- Name: Köln I
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Stadtteile: Innenstadt, Altstadt-Nord/Süd, Deutz, Kalk, Mülheim
- Gewinner 2025: CDU | 2021: SPD | 2017: CDU
- Besonderheit: Grüne mit 16,8 % drittstärkste Kraft
Domstadt, Medienstadt, Karnevalsstadt
Köln lässt sich nicht auf eine Eigenschaft reduzieren, und der Wahlkreis 135 bildet diese Vielfalt ab. Auf der linken Rheinseite liegt die Altstadt mit dem Dom, der jährlich sechs Millionen Besucher anzieht. Hinter den touristischen Fassaden arbeiten RTL, WDR und Hunderte Produktionsfirmen – Köln ist nach Berlin und München der drittgrößte Medienstandort Deutschlands. Und dann ist da der Karneval: Nicht nur Folklore, sondern ein Wirtschaftsfaktor mit geschätzten 600 Millionen Euro Umsatz pro Session.
Rechtsrheinisch: Deutz und Kalk
Wer nur die linke Rheinseite kennt, kennt Köln I nicht. Deutz mit der Koelnmesse und dem Lanxess-Arena-Komplex steht für den modernen, wirtschaftlichen Teil des Wahlkreises. Kalk dagegen – ein ehemaliges Industrieviertel – durchlebt einen Gentrifizierungsprozess: Alteingesessene Familien, viele mit Migrationshintergrund, treffen auf junge Kreative, die günstigere Mieten als in der Innenstadt suchen. Politisch macht das Kalk zu einem Mikrokosmos des gesamten Wahlkreises.
| Partei | Erststimmen 2025 | +/− zu 2021 |
|---|---|---|
| CDU | 27,8 % | +3,4 |
| SPD | 25,2 % | −2,6 |
| Grüne | 16,8 % | −1,2 |
| AfD | 10,4 % | +2,2 |
| FDP | 5,8 % | −3,4 |
| Linke | 4,6 % | −0,8 |
| Sonstige | 9,4 % | – |
Warum die Grünen hier nicht gewinnen
16,8 Prozent sind beeindruckend – aber für ein Direktmandat reicht es bei weitem nicht. Das Problem der Grünen in Köln I ist strukturell: Ihre Wähler konzentrieren sich in den wohlhabenden Innenstadtvierteln und der Südstadt, verteilen sich aber zu dünn über den gesamten Wahlkreis. In Kalk und Mülheim sind die Grünen deutlich schwächer. Solange CDU und SPD ähnlich stark bleiben, fungieren die Grünen eher als Königswähler denn als Thronprätendent.
Die Karneval-Frage
Klingt skurril, ist aber real: Der Kölner Karneval hat politische Dimensionen. Die Karnevalsgesellschaften sind Netzwerke, in denen sich Wirtschaft, Politik und Kultur vermischen. Wer im Festkomitee Kölner Karneval sitzt, kennt den Oberbürgermeister persönlich. Diese informellen Strukturen begünstigen traditionell die CDU und die FDP – Parteien, die in den bürgerlichen Vereinsstrukturen verankert sind.
Direktkandidat 2025
Koeln I umfasst die Innenstadt, den Dom-Bereich und Teile des rechtsrheinischen Koelns. CDU, SPD und Gruene kaempfen hier um die Waehler. 2025 gewann die CDU das Direktmandat mit engem Vorsprung.
Der Dom als politisches Symbol
Der Koelner Dom ist das meistbesuchte Wahrzeichen Deutschlands und UNESCO-Weltkulturerbe. Koeln ist die viertgroesste Stadt Deutschlands mit einer langen Geschichte als Handels- und Kirchenstadt. Der Karneval ist sozialer Zusammenhalt und in Wahlkampfzeiten ein wichtiges Forum.
Weiterlesen: Koeln auf Wikipedia
Mehr: Koeln II, Koeln III und Bonn als Nachbarwahlkreise.
Lage des Wahlkreises
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1976: Helmut Kohl fast Kanzler – 4 Wahlkreise trennen ihn von der Macht
Bei der Bundestagswahl 1976 erreichte die CDU/CSU 48,6 Prozent – ihr bisher bestes Ergebnis. Doch die SPD/FDP-Koalition hielt: 253 zu 243 Sitze. Helmut Kohl verlor die Wahl knapp. In 4 Grenzwahlkreisen – Nordhessen, Hagen, Dortmund-West, Aachen – siegten SPD-Kandidaten mit weniger als 1.000 Stimmen Vorsprung. Hätten diese Wahlkreise gedreht, wäre Kohl Kanzler geworden. Stattdessen regierte Schmidt weiter. Kohl wurde erst 1982 durch das konstruktive Misstrauensvotum Kanzler – ohne Wahlsieg. 1983 gewann er dann mit 48,8 Prozent.
Häufige Fragen
Warum sind die Grünen in Köln I so stark?
Köln I ist urban, jung und akademisch geprägt. Die Innenstadt und angrenzende Viertel wie Deutz und die Südstadt ziehen Kreative, Studierende und junge Berufstätige an. Diese Demografie wählt überdurchschnittlich häufig Grün.
Ist Köln I ein Swing-Wahlkreis?
Ja. 2017 CDU, 2021 SPD, 2025 CDU. Das knappe Ergebnis zeigt, dass Bundestrends den Ausschlag geben. Die starken Grünen machen es für beide Volksparteien zusätzlich schwer.
Welche Rolle spielt die Medienindustrie?
Köln ist der drittgrößte Medienstandort Deutschlands. RTL, WDR und zahlreiche Produktionsfirmen beschäftigen über 30.000 Menschen im Großraum und prägen die Stadtkultur und das Wahlverhalten.
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