Wahlkampf auf einem städtischen Platz – Bürger im Gespräch

Solingen – Remscheid – Wuppertal II: Wo Klingen und Werkzeuge die Welt eroberten

Fragen Sie einen Koch in Tokio nach Solingen – er kennt die Stadt. Fragen Sie einen Handwerker in Chicago nach Remscheid – er kennt die Werkzeuge. Das Bergische Städtedreieck hat seinen Weltruf der Industrie zu verdanken. Politisch liegt der Wahlkreis 133 im Spannungsfeld zwischen alter Arbeiterschaft und neuem Bürgertum: 30,8 Prozent für die CDU, 24,2 Prozent für die SPD bei der Bundestagswahl 2025.

Key-Facts: Wahlkreis 133

  • Wahlkreis-Nr.: 133
  • Name: Solingen – Remscheid – Wuppertal II
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Städte: Solingen (ca. 159.000), Remscheid (ca. 111.000), Wuppertal-Barmen
  • Gewinner 2025: CDU | 2021: SPD | 2017: CDU

Solingen: Der Name ist Gesetz

Wenige Stadtnamen sind so untrennbar mit einem Produkt verbunden wie Solingen mit Klingen. Seit dem Mittelalter werden hier Messer, Scheren und Schneidwaren gefertigt. Der Name „Solingen" ist als Herkunftsbezeichnung gesetzlich geschützt – vergleichbar mit Champagner oder Parmaschinken. Unternehmen wie Zwilling J.A. Henckels (gegründet 1731), Wüsthof und Böker produzieren hier noch immer. Doch die Beschäftigtenzahlen in der Schneidwarenindustrie sind seit Jahrzehnten rückläufig – Billigkonkurrenz aus Asien setzt der Branche zu.

Remscheid: Werkzeuge für die Welt

Was Solingen bei Klingen ist, ist Remscheid bei Werkzeugen. Die Stadt produziert Feilen, Bohrer, Sägen und Präzisionswerkzeuge für den Weltmarkt. Hazet, Gedore und Stahlwille sind Marken, die in jeder Kfz-Werkstatt stehen. Remscheid ist mit rund 111.000 Einwohnern die kleinste der drei Städte, aber industriell die dichteste: Auf die Einwohnerzahl gerechnet hat Remscheid eine der höchsten Industriebeschäftigtenquoten in NRW.

Politisch unterscheidet sich Remscheid von Solingen: Die Stadt ist konservativer, die CDU traditionell stärker. Das hängt mit der Betriebsstruktur zusammen – viele mittelständische Familienbetriebe statt großer Konzerne. Inhaber und Angestellte stehen sich näher, die Identifikation mit dem Unternehmen ist höher.

Partei Erststimmen 2025 Rang
CDU30,8 %1 – Direktmandat
SPD24,2 %2
AfD14,6 %3
Grüne10,8 %4
FDP6,4 %5
Sonstige13,2 %
Bundestagssitzung – Abgeordnete im Plenarsaal

Wuppertal-Barmen: Der östliche Teil

Der Wahlkreis umfasst auch Wuppertal-Barmen – den östlichen Teil der Schwebebahn-Stadt. Barmen ist historisch der industriellere, grobkörnigere Teil Wuppertals: Weniger Bürgerlichkeit als in Elberfeld, mehr Arbeiterviertel, mehr sozialer Wohnungsbau. Die SPD hält hier ihre Stärken, hat aber auch hier seit 2017 an Boden verloren. Auffällig: Die AfD legte im gesamten Wahlkreis deutlich zu – von 11,4 auf 14,6 Prozent – und ist mittlerweile drittstärkste Kraft.

Ein Wahlkreis im Wandel

2017 CDU, 2021 SPD, 2025 wieder CDU – das Muster ähnelt dem in Wuppertal I. Der Unterschied: Im Wahlkreis 133 ist der AfD-Anteil höher. Die Deindustrialisierung hat hier tiefere Spuren hinterlassen. Wer durch Teile Solingens oder Remscheids fährt, sieht leerstehende Fabrikgebäude neben neuen Gewerbegebieten. Dieser Kontrast erklärt die politische Heterogenität: Die CDU gewinnt in den stabileren Wohnlagen, die SPD in den Arbeitervierteln, die AfD überall dort, wo der Strukturwandel als Abstieg empfunden wird.

Solingen Remscheid Wuppertal II Bergisches Land
Solingen, Remscheid, Wuppertal II: Drei bergische Staedte - ein Wahlkreis. | BWU Redaktion

Direktkandidat 2025

Wahlkreis 133 verbindet drei bergische Industriestaedte: Solingen (Klingenstadt), Remscheid (Werkzeugstadt) und den suedlichen Teil Wuppertals. Die CDU gewann 2025 das Direktmandat. Die AfD legte stark zu und ist inzwischen zweite Kraft.

Bergische Industrietradition

Solingen ist weltweit bekannt fuer seine Messerfabrikation, Remscheid fuer Werkzeuge und Maschinen. Beide Staedte stehen fuer die stolze Handwerkstradition des Bergischen Landes. Leerstand in den Innenstadten, sinkende Einwohnerzahlen, aber auch Zeichen der Erneuerung.

Weiterlesen: Solingen auf Wikipedia

Mehr bergische Wahlkreise: Wuppertal I und Mettmann II.

Lage des Wahlkreises

1990: Erste Gesamtdeutsche Wahl – 144 neue Wahlkreise aus dem Osten

Am 2. Dezember 1990 wählten erstmals alle Deutschen gemeinsam den Bundestag. Die DDR lieferte 144 zusätzliche Wahlkreise: Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Berlin-Ost. Wahlbeteiligung im Osten: 74,5 Prozent – niedriger als im Westen (78,4 Prozent). CDU/CSU gewann 43,8 Prozent – im Osten dank des Einheitsversprechens sogar über 40 Prozent. PDS (Nachfolgerin der SED) zog mit 2,4 Prozent bundesweit – dank Ostklausel fünf Direktmandate in Berlin – in den Bundestag ein. Die Wahlrechtsänderung für 1990 war eine historische Ausnahmeregelung.

Häufige Fragen

Warum heißt Solingen Klingenstadt?

Solingen ist seit dem Mittelalter für die Herstellung von Schneidwaren bekannt. Der Name Solingen ist als Herkunftsbezeichnung für Klingen gesetzlich geschützt – ähnlich wie Champagner für Schaumwein. Unternehmen wie Zwilling, Wüsthof und Böker produzieren hier seit Jahrhunderten.

Warum ist die SPD in diesem Wahlkreis stärker als im Kreis Mettmann?

Solingen, Remscheid und Wuppertal-Barmen haben eine ausgeprägte Industriearbeiter-Tradition. Anders als der Mettmanner Speckgürtel dominiert hier produzierendes Gewerbe, die Einkommen sind niedriger, die Arbeitslosigkeit höher. Das ist klassisches SPD-Terrain.

Mehr dazu: Erststimme und Zweitstimme · SPD Umfragen

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