Aktuelle Sitzverteilung im 21. Deutschen Bundestag
694 Abgeordnete, fünf Fraktionen plus zwei Gruppen, eine klare Mehrheit — der 21. Bundestag spiegelt die Ergebnisse der Bundestagswahl 2025 wider. Die CDU/CSU stellt mit 220 Sitzen die stärkste Fraktion, regiert gemeinsam mit der SPD (158 Sitze) in der fünften Großen Koalition der Bundesrepublik.
Sitzverteilung nach Fraktionen
| Fraktion | Sitze | Anteil | Veränderung ggü. 20. BT |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU (Regierung) | 220 | 34,9% | +23 |
| AfD (größte Opposition) | 160 | 25,4% | +77 |
| SPD (Regierung) | 158 | 25,1% | −48 |
| Grüne (Opposition) | 89 | 12,5% | −29 |
| Die Linke (Opposition) | 64 | 9,0% | neu (Fraktion) |
| BSW (Gruppe, 2 Direktmandate) | 2 | 0,3% | neu |
| SSW (Gruppe, 1 Direktmandat) | 1 | 0,1% | − |
| Gesamt | 694 | 100% | — |
Die Verschiebungen gegenüber dem 20. Bundestag (2021–2025) sind deutlich. Die SPD verlor rund 48 Mandate, die Grünen rund 29. Die AfD gewann trotz des verkleinerten Parlaments massiv hinzu und ist mit 160 Sitzen jetzt größer als SPD und Grüne zusammen. Das BSW zog über zwei Direktmandate ein, bildet aber keine Fraktion — ein Novum in der Geschichte des Bundestags.
Ein Detail, das in der Berichterstattung oft untergeht: Der 21. Bundestag hat 106 Sitze weniger als sein Vorgänger. Die Wahlrechtsreform von 2023 deckelte die Mandatszahl auf 630 und schaffte Überhang- und Ausgleichsmandate ab. Dadurch sind die absoluten Veränderungszahlen mit Vorsicht zu genießen — die SPD verlor 86 Sitze, aber ein Teil davon geht auf die Schrumpfung des Gesamtparlaments zurück.
Koalitionsmathematik — Wer kann mit wem?
348 Sitze braucht es für die Mehrheit (50% von 694 + 1). Das klingt simpel, aber die politischen Realitäten machen die Rechnung kompliziert. Denn eine Koalition muss nicht nur rechnerisch funktionieren — sie muss auch politisch gewollt sein.
Aktuelle Sonntagsfrage (Mittelwert, Stand: 30.05.2026)
CDU/CSU: 22,6% · SPD: 12,4% · AfD: 27,2% · Grüne: 14,2% · BSW: 3,3% · FDP: 3,6% · Linke: 11,4%
Würde heute gewählt, sähe die Sitzverteilung deutlich anders aus. Die CDU/CSU liegt aktuell bei 22,6% — ein Veränderung gegenüber dem Wahlergebnis von 28,5%.
| Koalition | Sitze | Mehrheit? | Bewertung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU + SPD (aktuelle Koalition) | 378 | Ja (+30) | Große Koalition seit 2025 |
| CDU/CSU + AfD | 380 | Ja (+32) | Politisch ausgeschlossen (Brandmauer) |
| CDU/CSU + Grüne | 309 | Nein (−39) | Keine Mehrheit |
| CDU/CSU + SPD + Grüne (Kenia) | 467 | Ja (+119) | Sehr breite Mehrheit |
| AfD + CDU/CSU + Grüne | 469 | Ja | Politisch faktisch unmöglich |
| SPD + Grüne + BSW | 249 | Nein (−67) | Keine Mehrheit möglich |
Das Nüchterne zuerst: Es gibt genau eine Zweierkoalition ohne AfD, die eine Mehrheit hat — die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD mit 378 Sitzen. Ihre Mehrheit beträgt 62 Mandate über der absoluten Mehrheit (316). Das gibt der Koalition einen soliden Puffer, auch wenn einzelne Abgeordnete bei umstrittenen Abstimmungen abweichen.
Schwarz-Grün, das viele Kommentatoren vor der Wahl als wahrscheinlichste Option gehandelt hatten, scheitert mit 309 Sitzen knapp an der Mehrheit. Es fehlen nur 7 Mandate. Mit einem kleinen Koalitionspartner wie BSW wäre Schwarz-Grün rechnerisch möglich — aber politisch war die Große Koalition der einfachere Weg.
Die unbequeme Wahrheit dieses Bundestags: Über ein Viertel der Sitze gehört der AfD, die von allen anderen Fraktionen als Koalitionspartner ausgeschlossen wird. Damit sind 160 von 694 Mandaten für die Regierungsbildung blockiert. Das schränkt die Koalitionsoptionen stärker ein als jeder inhaltliche Dissens.
Parlamentarische Rechte und Sperrminoritäten
Neben der Regierungsbildung bestimmt die Sitzverteilung auch, welche Kontrollrechte die Opposition ausüben kann. Für einen Untersuchungsausschuss oder eine abstrakte Normenkontrolle braucht es ein Viertel der Stimmen — also 158 Mandate. Die AfD hat mit 160 Sitzen mehr als ein Viertel aller Mandate und kann Untersuchungsausschüsse allein beantragen — ein Novum im 21. Bundestag.
Die Grünen als zweitgrößte Oppositionsfraktion (89 Sitze) erreichen diese Schwelle nicht allein. Gemeinsam mit der AfD könnten sie jederzeit einen Ausschuss einsetzen, tun das aber aufgrund der politischen Distanz nicht. BSW (2 Mandate) und SSW (1 Mandat) bilden keine Fraktionen, haben aber als Gruppen basale parlamentarische Rechte.
Die Wahlrechtsreform in der Praxis
Der 21. Bundestag ist der erste, der nach dem neuen Wahlrecht von 2023 gewählt wurde. Die Reform begrenzt die Sitzzahl auf 630 und schafft Überhang- und Ausgleichsmandate ab. Praktisch bedeutet das: Gewinnt eine Partei in einem Wahlkreis das Direktmandat, aber hat nach Zweitstimmenanteil keinen Anspruch auf diesen Sitz, geht das Mandat an einen anderen Bewerber. Die Erststimme garantiert also nicht mehr den Einzug — ein fundamentaler Bruch mit dem bisherigen System, den das Bundesverfassungsgericht im Kern bestätigt hat.
2021: Bundestag wächst auf 736 Sitze – größtes Parlament in der Geschichte
Bei der Bundestagswahl am 26. September 2021 gewann die CDU/CSU 11 Überhangmandate, die durch 104 Ausgleichsmandate neutralisiert wurden. Der Bundestag wuchs auf 736 Abgeordnete – statt der gesetzlich vorgesehenen 598. Es war der größte Bundestag aller Zeiten. Die Kosten für die Zusatzmandate: rund 50 Millionen Euro jährlich an Diäten, Mitarbeiter und Büros. Der Hauptgrund: Das Wahlsystem erlaubte Direktkandidaten, auch wenn ihre Partei mit der Zweitstimme schwächer war als der Direktsieg implizierte. Die Wahlrechtsreform 2023 begrenzte den Bundestag auf 630 Sitze – und löste damit den längsten Wahlrechtsstreit seit 1949 aus.
Häufige Fragen zur Sitzverteilung
Wie viele Sitze hat der aktuelle Bundestag?
Der 21. Deutsche Bundestag hat 694 Sitze (CDU/CSU 220, AfD 160, SPD 158, Grüne 89, Linke 64, BSW 2, SSW 1). Die Wahlrechtsreform 2023 strebte eine Begrenzung auf 630 an, die Direktmandatsvergabe führte dennoch zu mehr Mandaten.
Welche Koalitionen haben eine Mehrheit?
Die einzige Zweierkoalition ohne AfD mit Mehrheit ist die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD (378 Sitze). Dreierbündnisse wie CDU/CSU + Grüne + BSW (311) oder CDU/CSU + SPD + Grüne (467) wären ebenfalls möglich. Schwarz-Grün allein (309) reicht nicht für eine Mehrheit.
Welche Parteien sind nicht im Bundestag?
Die FDP scheiterte 2025 mit 4,3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Ebenfalls nicht vertreten: Freie Wähler, Volt, Piratenpartei und weitere Kleinparteien.
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