Wahlkreis 167: Steinfurt I – Borken I – Udo Lindenberg, Atommüll und Münsterländer Gelassenheit
Key-Facts: Wahlkreis 167
- Wahlkreis-Nr.: 167
- Name: Steinfurt I – Borken I
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Gebiet: Gronau, Ahaus, Ochtrup, Metelen, Schöppingen
- Stärkste Partei 2025: CDU (41,6 %)
- Direktmandat 2021: CDU
Gronau ist der Geburtsort von Udo Lindenberg. Das allein wäre eine Randnotiz, hätte die Stadt nicht ein ganzes Museum daraus gemacht: das Rock’n’Popmuseum, direkt am Bahnhof, ein Glaswürfel voller Popgeschichte mitten im Münsterland. Es passt und passt zugleich überhaupt nicht in diese Gegend – ein Widerspruch, der den ganzen Wahlkreis 167 durchzieht. Denn unter der Oberfläche des beschaulichen Münsterlands brodelt ein Thema, das die Region seit Jahrzehnten nicht loslässt.
Ahaus und der Atommüll
In Ahaus steht eines der umstrittensten Gebäude Nordrhein-Westfalens: das Brennelemente-Zwischenlager. Die Anlage, betrieben von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), beherbergt abgebrannte Brennelemente aus Forschungsreaktoren. Seit den 1990er-Jahren sorgt das Lager für Proteste – bemerkenswert in einer Region, die ansonsten für ihre politische Ruhe bekannt ist.
Die Frage, wohin der Atommüll irgendwann endgültig gelagert werden soll, ist bundesweit unbeantwortet. Für Ahaus bedeutet das: Das Zwischenlager, das als temporäre Lösung gedacht war, bleibt auf unbestimmte Zeit. Die Genehmigung läuft bis in die 2030er-Jahre, eine Verlängerung gilt als wahrscheinlich. Für die Anwohner ist das keine abstrakte Debatte, sondern Alltag.
Gronau: Vom Textil zum Rock’n’Roll
Gronau (rund 48.000 Einwohner) liegt direkt an der niederländischen Grenze. Die Textilindustrie, die die Stadt einst prägte, ist Geschichte. Was blieb, ist eine diversifizierte Kleinstadt-Wirtschaft und eben das Rock’n’Popmuseum, das jährlich Zehntausende Besucher anzieht. Auch die Urananreicherungsanlage in Gronau-Ost ist ein politischer Dauerbrenner – die einzige verbliebene Anlage dieser Art in Deutschland.
| Partei | Erststimmen 2025 | Rang |
|---|---|---|
| CDU | 41,6 % | 1 – Direktmandat |
| SPD | 17,8 % | 2 |
| AfD | 12,6 % | 3 |
| Grüne | 10,4 % | 4 |
| FDP | 6,2 % | 5 |
| Sonstige | 11,4 % | – |
CDU-Dominanz mit atomarem Gegenwind
Trotz der Atommüll-Kontroverse bleibt die CDU mit 41,6 Prozent dominant. Das Thema schadet der Union weniger, als man erwarten könnte – die Proteste richten sich gegen die Bundesebene, nicht gegen lokale CDU-Strukturen. Die Grünen profitieren vom Atomthema und erreichen mit 10,4 Prozent überdurchschnittliche Werte für das ländliche Münsterland.
Lage des Wahlkreises
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Die Bundestagswahl 1972 hat die höchste Wahlbeteiligung in der Geschichte der Bundesrepublik: 91,1 Prozent. Grund: Die Ostpolitik Willy Brandts polarisierte. SPD (45,8 Prozent) überholte erstmals die CDU/CSU (44,9 Prozent). 230 SPD-Direktmandate vs. 177 CDU/CSU. Erstmals wählten auch 18-20-Jährige (Wahlalter-Senkung). In Industrieregionen explodierten die SPD-Ergebnisse: Ruhrgebiet, Saarland, Bremen gingen flächendeckend rot. Die Wahl war ein Plebiszit über Brandts Entspannungspolitik – und die Wähler stimmten zu.
Häufige Fragen
Was ist das Atommüll-Zwischenlager in Ahaus?
In Ahaus befindet sich ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente aus deutschen Forschungsreaktoren. Die Anlage sorgt seit Jahrzehnten für politischen Widerstand. Die ungeklärte Endlagerfrage macht das Thema zum Dauerbrenner in der Region.
Welche Rolle spielt die Textilindustrie in Gronau?
Gronau war einst ein bedeutender Textilstandort. Mit dem Branchenniedergang wandelte sich die Wirtschaftsstruktur. Heute erinnert das Rock’n’Popmuseum an die kulturelle Seite der Stadt – Gronau ist der Geburtsort von Udo Lindenberg.
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