Politische Veranstaltung im Rhein-Erft-Kreis

Rhein-Erft-Kreis I: Braunkohle, Phantasialand und ein Wahlkreis im Umbruch

Michael Schumachers Kartbahn am Erftlandring in Kerpen-Manheim gibt es nicht mehr. Sie musste dem Tagebau Hambach weichen – dem gleichen Tagebau, der nun selbst weichen muss, weil Deutschland aus der Braunkohle aussteigt. In kaum einem anderen Wahlkreis verdichtet sich der Strukturwandel so dramatisch wie im Rhein-Erft-Kreis I.

Key-Facts: Wahlkreis 143

  • Wahlkreis-Nr.: 143
  • Name: Rhein-Erft-Kreis I
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Städte: Kerpen, Frechen, Hürth, Brühl, Wesseling, Pulheim
  • Gewinner 2025: CDU (31,4 %) | 2021: SPD | 2017: CDU
  • Besonderheit: Braunkohle-Region, Phantasialand

Das Rheinische Revier: Ende einer Ära

Der Rhein-Erft-Kreis liegt mitten im Rheinischen Braunkohlerevier – dem größten Braunkohlegebiet Europas. RWE betreibt hier die Tagebäue Hambach und Inden, das Kraftwerk Niederaußem ist eines der größten Kohlekraftwerke Europas. Jahrzehntelang war die Kohle Wirtschaftsmotor und Identitätsstifter zugleich. Der beschlossene Ausstieg bis 2030 verändert alles: Tausende Arbeitsplätze fallen weg, ganze Dörfer wurden für den Tagebau umgesiedelt.

Die Strukturwandelmittel des Bundes – rund 15 Milliarden Euro für das gesamte Revier – sollen den Übergang abfedern. In Kerpen und Umgebung entstehen Solarparks auf ehemaligen Tagebauflächen. Ob das reicht, ist die Frage, die diesen Wahlkreis mehr beschäftigt als jede andere.

Brühl und das Phantasialand

Brühl (rund 46.000 Einwohner) ist die kulturelle Perle des Wahlkreises: Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust gehören zum UNESCO-Welterbe. Und dann ist da das Phantasialand – einer der größten Freizeitparks Deutschlands mit über zwei Millionen Besuchern jährlich. Der Park ist nicht nur Touristenattraktion, sondern auch ein bedeutender Arbeitgeber mit über 1.000 Beschäftigten in der Saison.

Partei Erststimmen 2025 +/− zu 2021
CDU31,4 %+4,2
SPD24,2 %−3,6
AfD13,4 %+3,8
Grüne11,2 %−2,4
FDP6,8 %−3,2
Sonstige13,0 %

Hürth und Frechen: Köln-Pendler und Medienwelt

Hürth ist in der deutschen Medienlandschaft ein Begriff: Die MMC Studios (früher Coloneum) produzieren hier Fernsehformate wie „Wer wird Millionär?". Frechen wiederum ist ein typischer Köln-Vorort mit wachsender Bevölkerung, der von der S-Bahn-Anbindung profitiert. Beide Städte haben eine gemischte Sozialstruktur – nicht so wohlhabend wie Lindenthal, nicht so problematisch wie Chorweiler.

Wahlabend – Spannung vor dem Fernseher

Warum der Wahlkreis kippt

2017 CDU, 2021 SPD, 2025 CDU – der Rhein-Erft-Kreis I ist ein Barometer für die Bundesstimmung. Die Kohle-Frage spaltet: SPD und Grüne versprechen den ökologischen Umbau, die CDU verspricht wirtschaftliche Sicherheit während des Übergangs. Je nachdem, welches Versprechen gerade glaubwürdiger wirkt, wechselt der Wahlkreis die Farbe.

Rhein-Erft I Bergheim und Bruehl
Rhein-Erft I: Bergheim, Bruehl und der noerdliche Rhein-Erft-Kreis. | BWU Redaktion

Direktkandidat 2025

Rhein-Erft I umfasst den noerdlichen Teil des Rhein-Erft-Kreises: Bergheim, Bruehl, Wesseling. Die Region war stark von der Braunkohle gepraegt - der Wandel nach dem Kohleausstieg ist hier politisch besonders spaerbar. Die CDU gewann 2025 das Direktmandat, aber der Vorsprung ist kleiner geworden.

Kohleausstieg und Strukturwandel

Die Schachtanlagen und Tagebaue des Rheinischen Reviers haben die Region uber Jahrzehnte gepraegt. Der Kohleausstieg bis 2038 hat eine Transformation ausgeloest: Gruene Energieparks, neue Industrieansiedlungen und der Umbau ganzer Orte. Die Forderung nach schnellen Alternativen fuer Bergbauarbeitsplaetze dominiert die Lokalpolitik.

Weiterlesen: Rhein-Erft-Kreis auf Wikipedia

Mehr: Euskirchen-Rhein-Erft II und Koeln I als Nachbarwahlkreise.

Lage des Wahlkreises

1983: Kohl bestätigt – Grüne erstmals und FDP als Wendepartei

Die Bundestagswahl 1983 bestätigte den Kanzler-Wechsel durch das Misstrauensvotum 1982: CDU/CSU 48,8 Prozent, SPD 38,2 Prozent. Die Grünen zogen erstmals in den Bundestag ein (5,6 Prozent, 27 Sitze – alle über Landesliste). Kein einziges Direktmandat für die Grünen. Die FDP überlebte mit 7,0 Prozent trotz Koalitionsbruch. Die SPD verlor 20 Direktmandate gegenüber 1980 – besonders in Baden-Württemberg und Bayern. Die Wahlkarte wurde konservativer: Westdeutschland mehrheitlich schwarz, Ruhrgebiet rot. 16 Jahre CDU-Regierung begannen.

Häufige Fragen

Wie betrifft der Kohleausstieg den Wahlkreis 143?

Der Wahlkreis liegt im Rheinischen Braunkohlerevier. Mit dem Kohleausstieg bis 2030 fallen Tausende Arbeitsplätze bei RWE und Zulieferern weg. Rund 15 Milliarden Euro Strukturwandelmittel sollen den Übergang abfedern.

Was hat Michael Schumacher mit Kerpen zu tun?

Michael Schumacher begann seine Karriere auf der Kartbahn am Erftlandring in Kerpen-Manheim. Der Rekordweltmeister wuchs hier auf. Die Kartbahn musste 2013 dem Tagebau Hambach weichen.

Was ist das Phantasialand?

Das Phantasialand in Brühl ist einer der größten Freizeitparks Deutschlands mit über zwei Millionen Besuchern jährlich und ein bedeutender Arbeitgeber für die Region.

Mehr dazu: SPD Umfragen · Erststimme und Zweitstimme · Sonntagsfrage erklärt

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