Wahlanalyse Wahlkreis Gießen

Wahlkreis 113: Gießen – 40.000 Studierende und trotzdem kein grünes Mandat

Gießen hat den höchsten Studierendenanteil aller deutschen Städte. Fast die Hälfte der 90.000 Einwohner steht in Verbindung mit einer der beiden Hochschulen. Man könnte erwarten, dass hier die Grünen dominieren. Tun sie aber nicht – denn der Wahlkreis 113 umfasst mehr als nur die Universitätsstadt.

Steckbrief: Wahlkreis 113

  • Wahlkreis-Nr.: 113
  • Bundesland: Hessen
  • Gebiet: Stadt Gießen, Teile Landkreis Gießen
  • Einwohner: ~260.000
  • Wahlberechtigte: ~186.000
  • Gewinner 2025: CDU (29,6 %)

Justus Liebig und die Stadt der Wissenschaft

Die Justus-Liebig-Universität (JLU) mit rund 28.000 Studierenden und die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) mit weiteren 18.000 machen Gießen zu einer der am stärksten studentisch geprägten Städte Deutschlands. Justus von Liebig, der Namensgeber der Universität, begründete hier im 19. Jahrhundert die moderne Chemie – sein Labor gilt als Geburtstätte der Laborausbildung.

Heute ist die Universität einer der größten Arbeitgeber der Region. Die medizinische Fakultät betreibt das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), das – als einziges privatisiertes Uniklinikum Deutschlands – regelmäßig für politische Debatten sorgt.

Stadt gegen Land: Der entscheidende Gegensatz

In der Innenstadt und den Stadtteilen rund um die Uni erreichen die Grünen Ergebnisse von über 20 Prozent. Im ländlichen Umland – in Gemeinden wie Lich, Buseck oder Reiskirchen – dominiert die CDU mit 35 Prozent und mehr. Da der Wahlkreis weit über die Stadtgrenzen hinausreicht, überkompensiert das konservative Umland den grünen Kern.

Bundestag-Plenarsitzung in Berlin
Im Plenum des Bundestags: Der Wahlkreisabgeordnete vertritt rund 260.000 Menschen aus der Region Gießen.

Ergebnis der Bundestagswahl 2025

ParteiErststimmen 2025
CDU29,6 %
SPD22,3 %
Grüne12,4 %
AfD15,8 %
BSW5,6 %
FDP4,9 %
Linke4,1 %
Sonstige5,3 %

Direktmandate seit 2017

WahlGewinner
2025CDU
2021SPD
2017CDU

Lage des Wahlkreises

2005: Merkels knapps ter Sieg –1 Prozentpunkt entscheidet über die Große Koalition

Die Bundestagswahl 2005 war die knappste seit 1949: CDU/CSU 35,2 Prozent, SPD 34,2 Prozent – 1 Prozentpunkt Abstand. Angela Merkel sollte Kanzlerin werden – verlor aber massiv gegen die Erwartungen (40+ Prozent in Umfragen). SPD-Kandidat Schröder erklärte sich trotzdem zum Wahlsieger. Ergebnis: Große Koalition, Merkel als Kanzlerin. Die FDP (9,8 Prozent) und Grünen (8,1 Prozent) waren zu schwach für eigene Regierungen. Die Wahlkreiskarte zeigte: Ost fast durchgängig SPD/PDS, West fragmentiert. 75 Direktmandate gingen an die SPD in Westdeutschland – ein letzter großer Erfolg.

Video: Bundestagswahl und Politik erklärt

Gießen Hessen Justus-Liebig-Universität Studentenstadt Wahlkreis 113
Gießen — Justus-Liebig-Universität, Studentenstadt und mittelhessisches Universitätsleben | BWU Redaktion

Justus-Liebig-Universität und Gießens wissenschaftliche Tradition

Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), gegründet 1607, ist nach dem berühmten Chemiker Justus von Liebig benannt. Liebig revolutionierte im 19. Jahrhundert die Agrarchemie und Ernährungswissenschaft. Die JLU hat heute rund 28.000 Studierende und ist damit eine der mittelgroßen Volluniversitäten Deutschlands. Das Liebig-Laboratorium, heute Museum, ist eine historische Stätte der Chemiegeschichte.

Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) mit Standorten in Gießen, Friedberg und Wetzlar ergänzt das Hochschulprofil der Region. Gießen ist damit stärker von Studierenden und jungen Erwachsenen geprägt als viele vergleichbare mittelgroße Städte. Das politische Resultat: Grüne und SPD sind in der Stadt deutlich stärker als im ländlichen Umland. Der CDU-Kandidat profitiert von der konservativeren Bevölkerung im Landkreis Gießen. Mehr zu Hessen-Umfragen. Das Wahlsystem erklärt Direktmandate. Auf bundestag.de.

Häufige Fragen

Wie viele Studierende leben in Gießen?

Rund 40.000 – verteilt auf die Justus-Liebig-Universität und die Technische Hochschule Mittelhessen. Bei nur 90.000 Einwohnern ergibt das den höchsten Studierendenanteil aller deutschen Städte.

Warum gewinnt trotzdem die CDU?

Der Wahlkreis umfasst neben der Stadt Gießen auch ländliche Gemeinden des Landkreises, in denen konservative Parteien deutlich stärker abschneiden. Das Umland überkompensiert den grünen Städte-Vorsprung.

Mehr dazu: Briefwahl · Umfrage-Institute

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