Forsa – Institut im Detail
Key-Facts
- Gründung: 1984 in Dortmund
- Sitz: Berlin
- Gründer/Leitung: Prof. Manfred Güllner
- Hauptauftraggeber: RTL/ntv (Trendbarometer)
- Methodik: Telefon (CATI), ca. 2.500 Befragte/Woche
- Frequenz: Wöchentlich, dienstags
Forsa – die Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen – ist eines der bekanntesten und meistzitierten Meinungsforschungsinstitute Deutschlands. Gegründet 1984 von Prof. Manfred Güllner, hat sich das Institut vor allem durch den wöchentlichen RTL/ntv-Trendbarometer einen festen Platz in der deutschen Medienlandschaft erarbeitet.
Geschichte und Struktur
Manfred Güllner gründete Forsa zunächst in Dortmund, bevor das Institut seinen Hauptsitz nach Berlin verlegte. Güllner, Jahrgang 1941, ist Sozialwissenschaftler und gilt als einer der profiliertesten Demoskopen Deutschlands. Er kommentiert regelmäßig politische Entwicklungen – eine Praxis, die ihm sowohl Aufmerksamkeit als auch Kritik einbringt, da manche Beobachter die Rolle des neutralen Forschers dadurch gefährdet sehen.
Forsa beschäftigt nach eigenen Angaben rund 100 feste Mitarbeiter und betreibt ein eigenes Telefonstudio (omniTel) mit mehreren hundert Interviewern. Das Institut deckt neben der politischen Meinungsforschung auch Marktforschung, Sozialforschung und Politikberatung ab.
Methodik
Forsa setzt primär auf computergestützte Telefoninterviews (CATI – Computer Assisted Telephone Interviewing). Die Befragung erfolgt sowohl über Festnetz als auch über Mobilfunk, wobei der Mobilfunkanteil in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist, um die wachsende Zahl der „Mobile-Only"-Haushalte abzudecken.
Für den wöchentlichen Trendbarometer befragt Forsa werktags täglich rund 500 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Die Sonntagsfrage basiert damit auf einer Wochenstichprobe von etwa 2.500 Personen – eine der größten regelmäßigen Stichproben in der deutschen Umfragelandschaft.
Die Ergebnisse werden nach demographischen Merkmalen (Alter, Geschlecht, Region, Bildung) und nach früherem Wahlverhalten gewichtet. Forsa verwendet zudem eine eigene Methode zur Schätzung des Anteils der Nichtwähler und Unentschlossenen.
Auftraggeber und Medienpartner
Der mit Abstand wichtigste Medienpartner ist die RTL-Gruppe (RTL/ntv). Der wöchentliche Trendbarometer ist eine der am häufigsten zitierten Umfragen in Deutschland. Darüber hinaus erstellt Forsa Umfragen für das Magazin Stern und verschiedene Tageszeitungen.
Neben der politischen Meinungsforschung arbeitet Forsa für Unternehmen (Marktforschung), Verbände, Ministerien und Kommunen. Dieser breite Kundenstamm sorgt für wirtschaftliche Unabhängigkeit von einzelnen Auftraggebern.
House Effects
Jedes Institut hat systematische Tendenzen – sogenannte House Effects. Bei Forsa zeigen sich folgende Muster (basierend auf dem Vergleich mit dem Durchschnitt aller Institute):
| Partei | Forsa-Tendenz | Richtung | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Leicht über Durchschnitt | ↑ | +0,5 bis +1,0 Pp. |
| SPD | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
| Grüne | Leicht über Durchschnitt | ↑ | +0,5 Pp. |
| AfD | Unter Durchschnitt | ↓ | -1,0 bis -2,0 Pp. |
| FDP | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
| BSW | Leicht unter Durchschnitt | ↓ | -0,5 Pp. |
Diese Tendenzen lassen sich teilweise durch die Telefonmethodik erklären: Telefonumfragen erreichen tendenziell ein etwas älteres und gebildeteres Publikum als Online-Umfragen. Das kann zu einer leichten Überrepräsentation von Unionswählern und einer Unterrepräsentation von AfD-Wählern führen.
Historische Treffsicherheit
Forsas letzte Umfragen vor Bundestagswahlen zeigen ein gemischtes Bild: Bei manchen Wahlen lag das Institut überdurchschnittlich nah am Ergebnis, bei anderen weiter entfernt. Insgesamt gehört Forsa zu den zuverlässigeren Instituten, ohne ein klares „bestes Institut" zu sein – denn kein Institut ist konstant am genauesten.
Vergleich mit anderen Instituten
| Merkmal | Forsa | Infratest dimap | INSA | Allensbach |
|---|---|---|---|---|
| Methodik | Telefon (CATI) | Telefon + Online | Online-Panel | Face-to-Face |
| Stichprobe/Woche | ca. 2.500 | ca. 1.500 | ca. 2.000 | ca. 1.000–1.500 |
| Frequenz | Wöchentlich | Wöchentlich | Wöchentlich | Alle 2–4 Wochen |
| Auftraggeber | RTL/ntv | ARD | Bild/BamS | FAZ |
| AfD-Tendenz | Eher niedrig | Mittel | Eher hoch | Mittel |
Kritik und Kontroversen
Forsa und insbesondere Manfred Güllner stehen gelegentlich in der Kritik. Häufigste Vorwürfe: Güllner kommentiere Ergebnisse zu meinungsstark, die Telefonmethodik sei nicht mehr zeitgemäß, und die AfD werde systematisch unterschätzt. Forsa weist diese Kritik zurück und verweist auf die transparente Methodik und die langjährige Treffsicherheit.
Objektiv lässt sich sagen: Die Telefonmethodik hat Schwächen (schwer erreichbare Gruppen), aber auch Stärken (Zufallsauswahl, kein Self-Selection-Bias wie bei Online-Panels). Kein einzelnes Verfahren ist überlegen – deshalb empfiehlt sich die Aggregation mehrerer Institute.
Fazit
Forsa ist ein etabliertes, methodisch solides Institut mit der größten regelmäßigen Stichprobe in der deutschen Umfragelandschaft. Die bekannten House Effects sollten bei der Interpretation berücksichtigt werden. Im Vergleich mit anderen Instituten zeigt sich: Forsa ist weder das beste noch das schlechteste Institut – es ist ein zuverlässiger Baustein im Gesamtbild der deutschen Wahlforschung.
1998: Forsa-Gründer Güllner prophezeit Schröder — monatelang belacht, dann bestätigt
Im Frühjahr 1998, als Helmut Kohl noch als unbesiegbar galt, publizierte Forsa-Gründer Manfred Güllner eine Sonntagsfrage mit SPD klar vor der CDU – und prognostizierte erstmals intern einen SPD-Kanzler. Konkurrierende Institute bezeichneten die Forsa-Zahlen als Ausreißer. Güllner ließ nicht locker: Woche für Woche zeigte Forsa denselben Trend. Am 27. September 1998 gewann die SPD mit 40,9 Prozent. Das Resultat bestätigte Forsa und kostete Helmut Kohl nach 16 Jahren das Kanzleramt.
2000: House Effects – warum manche Institute immer eine Partei höher sehen
"House Effects" sind systematische Abweichungen einzelner Institute: Allensbach sieht CDU/CSU tendenziell höher (face-to-face, ältere Befragte). INSA sieht AfD tendenziell höher (Online, weniger Social-Desirability-Bias). YouGov sieht Grüne tendenziell niedriger. House Effects entstehen durch Befragungsmethode, Stichprobenzusammensetzung und Gewichtungsmodelle. Sie sind stabil über Zeit – kein Zufall, sondern systematisch. Politisch kluge Beobachter korrigieren gedanklich: "Das ist INSA, also AfD 1-2 Punkte runterrechnen." Die Transparenz über House Effects ist in Deutschland gering.
Häufige Fragen
Wer steckt hinter Forsa?
Forsa wurde 1984 von Prof. Manfred Güllner gegründet und hat seinen Sitz in Berlin. Das Institut ist eines der am häufigsten zitierten Meinungsforschungsinstitute Deutschlands und erstellt den wöchentlichen RTL/ntv-Trendbarometer.
Für wen arbeitet Forsa?
Der wichtigste Medienpartner ist RTL/ntv. Darüber hinaus arbeitet Forsa für Unternehmen, Verbände, Ministerien und Kommunen in den Bereichen Markt- und Sozialforschung.
Wie genau sind Forsas Wahlumfragen?
Forsas letzte Umfragen vor Bundestagswahlen weichen im Schnitt um 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte pro Partei vom Ergebnis ab. Forsa gehört zu den zuverlässigeren Instituten, variiert aber wie alle Institute von Wahl zu Wahl.
Hat Forsa House Effects?
Ja. Analysen zeigen, dass Forsa die CDU/CSU tendenziell leicht höher und die AfD leicht niedriger misst als der Durchschnitt aller Institute. Diese Tendenz ist konsistent, aber moderat.
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