Rente: Wer zahlt, wer bekommt — und wer gewinnt wirklich?
Die Rentenfrage ist die soziale Gretchenfrage jeder Wahl. Über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland — und jede Partei verspricht, genau für sie zu kämpfen. Was dahinter steckt: sehr unterschiedliche Konzepte für Finanzierung, Niveau und Rentenalter.
Die Positionen im Überblick
Aktienrente als Ergänzung zur gesetzlichen Rente — ein staatlicher Fonds soll in Aktien anlegen und langfristig Rendite bringen. Das Rentenniveau soll stabil bleiben, aber das Rentenalter perspektivisch an die Lebenserwartung angepasst werden. Wer länger arbeiten will, soll Bonuszahlungen bekommen. Frühere Rente bleibt möglich — aber mit Abzügen.
Rentenniveau dauerhaft bei 48% sichern — das ist die rote Linie der SPD. Kein höheres Rentenalter über 67 hinaus. Die Grundrente für Geringverdiener mit langen Beitragszeiten soll ausgebaut werden. SPD-Finanzierung: breitere Beitragsbasis, also mehr Beitragszahler ins System. Aktienrente? Skeptisch, weil Aktienmarktrisiken auf Rentner abgewälzt würden.
Bürgerversicherung: Alle zahlen ein — auch Beamte und Selbstständige. Damit würde die Beitragsbasis massiv verbreitert. Kapitalgedeckte Elemente ja, aber sozial abgesichert. Das Rentenalter soll an die tatsächliche Lebenserwartung gekoppelt werden — was de facto Rentenalter 68+ bedeutet. Dafür: bessere Erwerbsminderungsrente für Menschen, die nicht bis 67 arbeiten können.
Kein Rentenalter über 67. Rente für "Deutsche zuerst" — die AfD will Leistungen an Beitragszeiten knüpfen und Einwanderer ohne lange Beitragshistorie schlechter stellen. Eine kapitalgedeckte Privatrente ergänzend. Das Rentensystem soll entbürokratisiert werden. Positiv: Mütterrente ausbauen für Frauen mit Kindern vor 1992.
Mindestrente 1.200 Euro netto — das ist das konkreteste Versprechen im deutschen Parteiensystem. Finanziert durch höhere Beiträge von Besserverdienenden und Kapitalerträgen. Rentenalter nicht über 65, Rente mit 63 für Schwerarbeiter erhalten. Alle ins gesetzliche System: keine Befreiung für Beamte oder Freiberufler. Die radikalste Umverteilung aller Parteien.
Rente mit 63 für langjährig Versicherte erhalten — das ist BSWs Herzensthema für Ostdeutschland, wo viele früh angefangen haben zu arbeiten. Ostrenten vollständig an Westrenten angleichen. Kein höheres Rentenalter. BSW fordert außerdem einen nationalen Rentenfonds statt privater Kapitaldeckung — Staat statt Blackrock.
Linke und BSW wollen kein höheres Rentenalter und mehr Mindestrente. CDU und Grüne koppeln das Rentenalter an die Lebenserwartung — das ist faktisch Rentenalter 68+. Die SPD hält die Mitte: 48% Niveau, kein höheres Alter, aber kein Systemwechsel. Wer länger Beiträge zahlt als andere, sollte sich das Konzept der Aktienrente genauer anschauen.
