Nach dem Rentenstreit: Schafft die Regierung den Aufschwung, Herr Söder?
Erst am Freitag zuvor hatte die schwarz-rote Koalition das Rentenpaket nach wochenlangem Ringen durch den Bundestag gebracht, nun musste sich CSU-Chef Markus Söder bei Caren Miosga der Frage stellen, ob die Regierung damit endlich auch wirtschaftlich Fahrt aufnimmt. Am 7. Dezember 2025 ging es im Studio vor allem um die knappe Mehrheit für das Rentenpaket, um die Rolle der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion und um die Frage, wie stabil die Koalition tatsächlich ist.
Miosga eröffnete das Gespräch mit dem Bild einer Landung, die "im Rentenpaket" beinahe schiefgegangen wäre. Söder bestätigte die Dramatik: Er habe CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann vorab gewarnt, dass eine Sendung bei Miosga "echt ungemütlich" würde, falls die Abstimmung scheitere. Am Ende habe er zwar nicht die genaue Höhe der Mehrheit vorausgesagt, aber "am Schluss schon" mit einem positiven Ausgang gerechnet.
Video: Nach dem Rentenstreit
Die Junge Gruppe und die wackelnde Mehrheit
Auf die Nachfrage, warum ausgerechnet die CDU-Fraktion und nicht CSU oder SPD zum Risikofaktor wurde, verwies Söder auf einen strukturellen Unterschied: "Wir hatten keine einzige Neinstimme, eine Enthaltung", sagte er über die CSU-Landesgruppe, während die deutlich größere CDU-Fraktion "mit viel mehr Jüngeren" ausgestattet sei. Er beschrieb, wie er selbst zu Gesprächen mit den jungen Rebellen und dem Deutschlandtag gegangen sei, um zu vermitteln: "Für viele Junge war das eine Art Gewissensfrage." Anders als bei "Geschrei", wie er es von der SPD-Jugend kenne, habe er die Argumentation der jungen Unionsabgeordneten als "gute Argumentation" empfunden.
Söder wehrte sich gegen die Beschreibung der Fraktionssitzung als "Disaster". Ein Disaster wäre es gewesen, wenn die Abstimmung im Bundestag selbst gescheitert wäre, betonte er. Dass in einer Fraktionssitzung kontrovers diskutiert werde, gehöre zur Demokratie: "Wir leben ja nicht in einem autoritären Land, wo das nicht mehr geht." Zugleich räumte er ein, dass der Prozess "am Anfang" holpriger gewesen sei, als er hätte sein müssen, weil man die Bedeutung der Debatte für die junge Generation zunächst unterschätzt habe.
Die Mütterrente bleibt für Söder tabu
Ein zentraler Streitpunkt des Gesprächs war die Zukunft der Mütterrente. Miosga wollte von Söder wissen, ob er bereit sei, bei diesem CSU-Herzensprojekt Kompromisse einzugehen, sollte die neu eingesetzte Rentenkommission das empfehlen. Söder blockte ab: Die Mütterrente 3 mache nur rund ein Prozent des gesamten Rentenvolumens aus, die eigentlichen Herausforderungen der Rentenkommission lägen bei "100, 120 Milliarden" Euro schweren Fragen wie dem künftigen Rentenniveau. Er verteidigte die Leistung mit deutlichen Worten: "Ich argumentiere für Frauen, die keine Lobby haben, die Kinder großgezogen haben." Diesen Frauen solle "ein Stück Gerechtigkeit für ihre Lebensleistung" gegeben werden.
Auch bei der SPD zeigte sich in dem eingespielten Zitat von Co-Vorsitzender Bärbel Bas wenig Bereitschaft, die Haltelinie beim Rentenniveau wieder aufzuschnüren. Söder kommentierte trocken: "Ich hoffe, dass bei der SPD ohne Verbote gedacht wird." Gleichzeitig deutete er an, dass andere Themen wie die Lebensarbeitszeit oder Modelle für längeres Arbeiten durchaus zur Debatte stünden, etwa über die neue Aktivrente, die zum 1. Januar 2026 mit einem Steuerfreibetrag von 2000 Euro pro Monat starten soll. Auf die Frage, wie lange er selbst arbeiten wolle, antwortete Söder süffisant: "Ich bleib arbeiten bis zum Umfallen."
Selbstkritik zur AfD-Abstimmung im Januar
Bemerkenswert war ein Moment, in dem Söder von seiner bisherigen Linie abwich. Miosga erinnerte an die Abstimmung im Januar, bei der ein Entschließungsantrag der Union zur Migrationspolitik nur mit Stimmen der AfD eine Mehrheit fand, ein Vorgang, den Söder damals als Entscheidung des Kanzlerkandidaten mitgetragen hatte. Auf die direkte Frage, ob das ein Fehler gewesen sei, antwortete er diesmal offen: "Ich glaube ja." Ausschlaggebend sei für ihn der Moment gewesen, als der AfD-Geschäftsführer im Bundestag "zähnefletschend" von einer "neuen Zeit" gesprochen habe. "Spätestens da war jedem klar, dass man möglicherweise der AfD eine Chance gegeben hat, die man so nicht geben wollte."
Trotz dieser Selbstkritik bekräftigte Söder die Abgrenzung von der AfD als dauerhafte Linie: "Jede Form der Kooperation würde dazu führen, dass es uns zerreißt, dass es die AfD stärker macht." Er erneuerte damit sein bekanntes Bild der Union als "letzte Patrone der Demokratie" und wandte sich gegen Stimmen in der Union, die über eine Minderheitsregierung nachdenken: Das sei "eine Quatschidee".
Ausblick: Ruhiger Ton, ungelöste Fragen
Söder beschrieb sich selbst als "wahrscheinlich der freundlichste CSU-Vorsitzende seit Jahrzehnten" und begründete das mit dem Ernst der Lage: Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen seien "diese klassischen Spielchen, diese Schattenboxkämpfe" im Moment überflüssig. Mit Blick auf die Kommunalwahlen im Frühjahr wollte er sich auf keine konkrete Zielmarke festlegen, verwies aber auf frühere Wahlen ohne Prozentangaben. Für die Koalition bleibt die eigentliche Bewährungsprobe die Umsetzung der Rentenkommission-Ergebnisse: Ob die im nächsten Jahr erwarteten Reformvorschläge zu echten strukturellen Änderungen führen oder an ähnlichen internen Widerständen scheitern wie das Rentenpaket, wird die politische Debatte 2026 maßgeblich prägen, auch mit Blick auf die Umfragen zur Bundesregierung.
Häufige Fragen
Warum wackelte die Mehrheit für das Rentenpaket im Bundestag?
Vor allem in der CDU-Fraktion gab es eine Gruppe junger Abgeordneter, die das Rentenpaket wegen der Mütterrente kritisch sahen. Markus Söder betonte, dass CSU und SPD geschlossen dafür stimmten und nur eine Enthaltung aus der CDU kam, die Mehrheit am Ende aber deutlich stand.
Warum lehnt Markus Söder Kürzungen bei der Mütterrente ab?
Söder argumentierte, die Mütterrente 3 mache nur rund ein Prozent des gesamten Rentenvolumens aus. Er sprach sich dafür aus, Frauen, die durch Kindererziehung geringere Renten haben, dafür ein Stück Gerechtigkeit zukommen zu lassen, und wollte das Thema aus der Rentenkommission heraushalten.
Wie bewertete Söder seine frühere Zustimmung zu dem von der AfD mitgetragenen Migrationsantrag?
Söder räumte bei Miosga erstmals ein, dass die damalige Entscheidung im Januar möglicherweise ein Fehler gewesen sei. Er verwies auf die Reaktion des AfD-Geschäftsführers im Bundestag danach, bei der ihm klar geworden sei, dass man der AfD damit eine Chance gegeben habe, die man so nicht geben wollte.


