Regierung Baden-Württemberg — Grün-Schwarz als deutsches Novum
Neu (Frühjahr 2026): Özdemir löst Kretschmann ab
Die Landtagswahl vom März 2026 ergab: Grüne 30,2 %, CDU 29,7 %. Cem Özdemir (Grüne) ist neuer Ministerpräsident — er führt die Koalition mit der CDU als Schwarz-Grün II fort. Kretschmann trat nach 15 Jahren nicht mehr an.
In 15 von 16 Bundesländern wäre es undenkbar: Die Grünen als Seniorpartner, die CDU als Juniorpartner. In Baden-Württemberg war genau das von 2016 bis 2026 Realität — in zwei Amtszeiten. Nun föhrt Cem Özdemir dieses Modell fort.
Das Kabinett Kretschmann III (2021–2026) funktionierte bemerkenswert geräuschlos. 100 von 154 Sitzen im Landtag, eine komfortable Mehrheit und ein Ministerpräsident, der weit über seine Partei hinaus Vertrauen genoss.
Koalition im Überblick
- Koalition: Grüne + CDU (Grün-Schwarz)
- Ministerpräsident: Cem Özdemir (Grüne, seit 2026)
- Kabinett: Özdemir I (Schwarz-Grün II, seit Frühjahr 2026)
- Sitz: Neues Schloss, Stuttgart
- Sitze: 100 von 154 (Grüne 58 + CDU 42)
- Koalitionsvertrag: „JETZT FÜR MORGEN"
Warum funktioniert Grün-Schwarz?
Die Antwort liegt in der besonderen Prägung beider Parteien in Baden-Württemberg. Die Grünen unter Kretschmann sind hier konservativer als anderswo — wirtschaftsnah, ordnungspolitisch pragmatisch, keine Protestpartei. Die CDU wiederum hat sich als Juniorpartner eingerichtet und bringt ihre Kernkompetenzen in Inneres, Wirtschaft und ländlichen Raum ein, ohne ständig den Führungsanspruch zu reklamieren.
Der Koalitionsvertrag spiegelt diesen Pragmatismus: Klimaneutralität bis 2040 (ambitionierter als der Bund), aber gleichzeitig aktive Begleitung der Automobilbranche bei der Transformation. Windkraftausbau, aber Rücksicht auf ländliche Gemeinden. Es ist die Politik des „Sowohl-als-auch", die den Südwesten prägt.
Das Kabinett Kretschmann III
| Ressort | Minister/in | Partei |
|---|---|---|
| Ministerpräsident | Winfried Kretschmann | Grüne |
| Inneres, Digitalisierung, Kommunen (stellv. MP) | Thomas Strobl | CDU |
| Finanzen | Danyal Bayaz | Grüne |
| Kultus | Theresa Schopper | Grüne |
| Wirtschaft, Arbeit, Tourismus | Nicole Hoffmeister-Kraut | CDU |
| Umwelt, Klima, Energiewirtschaft | Thekla Walker | Grüne |
| Soziales, Gesundheit, Integration | Manne Lucha | Grüne |
| Verkehr | Winfried Hermann | Grüne |
| Justiz und Migration | Marion Gentges | CDU |
| Wissenschaft, Forschung, Kunst | Petra Olschowski | Grüne |
| Ernährung, Ländlicher Raum, Verbraucherschutz | Peter Hauk | CDU |
| Wohnen, Kommunalentwicklung, Bau | Nicole Razavi | CDU |
Die Ressortverteilung zeigt das Machtgefälle: Sechs Ministerien für die Grünen, fünf für die CDU. Die Grünen halten die gestaltungsmächtigen Bereiche Finanzen, Umwelt, Verkehr und Wissenschaft. Die CDU kontrolliert die klassisch-konservativen Ressorts Inneres, Wirtschaft und Justiz.
Sechs Stimmen im Bundesrat
Baden-Württemberg entsendet als drittgrößtes Bundesland sechs Stimmen in den Bundesrat. Bei unterschiedlichen Auffassungen der Koalitionspartner enthält sich das Land — eine Klausel, die im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist. In der Praxis stimmt Baden-Württemberg dadurch bei bundespolitisch umstrittenen Themen häufig nicht ab.
Schwarz-Grün unter Grün-Regie: Eine Koalition, die die Bundesrepublik veränderte
Nach der Landtagswahl vom 13. März 2016 bildete Winfried Kretschmann (Grüne, 30,3 %) eine Koalition mit der CDU (27,0 %) — das erste Mal in der deutschen Geschichte, dass Grüne und CDU gemeinsam regierten und die Grünen dabei den Ministerpräsidenten stellten. CDU-Landeschef Thomas Strobl wurde stellvertretender Ministerpräsident und Innenminister — eine Rolle, die er unter einem Grünen-Regierungschef ausüben musste. Die Koalitionsverhandlungen dauerten sieben Wochen; intern warf die CDU-Basis die Frage auf, ob man überhaupt mit dem polit-ideologischen Gegner regieren dürfe. Das Koalitionsprogramm enthielt wenige CDU-Kernthemen. Dafür übernahm es Grünen-Positionen zur Energiewende, Bildung und Naturschutz. Die Koalition hielt 5 Jahre und wiederholte sich 2021 — mit noch deutlicherem Grünen-Vorsprung. Baden-Württemberg wurde zum Testlabor für schwarz-grüne Regierungspolitik im deutschen Föderalismus.
Grün-Schwarz: Das Modell, das Deutschland veränderte
Bevor Kretschmann 2016 mit der CDU koalierte, hatte keine Grünen-Partei in Deutschland je einen CDU-Minister unter sich. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte nannte es „eine Koalition des unwahrscheinlichen Vertrauens". Das Modell zeigte: Grüne können mit Konservativen regieren, ohne ihren Markenkern aufzugeben. Die CDU wiederum lernte, unter einem grünen Chef loyal zu arbeiten. Beide Parteien profitierten: Kretschmann gewann das konservative Bürgertum, die CDU blieb trotz Juniorrolle regierungsfähig. Bis 2026 blieb BaWü das einzige Bundesland mit grüner Regierungsführung — möglicherweise Modell für künftige Koalitionen auf Bundesebene.
Häufige Fragen
Wer regiert in Baden-Württemberg?
Özdemir (Grüne) ist seit Frühjahr 2026 Ministerpräsident — Nachfolger von Kretschmann. Schwarz-Grün II setzt die Zusammenarbeit mit der CDU fort. Landtagswahl März 2026: Grüne 30,2 %, CDU 29,7 %.
Seit wann regieren die Grünen in Baden-Württemberg?
Seit 2011. Zuerst in einer Koalition mit der SPD (2011–2016), seit 2016 mit der CDU.
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