Hamburg — Hafen und Elbe

Bürgerschaftswahl Hamburg — Zehn Stimmen und SPD-Dominanz

Zehn Stimmen. Nicht zwei wie bei der Bundestagswahl, nicht fünf wie in Bremen. Zehn. Hamburgs Wahlsystem ist das komplexeste in Deutschland — und gleichzeitig das demokratischste. Fünf Stimmen für die Wahlkreisliste, fünf für die Landesliste. Kumulieren, Panaschieren, alles erlaubt. Wer seinen Stimmzettel ernst nimmt, braucht eine Viertelstunde.

Und trotzdem ändert sich am Ergebnis seit Jahrzehnten wenig: Die SPD regiert. Hamburg ist, neben Bremen, die zuverlässigste SPD-Hochburg der Republik.

Bürgerschaftswahl 2025

ParteiErgebnis 2025SitzeTrend
SPD28,3 %37−11,0
Grüne20,8 %27−3,6
CDU17,0 %22+6,2
AfD8,1 %10+2,4
Linke7,2 %10−2,2
Volt6,0 %8neu
BSW5,3 %7neu

Die SPD verlor massiv gegenüber 2020 (damals 39,2 %), blieb aber stärkste Kraft. Tschentscher setzte die rot-grüne Koalition fort. Bemerkenswert: Volt und BSW zogen erstmals in die Bürgerschaft ein — Hamburg hat jetzt sieben Fraktionen.

Wahlsystem Hamburg

  • Stimmen: 10 (5 Wahlkreis + 5 Landesliste)
  • Wahlkreise: 17
  • Sitze: 123 (aktuell, Regelgröße 121)
  • Besonderheit: Kumulieren und Panaschieren in beiden Stimmgruppen
  • Wahlperiode: 5 Jahre
  • Nächste Wahl: Voraussichtlich 2030
Hamburger Innenstadt
Hamburg wählt kompliziert — aber das Ergebnis ist seit Jahrzehnten SPD-dominiert.

2025: Der größte SPD-Absturz Hamburgs

Von 39,2 Prozent (2020) auf 28,3 Prozent (2025) — minus elf Punkte. Das ist der größte Stimmenverlust der SPD bei einer Hamburger Bürgerschaftswahl in der Nachkriegsgeschichte. Der Absturz traf vor allem die SPD-Hochburgen in den Innenstadtbezirken, wo gut gebildete Mittelschichtswähler massenweise zu Volt und den Grünen wechselten. Trotzdem: Die SPD blieb stärkste Kraft, und Tschentscher setzte die rot-grüne Koalition fort. Das zeigt die strukturelle Stärke der Hamburger SPD: Selbst mit historischem Tief regiert sie.

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.

Ole von Beust: Hamburgs CDU-Ausnahmefall

Von 2001 bis 2010 regierte Ole von Beust (CDU) Hamburg — zunächst mit einer Koalition mit Schill (Rechtsaußen, zerbrach 2003), dann mit SPD (2004–2008) und schließlich mit Grünen (ab 2008). Die schwarz-grüne Koalition unter von Beust war damals bundespolitisch ein Signal: CDU und Grüne können zusammen. 2010 trat von Beust überraschend zurück — aus persönlichen Gründen, die er nie vollständig erörterte. Sein Nachfolger Christoph Ahlhaus verlor 2011 die Bürgerschaftswahl deutlich. Dann kam Olaf Scholz — und die SPD übernahm wieder.

SPD-Hochburg mit kurzen CDU-Unterbrechungen

Nur zweimal stellte die CDU den Ersten Bürgermeister: Ole von Beust (2001–2010) und kurz Christoph Ahlhaus (2010–2011). Davor und danach: SPD. Helmut Schmidt, Henning Voscherau, Olaf Scholz, Peter Tschentscher — die Liste der sozialdemokratischen Senatschefs liest sich wie ein Who's Who der Hamburger Nachkriegsgeschichte.

Hamburg: 10 Stimmen statt 2 — das individuellste Wahlsystem Deutschlands

Seit 2008 hat Hamburg ein einzigartiges Wahlsystem: Jeder Wahlberechtigte hat 10 Stimmen statt 2. Fünf Stimmen für die Wahlkreisliste, fünf für die Landesliste. Kumulieren und Panaschieren sind erlaubt. Diese Reform sollte die persönliche Bindung zwischen Kandidaten und Wählern stärken. Das Ergebnis: Stimmensplitting ist die Norm — und trotzdem wählt Hamburg verlässlich SPD.

Häufige Fragen

Warum hat Hamburg zehn Stimmen?

Um den Wählern maximalen Einfluss auf die personelle Zusammensetzung der Bürgerschaft zu geben. Kumulieren und Panaschieren ermöglichen es, über Parteigrenzen hinweg bevorzugte Kandidaten zu stärken.

Wann ist die nächste Bürgerschaftswahl?

Voraussichtlich 2030. Die laufende Wahlperiode begann mit der Wahl am 2. März 2025.

Mehr dazu: 5%-Hürde · CDU/CSU Umfragen

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