S&D — Sozialdemokraten im EU-Parlament
Key-Facts: S&D-Fraktion
- Vollständiger Name: Progressive Allianz der Sozialdemokraten
- Sitze: 136 von 720 (18,9 %)
- Politische Ausrichtung: Mitte-links
- Fraktionsfarbe: #E30613
- Vorsitz: Iratxe García Pérez (PSOE, Spanien)
- Deutsche Mitgliedspartei: SPD (14 Sitze)
- Gegründet: 1953 (als Sozialistische Fraktion)
Die S&D-Fraktion (Progressive Allianz der Sozialdemokraten) ist mit 136 Sitzen die zweitgrößte Fraktion im Europäischen Parlament. Sie vereint sozialdemokratische und progressive Parteien aus fast allen 27 Mitgliedstaaten der EU. In Deutschland wird die Fraktion durch die SPD mit 14 Abgeordneten vertreten – darunter prominente Namen der Partei, die in Brüssel und Straßburg die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sozialer Gerechtigkeit und europäischer Solidarität vertreten.
Die Fraktion steht für eine soziale Marktwirtschaft, stärkere Arbeitnehmerrechte, den europäischen Green Deal und eine vertiefte EU-Integration. Im politischen Spektrum des Europaparlaments positioniert sich die S&D klar mitte-links – als Gegengewicht zur konservativen EVP und als Partnerin in zahlreichen großen Koalitionen bei Gesetzgebungsprozessen.
Geschichte der S&D-Fraktion
Die Wurzeln der heutigen S&D reichen bis in die Anfangsjahre der europäischen Integration zurück. Bereits 1953 schlossen sich sozialistische Abgeordnete in der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zur Sozialistischen Fraktion zusammen. Damit ist die S&D eine der ältesten Fraktionen im Europaparlament überhaupt.
Über Jahrzehnte hinweg wuchs die Fraktion mit jeder EU-Erweiterung. Neue Mitgliedsparteien aus Skandinavien, Süd- und später Osteuropa traten bei. Im Jahr 2009 erfolgte die Umbenennung in „Progressive Allianz der Sozialdemokraten" (S&D), um den breiteren politischen Anspruch über rein sozialistische Positionen hinaus zu unterstreichen. Die Fraktion wollte damit deutlich machen, dass sie nicht nur Arbeiterparteien, sondern auch progressive Mitte-links-Bewegungen einschließt.
Historisch waren die Sozialdemokraten in den 1990er-Jahren besonders stark: Unter Tony Blair, Gerhard Schröder und anderen sozialdemokratischen Regierungschefs stellten S&D-Parteien zeitweise die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten. Seitdem hat die Fraktion an Sitzen verloren, bleibt aber als zweitstärkste Kraft ein unverzichtbarer Akteur bei nahezu allen wichtigen Abstimmungen im Europaparlament.
Wichtigste Mitgliedsparteien
| Partei | Land | Sitze | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| PSOE | Spanien | 20 | Stärkste Einzelpartei, stellt Fraktionsvorsitz |
| PD (Partito Democratico) | Italien | 21 | Größte Delegation in der S&D |
| SPD | Deutschland | 14 | Deutsche Sozialdemokraten, Regierungspartei |
| PS (Parti Socialiste) | Frankreich | 13 | Französische Sozialisten |
| PvdA | Niederlande | 4 | Partij van de Arbeid |
| PS | Portugal | 8 | Partido Socialista |
| SPÖ | Österreich | 5 | Sozialdemokratische Partei Österreichs |
| SAP | Schweden | 5 | Sveriges socialdemokratiska arbetareparti |
| Weitere Parteien | 46 | Aus über 20 weiteren EU-Ländern | |
Die S&D-Fraktion ist damit in nahezu jedem Mitgliedstaat vertreten. Die Delegationsgrößen variieren erheblich – von über 20 Abgeordneten bei PD und PSOE bis hin zu einzelnen Mandaten aus kleineren Ländern wie Malta, Zypern oder den baltischen Staaten.
Politische Positionen und Schwerpunkte
Die S&D vertritt im Europäischen Parlament ein klar mitte-links orientiertes Programm. Zu den zentralen politischen Forderungen gehören:
Soziale Gerechtigkeit: Die Fraktion setzt sich konsequent für einen europäischen Mindestlohn, die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit sowie eine Stärkung der sozialen Sicherungssysteme ein. Der europäische Pfeiler sozialer Rechte ist ein Kernprojekt der S&D.
Arbeitnehmerrechte: Besserer Schutz für Beschäftigte, insbesondere in der Plattformökonomie, faire Löhne und das Recht auf Tarifverhandlungen stehen weit oben auf der Agenda. Die S&D war treibende Kraft hinter der EU-Richtlinie über angemessene Mindestlöhne.
Green Deal und Klimaschutz: Die Fraktion unterstützt den Europäischen Green Deal, fordert aber eine sozial gerechte Transformation. Der Übergang zur Klimaneutralität darf nach S&D-Position nicht auf Kosten der Arbeitnehmer und einkommensschwachen Haushalte gehen. Ein Klimasozialfonds soll die Lasten fair verteilen.
EU-Integration: Die S&D ist eine ausgesprochen proeuropäische Fraktion. Sie tritt für mehr europäische Zusammenarbeit, eine Reform der EU-Verträge und eine Steigerung der demokratischen Legitimation des Europaparlaments ein.
S&D und die deutsche SPD
In Deutschland entspricht die S&D-Fraktion der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands). Die SPD ist mit 14 Abgeordneten eine der größeren nationalen Delegationen innerhalb der Fraktion, auch wenn sie hinter PSOE und PD zurückfällt. Die deutschen Sozialdemokraten haben traditionell großen Einfluss in der Fraktion – nicht zuletzt wegen der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands innerhalb der EU.
Die Europawahl 2024 war für die SPD ein schwieriges Ergebnis: Die Partei verlor gegenüber 2019 an Stimmen und rutschte bei den EU-weiten Sitzanteilen ab. Dennoch bleibt die SPD-Delegation ein gewichtiger Faktor in der Fraktionsarbeit und besetzt Schlüsselpositionen in Ausschüssen des Europaparlaments.
Die Fraktionsvorsitzende: Iratxe García Pérez
Seit 2019 führt die Spanierin Iratxe García Pérez die S&D-Fraktion. Die PSOE-Politikerin gehört dem Europaparlament seit 2004 an und hat sich als erfahrene Parlamentarierin etabliert. Unter ihrer Führung hat die Fraktion versucht, soziale Themen stärker auf die europäische Agenda zu setzen – von Mindestlöhnen bis zur Geschlechtergleichstellung. García Pérez wurde 2024 für eine weitere Legislaturperiode im Amt bestätigt.
Vergleich: S&D im Kontext der Fraktionen
Mit 136 von 720 Sitzen ist die S&D die zweitgrößte Fraktion, deutlich hinter der EVP (188 Sitze), aber vor den Patrioten für Europa (PfE), EKR und Renew. In der parlamentarischen Praxis bildet die S&D häufig zusammen mit der EVP eine informelle große Koalition – bei Themen wie Haushalt, Handelsabkommen und grundlegenden Richtlinien stimmen die beiden größten Fraktionen oft gemeinsam ab. Bei progressiven Themen sucht die S&D jedoch auch Bündnisse mit den Grünen, der Linken und Teilen von Renew.
Europawahl 2024 vs. 2019 — Wie hat sich die S&D verändert?
| Kennzahl | 2019 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Sitze | 154 | 136 | −18 |
| Anteil (%) | 21,7 % | 18,9 % | −2,8 PP |
| Länder vertreten | ~27 | ~26 | — |
Die S&D musste bei der Europawahl 2024 deutliche Verluste hinnehmen: 18 Sitze weniger als 2019. Der Rückgang spiegelt den europäischen Trend wider, dass sozialdemokratische Parteien zunehmend zwischen der erstarkenden Rechten und progressiven Bewegungen aufgerieben werden. Besonders schmerzlich waren die Verluste in Skandinavien und Mitteleuropa, während die südeuropäischen Delegationen (PSOE, PD) vergleichsweise stabil blieben.
2019: SD-Fraktion verliert erste Stelle an EVP – und das Spitzenkandidat-Prinzip scheitert
Bei der EP-Wahl 2019 wurden die Sozialdemokraten (SD) mit 154 Sitzen die zweitgrößte Fraktion – hinter der EVP (182). Das war das schlechteste SD-Ergebnis seit der Direktwahl 1979. In Deutschland erzielte die SPD 15,8 Prozent bei der Europawahl – ihr schlechtestes EP-Ergebnis. Der SD-Spitzenkandidat Frans Timmermans (Niederlande) wurde nicht Kommissionspräsident; die Regierungschefs nominierten von der Leyen. Die SD stimmte in der Investiturabstimmung mehrheitlich für von der Leyen als Kompromiss. Die Fraktion konsolidierte sich unter García Pérez als Juniorpartnerin der EVP-geführten Koalition.
Häufige Fragen
Wofür steht die Abkürzung S&D?
S&D steht für „Socialists & Democrats" – auf Deutsch: Progressive Allianz der Sozialdemokraten. Der volle englische Name lautet „Progressive Alliance of Socialists and Democrats". Die Fraktion wurde 2009 unter diesem Namen gegründet und ist Nachfolgerin der 1953 gegründeten Sozialistischen Fraktion.
Welche deutsche Partei gehört zur S&D?
Die SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) ist die deutsche Mitgliedspartei der S&D-Fraktion. Sie stellt aktuell 14 der 136 S&D-Abgeordneten. Programmatisch teilen SPD und S&D die Schwerpunkte soziale Gerechtigkeit, Arbeitnehmerrechte und europäische Integration.
Wie viele Sitze hat die S&D-Fraktion?
Die S&D-Fraktion hat 136 Sitze im Europäischen Parlament (Stand: Legislaturperiode 2024–2029). Das entspricht rund 18,9 % der insgesamt 720 Sitze. Damit ist sie die zweitstärkste Fraktion hinter der EVP.
Was unterscheidet S&D von der Linken im EU-Parlament?
Die S&D ist eine mitte-links-Fraktion mit sozialdemokratischer Ausrichtung, während die Fraktion Die Linke (GUE/NGL) weiter links steht und stärker kapitalismuskritisch agiert. Die S&D trägt regelmäßig Regierungsverantwortung in EU-Staaten und ist Teil der informellen großen Koalition im Parlament – Die Linke ist dagegen vorwiegend in der Opposition.
Wer führt die S&D-Fraktion?
Fraktionsvorsitzende ist Iratxe García Pérez aus Spanien. Die PSOE-Politikerin leitet die Fraktion seit 2019 und wurde 2024 für die neue Legislaturperiode bestätigt. Sie ist seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments.
Weitergehende Informationen bietet die Europaeisches Parlament - alle Fraktionen.
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