Athen — Akropolis und Wiege der Demokratie

Griechenland in der EU — Wahlen & Politik

Key-Facts: Griechenland

  • Hauptstadt: Athen
  • Einwohner: 10,4 Millionen
  • EU-Sitze: 21
  • EU-Beitritt: 1981
  • Regierungschef: Kyriakos Mitsotakis
  • Regierungspartei: Nea Dimokratia (konservativ)
  • Währung: Euro (€, seit 2001)

Griechenland, Wiege der Demokratie und eines der ältesten Kulturvolk Europas, ist seit 1981 Mitglied der Europäischen Union. Das südosteuropäische Land mit seinen über 6.000 Inseln durchlebte in den 2010er-Jahren eine der schwersten Wirtschaftskrisen in der Geschichte der EU. Inzwischen hat sich Griechenland wirtschaftlich stabilisiert und verzeichnet überdurchschnittliches Wachstum.

Politisches System

Griechenland ist eine parlamentarische Republik. Das Einkammerparlament Vouli hat 300 Sitze und wird alle vier Jahre gewählt. Der Präsident (Katerina Sakellaropoulou, erste Frau in diesem Amt) hat vorwiegend repräsentative Funktionen. Das griechische Wahlrecht gewährt der stärksten Partei einen Bonus von bis zu 50 Zusatzsitzen — ein Mechanismus, der stabile Einparteiregierungen fördert.

Premierminister Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia) regiert seit Juni 2023 mit absoluter Mehrheit, nachdem er bei den Parlamentswahlen 40,6 % der Stimmen erhielt. Seine konservative Partei steht für eine wirtschaftsliberale Politik mit Steuersenkungen und Privatisierungen. Die Linkspartei SYRIZA unter Alexis Tsipras, die während der Schuldenkrise 2015–2019 regierte, ist inzwischen stark geschrumpft und fragmentiert.

Europawahl 2024

Bei der Europawahl 2024 wählte Griechenland 21 Abgeordnete. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,4 %. Die Nea Dimokratia bestätigte ihre Dominanz, während die linke Opposition weiter zersplitterte.

ParteiEU-FraktionSitze 2024Sitze 2019Veränderung
Nea DimokratiaEVP78−1
SYRIZADie Linke46−2
PASOKS&D32+1
KKE (Kommunisten)Fraktionslos22±0
Elliniki Lysi (Griechische Lösung)EKR21+1
Niki (Sieg)Fraktionslos10+1
Neue Linke (Kasselakis)Fraktionslos10+1
Plefsi EleftheriasFraktionslos10+1

EU-Rolle

Griechenland trat 1981 als zehntes Mitglied der EWG bei — ein symbolischer Schritt für die Demokratisierung des Landes nach dem Ende der Militärdiktatur 1974. 2001 führte Griechenland den Euro ein, was später aufgrund geschönter Haushaltszahlen kontrovers diskutiert wurde.

Die griechische Schuldenkrise (2010–2018) war die schwerste Belastungsprobe für die Eurozone. Drei internationale Rettungspakete über insgesamt 289 Milliarden Euro, drastische Sparmaßnahmen und eine Schrumpfung der Wirtschaft um 25 % prägten das Land. Seit 2022 verzeichnet Griechenland wieder solides Wachstum (2–3 % pro Jahr) und hat seine Kreditwürdigkeit zurückgewonnen.

Geopolitisch spielt Griechenland als südöstliches EU-Land eine Schlüsselrolle in der Migrationspolitik. Die griechischen Inseln in der Ägäis sind eine Hauptroute für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Das Verhältnis zur Türkei bleibt trotz NATO-Mitgliedschaft beider Länder angespannt — Streitpunkte sind Seegrenzen, Zypern und Luftraumverletzungen.

5. Juli 2015: Das OXI-Referendum — und der größte Verrat der modernen EU-Geschichte

Am 27. Juni 2015 kündigte Alexis Tsipras völlig überraschend ein Referendum an — über das Sparprogramm der Gläubiger. Das Land steckte mitten in den Verhandlungen, die Banken waren bereits am Wochenende geschlossen (Kapitalverkehrskontrollen: 60 Euro pro Abhebung). Der Euroraum hielt den Atem an. Am 5. Juli 2015 stimmten 61,3 % der Griechen mit OXI (Nein) — gegen die Bedingungen des dritten Rettungspakets. Yanis Varoufakis, Finanzminister und Architekt der Anti-Austeritätsstrategie, trat am Tag danach zurück: Er sagte, er sei beim EU-Treffen als „Terrorist" behandelt worden und solle zur Erleichterung der Verhandlungen gehen.

Was dann folgte, ist in der Geschichte der europäischen Demokratie ohne Beispiel: Tsipras fuhr nach Brüssel — und unterzeichnete am 13. Juli 2015 ein drittes Rettungspaket, das härter war als alles, was die Griechen gerade abgelehnt hatten. Mehrwertsteuererhöhung, Rentenkürzungen, Privatisierungen — alles, was das OXI-Votum ablehnte, kam ins Abkommen. 86 Milliarden Euro Kredite, Laufzeit bis 2018. Das Parlament stimmte zu, obwohl 40 Abgeordnete der eigenen Fraktion dagegen votierten. Die Troika hatte gewonnen, das Referendum war irrelevant. Tsipras blieb Premierminister bis 2019. Varoufakis gründete eine europäische Partei (DiEM25). Das OXI-Votum gilt bis heute als der deutlichste Beweis, wie wenig direkte Demokratie gegen den Druck der Eurozone ausrichten kann.

Häufige Fragen

Hat Griechenland die Schuldenkrise überwunden?

Weitgehend ja. Griechenland verließ 2018 das letzte Rettungsprogramm und verzeichnet seit 2022 Wachstum über dem EU-Durchschnitt. Die Schuldenquote liegt allerdings noch bei über 160 % des BIP — die höchste in der EU. Die Rückzahlung der Rettungskredite läuft bis 2070.

Warum hat Griechenland so viele Inseln?

Griechenland umfasst über 6.000 Inseln und Felseninseln, davon sind rund 230 bewohnt. Die Inseln in der Ägäis und im Ionischen Meer machen einen großen Teil der griechischen Küstenlinie aus (längste in Europa) und sind für den Tourismus — Griechenlands wichtigste Einnahmequelle — zentral.

Weitergehende Informationen bietet die Europaeisches Parlament - griechische Abgeordnete.

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