Dortmund — SPD-Herz des Ruhrgebiets im Wandel
Key-Facts: Dortmund
- Einwohner: 590.000
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Oberbürgermeister: Thomas Westphal (SPD, seit 2020)
- Wahlkreise: 2 (Dortmund I Nr. 142, Dortmund II Nr. 143)
- Besonderheit: Ruhrgebiets-Zentrum, BVB, Phoenix-See, TU Dortmund, Nordstadt als sozialer Brennpunkt
Dortmund ist Ruhrgebiet pur. Wo früher Hochöfen glühten und Bergleute in die Zechen einfuhren, stehen heute Technologieparks, Co-Working-Spaces und der künstliche Phoenix-See. Doch der Strukturwandel ist in Dortmund nicht abgeschlossen — er ist Dauerzustand. Die Stadt ringt seit Jahrzehnten mit den Folgen der Deindustrialisierung: überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit, soziale Spaltung und eine Nordstadt, die als größter sozialer Brennpunkt Nordrhein-Westfalens gilt.
Politisch bleibt Dortmund das, was es seit über 100 Jahren ist: SPD-Land. Stahl, Kohle und Bier schufen eine Arbeiterstadt, in der Gewerkschaften und Sozialdemokratie das gesellschaftliche Leben prägten. Die letzte Zeche schloss 1987, das letzte Stahlwerk 2001 — aber die politische DNA ist geblieben. Thomas Westphal (SPD) regiert seit 2020 als Oberbürgermeister.
Bundestagswahl 2025 in Dortmund
Dortmunds zwei Bundestagswahlkreise offenbaren die soziale Kluft der Stadt: Der Norden wählt anders als der Süden.
| Partei | Dortmund I (142) | Dortmund II (143) |
|---|---|---|
| SPD | 28,6% | 24,1% |
| CDU | 22,3% | 27,5% |
| AfD | 15,8% | 12,4% |
| Grüne | 10,2% | 14,6% |
| BSW | 7,4% | 5,8% |
| FDP | 3,9% | 5,1% |
In Dortmund I (Innenstadt-Nord, Eving, Scharnhorst, Hörde) hält die SPD mit 28,6% ihren Vorsprung — doch die AfD erreicht hier mit 15,8% einen beunruhigenden Wert. Die Nordstadt, Scharnhorst und Eving sind Viertel mit hoher Arbeitslosigkeit, niedrigem Einkommen und geringer Wahlbeteiligung. Wer hier wählt, wählt zunehmend Protest.
In Dortmund II (Hombruch, Aplerbeck, Lütgendortmund, Phoenix-See-Umfeld) ist das Bild bürgerlicher: Die CDU kommt auf 27,5%, die Grünen auf 14,6%. Das südliche Dortmund profitiert vom Strukturwandel — neue Wohngebiete, höhere Einkommen, andere Prioritäten.
Nordstadt — Deutschlands größter Brennpunkt
Man kann Dortmunds Politik nicht verstehen, ohne die Nordstadt zu kennen. Auf drei Quadratkilometern leben über 60.000 Menschen — der größte geschlossene Gründerzeitbestand Deutschlands und gleichzeitig Ankunftsviertel für Zuwanderer aus Südosteuropa. Die Wahlbeteiligung liegt in manchen Stimmbezirken unter 35%. Wer nicht wählt, fehlt in der Statistik — aber nicht in der Stadt.
Die Nordstadt ist gleichzeitig Problemviertel und Kreativquartier: Zwischen Drogenszene und Clan-Kriminalität entstehen Ateliers, Cafés und Start-ups. Politisch profitieren davon weder SPD noch CDU, sondern kleinere Parteien und vor allem die Nichtwähler.
Phoenix-See — Symbol des neuen Dortmund
Wo bis 2001 das Stahlwerk Phoenix-Ost stand, glänzt heute ein künstlicher See mit Luxuswohnungen, Büros und Gastronomie. Der Phoenix-See ist Dortmunds Vorzeigeprojekt — und gleichzeitig sein größter Widerspruch. Drei Kilometer Luftlinie trennen die teuersten Wohnungen der Stadt von den ärmsten Vierteln. Diese Spaltung spiegelt sich im Wahlverhalten: Am Phoenix-See wählt man CDU und Grüne, in der Nordstadt — wenn überhaupt — SPD oder AfD.
Lage
1969: Dortmund wählt SPD auf 60 Prozent – Höchststand der Ruhrgebiets-SPD
Bei der Bundestagswahl am 28. September 1969 erzielte die SPD in Dortmund 60,2 Prozent – der absolute Höchststand einer Volkspartei in einer deutschen Großstadt der Nachkriegszeit. Dortmund war Stahlstadt, Bergbaustadt, IG-Metall-Hochburg. Willy Brandt hatte die SPD zur Regierungspartei gemacht; der Boom spiegelte die Deckungsgleichheit von Partei und Wählermilieu. 50 Jahre später: Bei der Bundestagswahl 2021 erzielte die SPD in Dortmund noch 29,1 Prozent – die Hälfte des Höchststands von 1969. Stahl weg, Bergbau weg, 60-Prozent-SPD weg. Dortmund ist das prägnanteste Beispiel für den Niedergang industriegebundener Parteibindung.
Kommunalwahl in Dortmund
Am 14. September 2025 fand die NRW-Kommunalwahl statt. In Dortmund regiert weiterhin die SPD den Stadtrat als staerkste Kraft, waehrend CDU und Gruene zulegen konnten. Aktueller NRW-Trend: CDU 34 %, SPD 18 %, AfD 17 % (INSA, Mai 2026).
Häufige Fragen
Warum ist Dortmund eine SPD-Hochburg?
Dortmunds SPD-Tradition reicht über 100 Jahre zurück. Stahl, Kohle und Bier prägten eine Arbeiterstadt, in der Gewerkschaften und SPD das politische Leben dominierten. Trotz Strukturwandel hält die Bindung in vielen Vierteln.
Wie hat sich Dortmunds Nordstadt politisch entwickelt?
Die Nordstadt hat eine der niedrigsten Wahlbeteiligungen Deutschlands. Traditionell SPD-Gebiet, gewinnen AfD und BSW hier an Boden — getrieben von sozialer Unsicherheit und dem Gefühl, abgehängt zu sein.
Was ist der Phoenix-See für Dortmund?
Der Phoenix-See entstand auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks Phoenix-Ost und symbolisiert Dortmunds Strukturwandel: Luxuswohnungen statt Hochöfen, drei Kilometer von Deutschlands größtem Brennpunkt entfernt.
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