Politische Veranstaltung in der fränkischen Metropole

Nürnberg — Frankens rote Metropole im blauen Freistaat

Key-Facts: Nürnberg

Nürnberg ist die zweitgrößte Stadt Bayerns, aber politisch eine andere Welt als München. Die fränkische Metropole hat eine tiefe Arbeiter- und Gewerkschaftstradition: MAN, Siemens und AEG prägten die Stadt über Jahrzehnte. Auch der Sitz der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg ist kein Zufall — die Stadt stand immer im Zentrum der deutschen Arbeitsmarktpolitik.

Von 2002 bis 2020 regierte SPD-OB Ulrich Maly — einer der beliebtesten Kommunalpolitiker Deutschlands. 2020 gewann Marcus König (CSU) knapp die OB-Wahl. Es war ein Wendepunkt: Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten ist Nürnberg wieder CSU-regiert, aber die SPD bleibt im Stadtrat stark.

Bundestagswahl 2025

Partei Nürnberg-Nord (244) Nürnberg-Süd (245)
CSU29,6%31,2%
SPD19,8%17,4%
Grüne16,1%13,8%
AfD11,3%13,7%
BSW6,2%7,1%
FDP5,4%5,2%

Die zwei Wahlkreise zeigen ein Nürnberger Nord-Süd-Gefälle: Nürnberg-Nord (mit den Szenevierteln Gostenh of und St. Johannis) wählt grüner und sozialdemokratischer. Nürnberg-Süd (Langwasser, Altenfurt, Röthenbach) ist konservativer, und die AfD erreicht hier mit 13,7% einen für eine bayerische Großstadt hohen Wert.

Franken ist nicht Oberbayern

Zwischen Nürnberg und München liegen nicht nur 170 Kilometer, sondern eine kulturelle Kluft. Franken hat eine eigene Identität — viele Nürnberger fühlen sich eher als Franken denn als Bayern. Die CSU war hier nie so dominant wie in Oberbayern oder Schwaben. Die SPD konnte in Nürnberg, Fürth und Erlangen traditionell Fuß fassen.

Wirtschaftlich kämpft Nürnberg mit dem Strukturwandel: Die großen Industriearbeitgeber haben über Jahrzehnte Arbeitsplätze abgebaut. Siemens hat zwar noch eine Präsenz, ist aber längst nicht mehr der dominierende Arbeitgeber von einst. Dafür wächst die Dienstleistungs- und IT-Branche — langsam, aber stetig.

Lage

1935: Nürnberg als NS-Reichsparteitagsstadt – und die Folgen für die Nachkriegspolitik

Nürnberg war von 1933 bis 1938 Austragungsort der NSDAP-Reichsparteitage – und 1945/46 Ort der Nürnberger Prozesse, bei denen die NS-Führung vor einem alliierten Militärtribunal verurteilt wurde. Diese doppelte Last prägte die Stadtpolitik nachhaltig: Nürnberg wurde zur SPD-Hochburg mit starkem antifaschistischem Profil. Bei der Bundestagswahl 2021 erzielte die SPD in Nürnberg-Nord 31,1 Prozent, in Nürnberg-Süd 27,0 Prozent – deutlich über dem bayerischen SPD-Schnitt von 18,0 Prozent. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ist heute politische Bildungsstätte.

Aktuelle Sonntagsfrage Bayern

GMS · 03.03.2026
CSU
39%
AfD
18%
Grüne
13%
FW
10%
SPD
7%
Sonstige
5%
Linke
3%
FDP
2%
BSW
2%

Basis: Aktuelle Landtagsumfrage Bayern (GMS, 03.03.2026). Städte haben keine eigenständigen Sonntagsfragen — der Landestrend dient als Richtwert.

Kommunalwahl in Nürnberg

Am 2. März 2026 fand die bayerische Kommunalwahl statt. Nürnberg wählte Stadtrat und OB neu; die SPD hält als traditionelle Arbeiterpartei ihre Stellung in der Frankenmetropole. Aktueller Bayern-Trend: CSU 39 %, AfD 18 %, Grüne 13 % (GMS, März 2026).

Häufige Fragen

Warum ist Nürnberg eine SPD-Stadt?

Die lange Industrie- und Gewerkschaftstradition (MAN, Siemens, Bundesagentur für Arbeit) hat die Stadt geprägt. Von 2002 bis 2020 war die SPD stärkste Kraft im Rathaus. Auch nach dem CSU-OB-Wechsel bleibt die SPD im Stadtrat prominent.

Welche Wahlkreise gehören zu Nürnberg?

Nürnberg hat zwei Wahlkreise: Nürnberg-Nord (244) und Nürnberg-Süd (245).

Wie unterscheidet sich Nürnberg politisch von München?

Nürnberg ist industrieller, weniger international und günstiger. Die SPD ist hier stärker als in München, die Grünen schwächer. Die AfD schneidet etwas besser ab. Insgesamt ist Nürnberg politisch näher am deutschen Durchschnitt als das kosmopolitische München.

Mehr dazu: Sonntagsfrage erklärt · Glossar · der Bundestag

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