Britta Haßelmann – Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag

Britta Haßelmann – Fraktionsvorsitzende der Grünen und Parlamentsexpertin

Steckbrief: Britta Haßelmann

  • Partei: Bündnis 90/Die Grünen
  • Funktion: Co-Fraktionsvorsitzende (mit Katharina Dröge)
  • Wahlkreis: Bielefeld – Gütersloh II (Nr. 130), Listenmandat
  • Geburtsjahr: 1961, Bünde (Nordrhein-Westfalen)
  • Beruf: Pädagogin
  • MdB seit: 2005

Britta Haßelmann ist eine der erfahrensten Parlamentarierinnen im Deutschen Bundestag. Die 1961 in Bünde geborene Pädagogin sitzt seit 2005 für Bündnis 90/Die Grünen im Parlament und zählt zu den profiliertesten Kennerinnen des parlamentarischen Betriebs. Seit Oktober 2022 führt sie gemeinsam mit Katharina Dröge die grüne Bundestagsfraktion.

Haßelmanns politische Biografie unterscheidet sich von der vieler Spitzenpolitiker: Keine steile Karriere in Ministerien, kein mediales Dauerfeuer – stattdessen zwei Jahrzehnte akribische Parlamentsarbeit. Diese Gründlichkeit und ihr tiefes Verständnis für die Mechanismen des Bundestags machen sie zu einer Schlüsselfigur in der grünen Fraktion.

Werdegang und frühe politische Arbeit

Haßelmann wuchs in Bünde auf, einer Kleinstadt im Kreis Herford in Ostwestfalen. Nach ihrem Studium der Pädagogik engagierte sie sich zunächst in der Kommunalpolitik. In Bielefeld sammelte sie Erfahrungen im Stadtrat und in lokalen Initiativen – Erfahrungen, die ihr Verständnis für die Verbindung zwischen Bundespolitik und kommunaler Realität geprägt haben.

2005, im Jahr der vorgezogenen Bundestagswahl unter Gerhard Schröder, zog Haßelmann erstmals über die Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen in den Bundestag ein. Ihr Wahlkreis Bielefeld – Gütersloh II (Nr. 130) liegt in einer Region, die traditionell von einem breiten politischen Spektrum geprägt ist. Ein Direktmandat konnten die Grünen dort bislang nicht gewinnen – Haßelmann ist daher durchgehend über die Landesliste in den Bundestag eingezogen.

Britta Haßelmann (Grüne), Abgeordnete/r im Deutschen Bundestag.
Britta Haßelmann (Grüne), Abgeordnete/r im Deutschen Bundestag.

Parlamentsexpertin und Geschäftsordnungskennerin

Was Haßelmann von den meisten Abgeordneten unterscheidet, ist ihre tiefgreifende Kenntnis der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestags. Dieses Regelwerk bestimmt, wie im Parlament debattiert, abgestimmt und entschieden wird. Wer es beherrscht, kann den parlamentarischen Ablauf maßgeblich beeinflussen – und genau das ist Haßelmanns Stärke.

In ihrer Funktion als Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion (2013–2022) war sie zuständig für die Organisation der Fraktionsarbeit, die Koordination von Abstimmungen und die Vertretung der Fraktion im Ältestenrat des Bundestags. Diese Aufgabe erfordert diplomatisches Geschick, taktisches Denken und ein präzises Verständnis der parlamentarischen Verfahren.

Haßelmann setzte sich in dieser Rolle immer wieder für eine Reform der Geschäftsordnung ein. Sie kritisierte etwa, dass die Redezeiten kleinerer Fraktionen unverantwortlich kurz seien und dass bestimmte Verfahrensregeln die Kontrollfunktion des Parlaments gegenüber der Regierung einschränkten. Ihre Vorschläge zielten darauf ab, den Bundestag als Institution zu stärken – unabhängig davon, welche Parteien gerade regieren.

Der Fraktionsvorsitz seit 2022

Im Oktober 2022 wurde Haßelmann gemeinsam mit Katharina Dröge an die Spitze der grünen Fraktion gewählt. Die Doppelspitze vereint zwei unterschiedliche Profile: Haßelmann bringt über zwei Jahrzehnte parlamentarische Erfahrung und Verfahrensexpertise mit, Dröge die jüngere, wirtschaftspolitisch orientierte Perspektive.

Während der Ampel-Koalition (2021–2024) war Haßelmann als Fraktionsvorsitzende für die parlamentarische Absicherung der Regierungspolitik mitverantwortlich. In einer Dreier-Koalition bedeutete das tägliche Kompromissarbeit: zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen von SPD, Grünen und FDP musste in der Fraktion Einigkeit hergestellt werden, bevor Gesetze ins Plenum kamen.

StationZeitraumFunktion
Kommunalpolitik Bielefeldvor 2005Stadträtin, lokale Initiativen
Deutscher Bundestagseit 2005MdB, Wahlkreis Bielefeld – Gütersloh II (Nr. 130)
Grünen-Fraktion2005–2013Innenpolitische Sprecherin
Grünen-Fraktion2013–2022Erste Parlamentarische Geschäftsführerin
Grünen-Fraktionseit 2022Co-Fraktionsvorsitzende (mit Dröge)

Demokratiepolitik und parlamentarische Rechte

Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch Haßelmanns politische Arbeit: die Stärkung der parlamentarischen Demokratie. Sie versteht den Bundestag nicht nur als Gesetzgebungsorgan, sondern als zentralen Ort der demokratischen Auseinandersetzung. Diese Überzeugung treibt ihre Forderungen nach mehr Transparenz, stärkeren Minderheitenrechten und einer lebendigen Debattenkultur an.

Konkret setzte sich Haßelmann für die Einführung eines Lobbyregisters ein, forderte strengere Regeln für Nebentätigkeiten von Abgeordneten und plädierte für eine Stärkung der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse. Ihre Position: Wer den Glauben der Bürger an die Demokratie stärken wolle, müsse das Parlament als Institution ernst nehmen und seine Arbeitsweise modernisieren.

In Zeiten, in denen populistische Strömungen die parlamentarische Demokratie infrage stellen, gewinnt Haßelmanns Arbeit an Bedeutung. Ihre Expertise in Verfahrensfragen ist nicht bloße Technokratie, sondern dient einem politischen Ziel: einem Bundestag, der seine Kontrollfunktion gegenüber der Regierung wirksam ausübt und für die Bürger nachvollziehbar arbeitet.

Im 21. Bundestag führt Haßelmann die grüne Fraktion nun aus der Opposition heraus. Die Liste aller 630 Abgeordneten und weitere Informationen zur grünen Fraktion finden Sie auf unseren Übersichtsseiten. Das vollständige Profil mit Abstimmungsverhalten finden Sie auf abgeordnetenwatch.de.

1983: Die Grünen ziehen in den Bundestag ein – mit Sonnenblumen und ohne Krawatte

Am 6. März 1983 zogen die Grünen mit 5,6 Prozent erstmals in den Bundestag ein. Die 27 Abgeordneten erschienen mit Sonnenblumen; Petra Kelly brachte ein Baby ins Plenum. Das Protokoll des Bundestages musste an mehreren Stellen geändert werden. Es war der sichtbarste Kulturbruch in der Geschichte des Deutschen Bundestages. 1983 war das Startjahr der Grünen als parlamentarische Kraft; seitdem sind sie mit kurzer Unterbrechung (1990) dauerhaft im Bundestag vertreten.

Häufige Fragen

Welche Rolle hat Haßelmann als Parlamentarische Geschäftsführerin gespielt?

Britta Haßelmann war von 2013 bis 2022 Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion. In dieser Funktion koordinierte sie die Fraktionsarbeit, organisierte Abstimmungen und war Expertin für die Geschäftsordnung des Bundestags.

Seit wann sitzt Britta Haßelmann im Bundestag?

Britta Haßelmann ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestags. Sie gehört damit zu den dienstlängsten Abgeordneten der Grünen-Fraktion.

Welchen Wahlkreis vertritt Britta Haßelmann?

Britta Haßelmann ist dem Wahlkreis Bielefeld – Gütersloh II (Nr. 130) in Nordrhein-Westfalen zugeordnet. Sie zog über die Landesliste in den Bundestag ein.

Wofür setzt sich Haßelmann in der Demokratiepolitik ein?

Haßelmann engagiert sich für die Stärkung parlamentarischer Rechte, mehr Transparenz im politischen Betrieb und eine Reform der Geschäftsordnung des Bundestags. Sie gilt als Verfechterin einer lebendigen parlamentarischen Demokratie.

Wer bildet mit Haßelmann die grüne Fraktionsspitze?

Britta Haßelmann führt die Grünen-Fraktion gemeinsam mit Katharina Dröge. Die Doppelspitze besteht seit Oktober 2022 und vereint parlamentarische Erfahrung mit wirtschaftspolitischer Expertise.

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