Umfragen zur Bundestagswahl 2021 – Rückblick
Key-Facts
- Wahltag: 26. September 2021
- Wahlbeteiligung: 76,6 %
- Stärkste Kraft: SPD mit 25,7 %
- Dramatik: SPD stieg von 15 % (Juni) auf 25,7 % (Wahl)
- Umfrage-Highlight: Größter Umschwung in der jüngeren Wahlgeschichte
Die Bundestagswahl 2021 war ein Lehrbuchbeispiel für die Dynamik von Wahlumfragen. Binnen weniger Wochen drehte sich das gesamte Bild: Die SPD, im Frühsommer bei rund 15 Prozent abgeschlagen, überholte im August die Union und gewann am 26. September die Wahl. Dieser dramatische Umschwung wurde von den Umfragen weitgehend korrekt abgebildet – ein Beleg für die Leistungsfähigkeit moderner Wahlforschung.
Der Umfrage-Verlauf 2021
Januar bis Mai: Die Union lag stabil bei 30 bis 36 Prozent. Die Grünen erlebten nach der Nominierung von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin einen Höhenflug auf bis zu 28 Prozent (April/Mai). Die SPD lag bei 14 bis 16 Prozent.
Juni bis Juli: Die Grünen fielen nach einer Serie von Fehlern (Lebenslauf-Affäre, Plagiatsvorwürfe) auf 18 bis 20 Prozent zurück. Die Union blieb bei 28 bis 30 Prozent. Die SPD verharrte bei 15 bis 16 Prozent.
August: Der Wendepunkt. Ab Mitte August stieg die SPD in allen Instituten an. Die Nominierung von Olaf Scholz als Kanzlerkandidat und die gute Performance in TV-Triellen wirkten als Katalysator. Anfang September lag die SPD erstmals vor der Union.
September: Der SPD-Trend verstärkte sich – möglicherweise durch einen Bandwagon-Effekt. Am Wahltag erreichte die SPD 25,7 Prozent, die Union nur 24,1 Prozent.
Letzte Umfragen vs. Ergebnis
| Institut | SPD | CDU/CSU | Grüne | FDP | AfD | Linke | ∅ Abw. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Forsa | 25 % | 22 % | 17 % | 12 % | 10 % | 6 % | 1,6 Pp. |
| Infratest dimap | 26 % | 24 % | 15 % | 11 % | 11 % | 6 % | 1,1 Pp. |
| INSA | 25 % | 23 % | 15 % | 12 % | 12 % | 6 % | 1,3 Pp. |
| FGW | 25 % | 23 % | 16 % | 11 % | 11 % | 6 % | 1,2 Pp. |
| Ergebnis | 25,7 % | 24,1 % | 14,8 % | 11,5 % | 10,3 % | 4,9 % | – |
Analyse
SPD und Union korrekt: Die knappe Führung der SPD vor der Union wurde von den meisten Instituten richtig vorhergesagt. Infratest dimap lag mit 26/24 am nächsten am tatsächlichen Ergebnis (25,7/24,1).
Grüne leicht überschätzt: Die Grünen wurden mit 15 bis 17 Prozent etwas höher gemessen als ihr tatsächliches Ergebnis von 14,8 Prozent – ein bekanntes Muster.
Linke massiv überschätzt: Die größte Fehleinschätzung betraf die Linke: Alle Institute sahen sie bei 6 Prozent, tatsächlich erreichte sie nur 4,9 Prozent. Die Linke schaffte den Einzug in den Bundestag nur über die Grundmandatsklausel (drei Direktmandate).
Was die BTW 2021 über Umfragen lehrt
Die Bundestagswahl 2021 zeigt: Tracking Polls können schnelle Stimmungswechsel abbilden. Der SPD-Aufschwung war in den wöchentlichen Sonntagsfragen klar sichtbar. Die Umfragen haben den Trend nicht nur abgebildet, sondern möglicherweise durch den Bandwagon-Effekt sogar verstärkt. Ob der Trend die Ursache oder die Folge der Umfrageveränderung war, ist die zentrale – und kaum lösbare – Frage.
17. Juli 2021: Ein Foto verändert den Wahlkampf — und kostet die Union 4 Punkte
Am 17. Juli 2021 hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im überschwemmten Erftstadt eine Ansprache an die Flutopfer. Im Hintergrund wurde Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet fotografiert — sichtlich lachend, während Steinmeier sprach. Das Bild verbreitete sich innerhalb von Stunden millionenfach. Laschet entschuldigte sich noch am selben Abend, doch der Schaden war kaum zu begrenzen. Die Forsa-Messung der darauffolgenden Woche (21. Juli) zeigte: Die Union war von 30 auf 27 Prozent gesunken — minus drei Punkte in sieben Tagen. Gleichzeitig stieg die SPD von 16 auf 18 Prozent. Kein Umfrage-Modell kann einen Schnappschuss direkt verrechnen. Was die Zahlen zeigen: Der Vertrauensverlust in Laschet als Persönlichkeit war messbar und dauerhaft. Der Unionsrückgang, der im August und September weiterging, nahm in dieser Woche seinen Anlauf. Ob das Foto die Ursache oder nur ein Frühwarnsignal war — die Demoskopie kann das nicht entscheiden, aber sie hat die Bewegung dokumentiert.
2021: Letzte Umfrage vor der Bundestagswahl – und was am Wahlabend anders war
Die letzte Umfrage vor der Bundestagswahl 2021 (23. September): SPD 25 Prozent, CDU/CSU 22 Prozent, Grüne 15 Prozent, FDP 12 Prozent. Wahlergebnis: SPD 25,7, CDU/CSU 24,1, Grüne 14,8, FDP 11,5. Die Institute lagen bei CDU/CSU um 2 Prozentpunkte daneben – zu niedrig. Grund: Late Deciders schwenkten kurz vor der Wahl zur CDU. Auch Briefwähler (47 Prozent) zeigten andere Muster als Präsenzwähler. Die erste Hochrechnung um 18:01 Uhr lag ebenfalls 1 Prozentpunkt daneben. Am Ende war die Prognose gut – aber nicht perfekt.
Häufige Fragen
Wie verliefen die Umfragen vor der Bundestagswahl 2021?
Die BTW 2021 sah einen historischen Umschwung: Die SPD stieg von ca. 15 % im Juni auf über 25 % am Wahltag. Die Union fiel von über 30 % auf 24,1 %. Die Grünen erlebten einen frühen Höhenflug und fielen dann zurück.
Wie genau waren die letzten Umfragen?
Die durchschnittliche Abweichung lag bei etwa 1,2 bis 1,6 Prozentpunkten pro Partei. Infratest dimap lag insgesamt am nächsten. Die SPD-Führung wurde korrekt vorhergesagt.
War die Scholz-Aufholjagd in den Umfragen sichtbar?
Ja, sehr deutlich. Ab Mitte August 2021 zeichnete sich der SPD-Aufschwung in allen Instituten ab. Der Trend verstärkte sich in den letzten Wochen möglicherweise durch einen Bandwagon-Effekt.
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