INSA – Institut im Detail
Key-Facts
- Gründung: 2009 in Erfurt
- Sitz: Erfurt
- Gründer/Leitung: Hermann Binkert
- Hauptauftraggeber: Bild / Bild am Sonntag
- Methodik: Online-Panel, ca. 2.000 Befragte/Woche
- Frequenz: Wöchentlich (Sonntagsausgabe)
INSA – das Institut für neue soziale Antworten – ist das jüngste unter den großen deutschen Meinungsforschungsinstituten. 2009 in Erfurt gegründet, hat es sich innerhalb weniger Jahre als feste Größe in der Umfragelandschaft etabliert. Bekannt ist INSA vor allem durch die wöchentliche Sonntagsfrage für die Bild am Sonntag – und durch die Tatsache, dass es die AfD tendenziell höher misst als die meisten anderen Institute.
Geschichte und Struktur
Hermann Binkert, Jahrgang 1965, gründete INSA nach einer Karriere in der Politik (CDU Thüringen) und in der Marktforschung. Das Institut hat seinen Sitz in Erfurt – als einziges großes deutsches Meinungsforschungsinstitut in den neuen Bundesländern. Binkert selbst tritt regelmäßig als Kommentator in Medien auf.
Methodik
INSA setzt primär auf Online-Befragungen über ein eigenes Panel (Civey-ähnliches Modell). Die Befragten werden aus einem Pool registrierter Teilnehmer rekrutiert und nach demographischen Merkmalen quotiert. Die Ergebnisse werden anschließend gewichtet.
Die Online-Methodik hat spezifische Vor- und Nachteile: Die Anonymität des Online-Formats reduziert den Social-Desirability-Bias – Befragte geben unpopuläre Meinungen eher an als am Telefon. Gleichzeitig besteht bei Online-Panels ein Self-Selection-Bias: Nur Menschen, die sich aktiv für das Panel anmelden, werden befragt.
House Effects
INSAs House Effects sind ausgeprägter als bei den meisten anderen Instituten:
| Partei | INSA-Tendenz | Richtung | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Leicht unter Durchschnitt | ↓ | -0,5 bis -1,0 Pp. |
| SPD | Leicht unter Durchschnitt | ↓ | -0,5 Pp. |
| Grüne | Unter Durchschnitt | ↓ | -1,0 Pp. |
| AfD | Deutlich über Durchschnitt | ↑ | +1,5 bis +3,0 Pp. |
| BSW | Über Durchschnitt | ↑ | +0,5 bis +1,0 Pp. |
Die höheren AfD-Werte lassen sich methodisch erklären: In anonymen Online-Befragungen geben AfD-Sympathisanten ihre Präferenz offener an als am Telefon. Da die AfD bei Wahlen regelmäßig besser abschneidet als in den meisten Telefon-Umfragen, lag INSA bei der AfD-Messung historisch oft näher am Ergebnis – allerdings gelegentlich auch zu hoch.
Vergleich mit anderen Instituten
| Merkmal | INSA | Forsa | YouGov |
|---|---|---|---|
| Methodik | Online-Panel | Telefon (CATI) | Online-Panel |
| Auftraggeber | Bild/BamS | RTL/ntv | Verschiedene |
| AfD-Tendenz | Hoch | Niedrig | Mittel bis hoch |
| Grüne-Tendenz | Niedrig | Mittel bis hoch | Mittel |
| Gegründet | 2009 | 1984 | 2000 |
Kritik und Kontroversen
INSA ist unter den deutschen Instituten das umstrittenste. Kritiker verweisen auf die Online-Methodik (Self-Selection-Bias), die teilweise ausgeprägten House Effects und die Verbindung zur Bild-Zeitung. Befürworter argumentieren, dass INSA die Schweigespirale besser erfasst als Telefon-Institute und dass die Online-Methodik zukunftsweisend ist.
Objektiv gilt: INSA ist ein legitimes Institut, das nach wissenschaftlichen Standards arbeitet. Die spezifischen House Effects sollten bei der Interpretation berücksichtigt werden – wie bei jedem anderen Institut auch. Im Rahmen einer Aggregation liefert INSA eine wertvolle ergänzende Perspektive.
Fazit
INSA hat sich als feste Größe in der deutschen Umfragelandschaft etabliert. Die ausgeprägten House Effects – insbesondere die höheren AfD-Werte – machen das Institut zu einem wichtigen Kontrapunkt zu den Telefon-Instituten. Wer Umfragen richtig einordnen will, sollte INSA-Ergebnisse nicht isoliert betrachten, sondern im Kontext aller Institute.
September 2021: INSA veröffentlicht AfD bei 16 Prozent — Mörder einer Koalition
In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs 2021 publizierte INSA am 3. September eine Umfrage, die die AfD bei 16 Prozent auswies – während alle Telefon-Institute zwischen 10 und 12 Prozent maßen. Der Unterschied war nie größer als in diesem Moment. Chefanalyst Hermann Binkert verteidigte die Online-Methodik: Wähler mit AfD-Sympathie antworteten bei Telefonbefragungen häufig nicht ehrlich. Das tatsächliche Ergebnis am 26. September: 10,3 Prozent für die AfD. INSA hatte um fast 6 Prozentpunkte übertrieben – ein Beleg dafür, dass auch die Online-Methode ihren eigenen Bias hat.
2014: MRP-Methode – wie britische Statistiker Wahlkreis-Prognosen revolutionierten
Die MRP-Methode (Multilevel Regression and Post-Stratification) wurde in Großbritannien von YouGov ab 2017 eingesetzt: Statt nationaler Umfragen werden tausende Einzelinterviews auf Wahlkreis-Ebene modelliert. Ergebnis: Präzisere Prognosen in einzelnen Wahlkreisen. In Deutschland nutzt YouGov Deutschland seit 2021 MRP-Ansätze für Wahlkreis-Prognosen. Ergebnis 2021: Einige Wahlkreis-Prognosen stimmten besser als klassische Hochrechnungen. MRP ist rechenintensiv und benötigt große Datensätze. Es ist die statistisch anspruchsvollste Methode der aktuellen Wahlforschung.
Häufige Fragen
Was ist INSA?
INSA ist ein 2009 gegründetes Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Erfurt. Es arbeitet vor allem mit Online-Befragungen und ist als Umfragepartner der Bild-Zeitung bekannt.
Warum misst INSA die AfD oft höher als andere Institute?
INSA nutzt Online-Panels, in denen Befragte anonymer antworten. Dadurch geben AfD-Sympathisanten ihre Präferenz offener an. Dies erklärt einen großen Teil des Unterschieds zu Telefon-Instituten.
Wie zuverlässig sind INSA-Umfragen?
INSAs Treffsicherheit ist gemischt. Bei der AfD lag INSA oft näher am Ergebnis als Telefon-Institute. Bei anderen Parteien variiert die Genauigkeit. Insgesamt ist INSA ein legitimes, aber methodisch spezifisches Institut.
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