Infratest dimap – Institut im Detail
Key-Facts
- Gründung: 1996 (als Gemeinschaftsunternehmen)
- Sitz: Berlin
- Geschäftsführung: Michael Kunert
- Hauptauftraggeber: ARD (DeutschlandTrend, Wahlabend)
- Methodik: Telefon (Festnetz + Mobil) und Online, ca. 1.300–1.500/Woche
- Frequenz: Wöchentlich, donnerstags (DeutschlandTrend)
Wer am Wahlabend die ARD einschaltet, sieht die Zahlen von Infratest dimap. Das Berliner Institut ist seit Jahrzehnten der exklusive Wahlforschungspartner der ARD und verantwortlich für die 18-Uhr-Prognose, die Hochrechnungen und den wöchentlichen DeutschlandTrend. Diese enge Verbindung mit dem reichweitenstärksten deutschen Fernsehsender macht Infratest dimap zu einem der einflussreichsten Institute des Landes.
Geschichte und Struktur
Infratest dimap entstand 1996 als Gemeinschaftsunternehmen zweier traditionsreicher Institute: Infratest (gegründet 1947 in München, Teil der Kantar-Gruppe) und dimap (Deutsches Institut für Marketing und Politische Analyse, gegründet 1987 in Bonn). Die Fusion vereinte die sozialwissenschaftliche Kompetenz von Infratest mit dem politischen Fokus von dimap.
Heute wird das Institut von Michael Kunert geleitet. Es beschäftigt rund 50 feste Mitarbeiter und greift auf die Infrastruktur der Kantar-Gruppe zurück, einem der weltweit größten Marktforschungsunternehmen.
Methodik
Infratest dimap hat in den letzten Jahren seine Methodik modernisiert und setzt auf einen Mixed-Mode-Ansatz: Die Sonntagsfrage wird sowohl per Telefon (Festnetz und Mobilfunk) als auch online erhoben. Diese Kombination soll die Stärken beider Methoden vereinen: Die Zufallsauswahl des Telefons und die bessere Erreichbarkeit jüngerer Zielgruppen über Online-Kanäle.
Für den DeutschlandTrend werden wöchentlich rund 1.300 bis 1.500 Wahlberechtigte befragt. Zu Wahlkampfzeiten wird die Stichprobe erhöht. Die Ergebnisse werden nach demographischen und regionalen Merkmalen gewichtet.
Am Wahltag selbst setzt Infratest dimap ein eigenes Verfahren ein: Die 18-Uhr-Prognose basiert auf einer Kombination aus Befragungen am Wahltag (Exit Polls) und statistischen Modellen. Die Hochrechnungen im Laufe des Abends integrieren dann die tatsächlich ausgezählten Stimmen.
Auftraggeber und Produkte
Die ARD ist der zentrale Auftraggeber für politische Umfragen. Die wichtigsten Produkte:
DeutschlandTrend: Wöchentliche Umfrage mit Sonntagsfrage, Politikerranking und Sachthemen. Wird donnerstags in den Tagesthemen präsentiert.
Wahlabend-Berichterstattung: 18-Uhr-Prognose, Hochrechnungen, Wahlanalysen. Infratest dimap ist für die gesamte Zahlenlieferung der ARD am Wahlabend verantwortlich.
LänderTrends: Umfragen vor Landtagswahlen, ebenfalls für die ARD und deren Landesrundfunkanstalten.
House Effects
| Partei | Infratest-dimap-Tendenz | Richtung | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
| SPD | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
| Grüne | Leicht über Durchschnitt | ↑ | +0,5 Pp. |
| AfD | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
| FDP | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
Infratest dimap gilt als eines der „ausgeglichensten“ Institute – die House Effects sind vergleichsweise gering. Das liegt möglicherweise am Mixed-Mode-Ansatz, der verschiedene Erhebungsmethoden kombiniert und damit methodenspezifische Verzerrungen ausgleicht.
Vergleich mit anderen Instituten
| Merkmal | Infratest dimap | Forsa | FGW |
|---|---|---|---|
| Auftraggeber | ARD | RTL/ntv | ZDF |
| Methodik | Telefon + Online | Telefon | Telefon |
| Frequenz | Wöchentlich | Wöchentlich | Alle 2–4 Wochen |
| Wahlabend | ARD-Prognose + Hochrechnung | Keine Wahlabend-Rolle | ZDF-Prognose + Hochrechnung |
| House Effects | Gering | Moderat (CDU+ / AfD-) | Gering bis moderat |
Fazit
Infratest dimap ist eines der methodisch fortschrittlichsten Institute Deutschlands. Die Kombination aus Telefon- und Online-Befragung, die geringe systematische Verzerrung und die langjährige Erfahrung machen es zu einem zuverlässigen Anker in der deutschen Umfragelandschaft. Die enge Bindung an die ARD sichert gleichzeitig Sichtbarkeit und Einfluss – die Zahlen von Infratest dimap prägen, wie Millionen Deutsche den Wahlabend erleben.
2021: Die 18:00-Uhr-Hochrechnung, die Laschet de facto abwahl
Am 26. September 2021 um 18:01 Uhr erschien auf dem ARD-Bildschirm die erste Infratest-dimap-Hochrechnung: SPD 26,0 Prozent, CDU/CSU 24,1 Prozent. Armin Laschet, der live im Fernsehen zusah, behauptete sofort, die Union sei noch in der Lage, eine Regierung zu bilden. Doch die Hochrechnung war eindeutig. Innerhalb von Minuten meldeten alle Kommentatoren Scholz als faktischen Sieger. Erst Monate später, am 8. Dezember 2021, wurde er vereidigt. Der Infratest-dimap-Wert von 18:01 Uhr war der Moment, in dem eine 16-jährige CDU-Kanzlerschaft endete.
2016: Social Media als Umfrage-Ersatz – und warum Twitter nicht Deutschland ist
Seit 2010 versuchen Politikwissenschaftler und Journalisten, Twitter/X als Seismograf für politische Stimmung zu nutzen. Ergebnis: Twitter-Nutzer sind jünger, höher gebildet, städtischer und politisch überaktiver als die Durchschnittsbevölkerung. Twitter-Stimmung überschatzt Grüne, FDP, Piraten – und unterschatzt CDU/CSU, AfD, SPD-Stammwähler. Facebook-Daten (2013-2021): Repräsentativer, aber datenschutzrechtlich problematisch. TikTok: Noch jünger. Die Illusion: Social Media ist der Puls der Gesellschaft. Die Realität: Es ist der Puls einer lauten Minderheit.
Häufige Fragen
Was ist Infratest dimap?
Infratest dimap ist ein Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin, das 1996 als Gemeinschaftsunternehmen von Infratest und dimap gegründet wurde. Es ist das Wahlforschungsinstitut der ARD und verantwortlich für den DeutschlandTrend und die Wahlabend-Berichterstattung.
Welche Methodik verwendet Infratest dimap?
Infratest dimap nutzt eine Kombination aus Telefoninterviews und Online-Befragungen (Mixed Mode). Für den DeutschlandTrend werden wöchentlich rund 1.300 bis 1.500 Wahlberechtigte befragt.
Wie genau sind die Umfragen von Infratest dimap?
Infratest dimap gehört zu den treffsichersten Instituten bei Bundestagswahlen. Die durchschnittliche Abweichung der letzten Umfrage vor der Wahl liegt bei etwa 1,5 bis 2,0 Prozentpunkten pro Partei.
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