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Bürger informiert sich über die erste Bundestagswahl

31 Millionen Deutsche wählen zum ersten Mal frei

Stellen Sie sich vor: Es ist der 14. August 1949, ein schwüler Sonntag. Deutschland liegt in Trümmern. In den Städten stehen noch Ruinen, Millionen Flüchtlinge leben in Notunterkünften, die Währungsreform liegt gerade ein gutes Jahr zurück. Und 31,2 Millionen Menschen gehen wählen — zum ersten Mal seit 1933 in einer freien, demokratischen Wahl.

Die Wahlbeteiligung lag bei 78,5 %. Das klingt nach viel — heute wären Demokratieforscher begeistert. Damals war man enttäuscht. Nach 16 Jahren Diktatur, Krieg und Besatzung hatten viele gehofft, dass die Deutschen ihre neue Freiheit mit noch größerem Enthusiasmus nutzen würden. Bei der Wahl zur Nationalversammlung 1919 hatten 83 % gewählt.

Die Wahl auf einen Blick

  • Datum: 14. August 1949 (Sonntag)
  • Wahlberechtigte: 31,2 Millionen
  • Stimmen: Nur eine Stimme (noch keine Zweitstimme)
  • Wahlalter: Aktiv 21 Jahre, passiv 25 Jahre
  • Parteien im Bundestag: 11 Parteien + 3 Unabhängige
  • Berlin: Von der Wahl ausgeschlossen (Viermächte-Status)

Eine Stimme, elf Parteien

Das Wahlsystem von 1949 war anders als alles, was wir heute kennen. Die Wähler hatten nur eine Stimme — keine Erst- und Zweitstimme, kein Stimmensplitting. Diese eine Stimme zählte gleichzeitig für den Direktkandidaten und seine Partei. Wer den lokalen CDU-Kandidaten gut fand, aber lieber FDP wählen wollte — Pech gehabt.

Die Fünf-Prozent-Hürde galt nur auf Landesebene. Eine Partei musste also nur in einem einzigen Bundesland 5 % erreichen, um Sitze im Bundestag zu bekommen. Das erklärt, warum elf Parteien den Einzug schafften — darunter Namen, die heute niemand mehr kennt: die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung (WAV), der Gesamtdeutsche Block (BHE), die Bayernpartei. Sogar die KPD saß im ersten Bundestag — mit 5,7 % und 15 Sitzen.

Partei Stimmen Sitze
CDU/CSU31,0 %139
SPD29,2 %131
FDP11,9 %52
KPD5,7 %15
Bayernpartei4,2 %17
Deutsche Partei4,0 %17
Zentrum + Sonstige13,9 %31

Adenauer wählt sich selbst

Die CDU/CSU wurde mit 31,0 % knapp stärkste Kraft. Knapp — denn die SPD lag mit 29,2 % nur 1,8 Punkte dahinter. Konrad Adenauer schmiedete eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und Deutscher Partei. Am 15. September 1949 wurde er zum ersten Bundeskanzler gewählt — mit exakt einer Stimme Mehrheit: 202 von 402.

Adenauer soll später gescherzt haben, er habe sich selbst gewählt. Ob das stimmt, wissen wir nicht — die Abstimmung war geheim. Aber die Anekdote zeigt, wie hauchdünn die Mehrheit war, auf der die gesamte Bundesrepublik gegründet wurde.

Bürger diskutieren über Politik
1949 begann die demokratische Tradition der Bundestagswahlen in Deutschland.

Was diese Wahl anders machte

Berlin durfte nicht wählen. Die Viermächte-Regelung schloss die geteilte Stadt von der Bundestagswahl aus. Stattdessen entsandte das Berliner Abgeordnetenhaus Vertreter ohne volles Stimmrecht — ein Zustand, der bis zur Wiedervereinigung 1990 andauerte.

Millionen junger Erwachsener zwischen 18 und 20 waren von der Wahl ausgeschlossen. Das Wahlalter lag bei 21 Jahren — es brauchte die 68er-Bewegung, bis es 1972 auf 18 Jahre gesenkt wurde.

Und noch ein Detail: Die Wahl fand im August statt — dem einzigen Mal in der Geschichte der Bundesrepublik. Alle späteren Bundestagswahlen lagen zwischen September und März. Der Sommtermin wurde gewählt, weil das Grundgesetz erst am 23. Mai 1949 in Kraft getreten war und die Organisation Zeit brauchte.

14. August 1949: Die einzige Sommerwahl und zehn Parteien im Bundestag

Die Bundestagswahl vom 14. August 1949 war historisch unwiederholbar. Erstens: Sie fand im August statt — die einzige deutsche Bundestagswahl im Sommer, weil das Grundgesetz erst am 23. Mai 1949 in Kraft getreten war und kaum Zeit für die Organisation blieb. Zweitens: Die 5-Prozent-Hürde galt nur per Bundesland, nicht bundesweit. Ergebnis: 10 Parteien und Fraktionen zogen ein, darunter das Zentrum (3,1 %), die Deutsche Partei (4,0 %), die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung (2,9 %) und die Kommunisten (5,7 %). Drittens: Wahlalter 21 Jahre. Millionen 18- bis 20-Jähriger waren ausgeschlossen. Viertens: CDU und CSU kandidierten nicht gemeinsam — sie liefen als separate Listen, stimmten aber parlamentarisch zusammen ab. Das Ergebnis schuf eine CDU/CSU-Fraktion, die heute noch existiert, obwohl die beiden Parteien nie fusioniert haben. Ein Bund zweier Parteien auf Basis einer Wahl, die keine Fusion kannte.

2024: Ampel-Koalition bricht – Drama in Berlin nach 3 Jahren Regierung

Am 6. November 2024 entließ Bundeskanzler Olaf Scholz Finanzminister Christian Lindner (FDP) – nach monatelangem Haushaltstreit. Scholz kündigte Vertrauensfrage für Januar 2025 an. Am 16. Dezember verlor er sie bewusst. Neuwahlen wurden auf den 23. Februar 2025 festgesetzt. Die Ampel-Koalition dauerte 1.146 Tage. Der Bundestag erlebte zum dritten Mal eine vorzeitige Auflösung: 1972, 1982, 2024.

Häufige Fragen zur Bundestagswahl 1949

Wann fand die erste Bundestagswahl statt?

Die erste Bundestagswahl fand am 14. August 1949 statt, einem Sonntag. 78,5 % der 31,2 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Konrad Adenauer (CDU) wurde anschließend zum ersten Bundeskanzler gewählt.

Wie funktionierte das Wahlrecht bei der ersten Bundestagswahl?

Die Wähler hatten nur eine Stimme, die gleichzeitig für den Direktkandidaten und seine Partei zählte. 60 % der 400 Sitze wurden in Wahlkreisen vergeben, 40 % über Landeslisten. Die Fünf-Prozent-Hürde galt nur auf Landesebene.

Wie viele Parteien zogen 1949 in den Bundestag ein?

Elf Parteien und drei unabhängige Abgeordnete zogen in den ersten Bundestag ein. Die nur auf Landesebene geltende Fünf-Prozent-Hürde erleichterte kleinen Parteien den Einzug. Dieses Problem wurde mit der Reform von 1953 behoben.

Mehr dazu: der Bundestag · Politik-News · Bundesländer-Umfragen · Wahlbeteiligung Deutschland
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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