Spitzenkandidaten Sachsen-Anhalt 2026 — Wer tritt für welche Partei an?
Wahl am 13. September 2026
- 44 Wahlkreise — je ein Direktmandat per Erststimme
- Landeslisten entscheiden über Gesamtstärke (Zweitstimme)
- 5-Prozent-Hürde oder 1 Direktmandat für Einzug
- Spitzenkandidaten führen die Landesliste ihrer Partei an
Die Landtagswahl Sachsen-Anhalt am 13. September 2026 könnte die aufregendste seit der Wiedervereinigung werden. Die AfD liegt in Umfragen bei 41–42 %, kein demokratisches Bündnis hat eine gesicherte Mehrheit. Die entscheidende Frage ist dabei auch eine Personalfrage: Wer führt die Parteien — und wer hat das Zeug, die Stimmung noch zu drehen?
CDU: Haseloff oder Generationswechsel?
Reiner Haseloff ist seit April 2011 Ministerpräsident — der am längsten amtierende Regierungschef Ostdeutschlands. 2021 holte er 37,1 % und ließ die AfD mit 20,8 % weit hinter sich. Sein Geheimnis: bodenständige Verlässlichkeit, ostdeutsche Glaubwürdigkeit und eine Distanz zu Berliner CDU-Richtungskämpfen.
2026 wäre er 72 Jahre alt. Ob er antritt oder den Weg für einen Nachfolger freimacht, ist noch offen. Für die CDU ist das keine Nebenfrage: 2021 betrug der „Haseloff-Bonus" sieben Punkte — der Unterschied zwischen Umfragen und Wahlergebnis. Ohne ihn dürfte dieser Effekt entfallen.
CDU Sachsen-Anhalt
- Parteivorsitz SA: Sven Schulze (seit 2022)
- Fraktionsvorsitz Landtag: Tobias Krull
- Ergebnis 2021: 37,1 % / 40 Sitze
- Umfragen 2026: 24–26 %
- Spitzenkandidat 2026: Haseloff oder Nachfolger (noch offen)
AfD: Oliver Kirchner als Frontmann
Die AfD Sachsen-Anhalt ist unter Fraktionschef Oliver Kirchner zur stärksten Kraft im Land geworden. Kirchner (Jahrgang 1973) sitzt seit 2016 im Landtag, führt die Fraktion seit 2021 und ist das Gesicht der ostdeutschen AfD — laut, konfrontativ, auf Konfrontationskurs mit der Bundesregierung. Als Spitzenkandidat gilt er als gesetzt, auch wenn die formale Nominierung noch aussteht (Stand Juni 2026).
Die AfD SA ist bei Frauen etwas schwächer als bei Männern, bei Jungwählern überdurchschnittlich stark und in ländlichen Regionen dominierend. Bei einem Ergebnis von 42 % wäre Kirchner als Ministerpräsident im Gespräch — rechtlich hat er diesen Anspruch. Ob er ihn durchsetzen könnte, ist eine andere Frage.
AfD Sachsen-Anhalt
- Landesvorsitz: Martin Reichardt
- Fraktionsvorsitz: Oliver Kirchner
- Ergebnis 2021: 20,8 % / 23 Sitze
- Umfragen 2026: 41–42 %
- Spitzenkandidat 2026: Oliver Kirchner (voraussichtlich)
SPD: Kleinstpartei sucht Profil
Die SPD Sachsen-Anhalt regiert in der Deutschland-Koalition mit, kommt aber in Umfragen nur noch auf 6–7 %. Sie ist damit die vierte Kraft hinter Linker. Parteivorsitzende ist Katja Pähle. Als Spitzenkandidatin gilt sie als wahrscheinlichste Option, obwohl die Partei noch keine offizielle Entscheidung getroffen hat. Eine SPD unter 5 % wäre zwar unwahrscheinlich, aber erstmals diskutiert.
SPD Sachsen-Anhalt
- Landesvorsitz: Katja Pähle
- Ergebnis 2021: 8,4 % / 9 Sitze
- Umfragen 2026: 6–7 %
- Spitzenkandidatin 2026: Katja Pähle (voraussichtlich)
Linke: Dritte Kraft mit Geschichte
Die Linke hat in Sachsen-Anhalt eine tiefe Verwurzelung — als Nachfolgerin der SED-PDS war sie jahrzehntelang zweite oder dritte Kraft. Heute liegt sie bei 12–13 % und wäre ein unverzichtbarer Partner für jedes Bündnis ohne AfD. Eva von Angern ist seit 2019 Fraktionsvorsitzende und das Gesicht der Linken in SA. Als Spitzenkandidatin gilt sie als gesetzt.
Linke Sachsen-Anhalt
- Fraktionsvorsitz: Eva von Angern
- Ergebnis 2021: 11,0 % / 12 Sitze
- Umfragen 2026: 12–13 %
- Spitzenkandidatin 2026: Eva von Angern (voraussichtlich)
BSW: Die Neue mit Unsicherheitsfaktor
Das BSW ist in Sachsen-Anhalt erst seit 2024 als Landesverband aktiv. Mit 4–5 % in Umfragen ist der Einzug in den Landtag nicht gesichert. Sollte das BSW scheitern, fällt die einzige rechnerische Mehrheit ohne AfD weg. Wer die Partei als Spitzenkandidat führt, ist noch nicht festgelegt.
Was bedeutet die Kandidatenfrage für das Ergebnis?
In Sachsen-Anhalt ist Personalisierung wichtig. Die Umfragen messen Parteistärke — aber der Wahltag misst Menschen. 2021 gewann Haseloff sieben Punkte mehr als Umfragen sagten. Wenn er nochmals antritt und dieser Bonus hält, käme die CDU auf 30–33 %. Das wäre immer noch weit hinter der AfD, würde aber das rechnerische Verhältnis verschieben.
Die Antwort auf die Frage „Wer führt die CDU?" könnte also darüber entscheiden, ob Sachsen-Anhalt 2026 ein historisches Experiment mit einem Vierer-Bündnis wagt — oder ob die AfD zum ersten Mal in Deutschland eine Landesregierung stellt.
Häufige Fragen zu den Kandidaten
Wann nominieren die Parteien ihre Spitzenkandidaten?
Die Parteilisten müssen spätestens 66 Tage vor der Wahl, also bis ca. 8. Juli 2026, beim Landeswahlleiter eingereicht werden. Spätestens dann stehen alle Spitzenkandidaten fest.
Kann die AfD den Ministerpräsidenten stellen?
Rechtlich ja — wenn die AfD die stärkste Fraktion ist, hat sie den Anspruch, einen Kandidaten zur Wahl des Ministerpräsidenten vorzuschlagen. Gewählt wird er/sie mit absoluter Mehrheit im Landtag. Ohne Koalitionspartner hätte die AfD keine absolute Mehrheit — es sei denn, ihr Ergebnis liegt bei über 50 %.
Wie wähle ich in Sachsen-Anhalt?
Mit zwei Stimmen: Die Erststimme geht an einen Direktkandidaten im Wahlkreis (44 Wahlkreise). Die Zweitstimme an eine Parteiliste — sie bestimmt die Gesamtstärke der Parteien im Landtag. Beide Stimmen können an verschiedene Parteien gehen (Splitting).
