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Wahl Watch Berlin: Beide Seiten — Folge 5

Wer ist eigentlich unser Bundespräsident?

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Wer ist eigentlich unser Bundespräsident, und wann hast du ihn zuletzt gesehen? Ehrlich, kurz überlegt? Genau das ist gerade das Problem — mitten in der schwersten politischen Krise seit Jahren.

Frank-Walter Steinmeier, SPD, seit 2017 im Amt, seit der Wiederwahl 2022 in seiner zweiten und letzten Amtszeit, die im März 2027 endet. Zuletzt öffentlich aufgefallen bei der Trauerfeier für den norwegischen König — Kritiker beschreiben seinen Auftritt dort als unsicher. Und das, während die AfD bundesweit erstmals bei 30 Prozent steht, während in der Union über einen Kanzlertausch diskutiert wird, während in wenigen Tagen zwei weitere Bundesländer wählen. Das Staatsoberhaupt: kaum sichtbar.

Der Konflikt: Schwäche oder Neutralität?

Ist diese Zurückhaltung Schwäche — oder ist sie genau die Neutralität, die das Amt verfassungsrechtlich verlangt?

Ein bekannter Fernseh-Kolumnist hat diese Woche genau das zum Vorwurf gemacht: Ein souveräner Präsident hätte den sachsen-anhaltischen AfD-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Siegmund nach Berlin einbestellen können, zu einer Tasse Tee, um mit ihm über die Grenzen der Verfassung zu reden — und alle Parteivorsitzenden an einen runden Tisch holen können, um über die sogenannte Brandmauer zu sprechen. Nichts davon ist passiert. Der Präsident sei dadurch faktisch kraftlos geworden.

Die Gegenseite sagt: Genau das wäre der Fehler gewesen. Die Verfassungsväter haben das Amt bewusst so gebaut, dass der Bundespräsident aus dem Parteienwettbewerb herausgehalten wird — er soll repräsentieren, integrieren, mahnen, nicht mitregieren. Ein Tee mit dem Fraktionsvorsitzenden einer Partei, deren Landesverbände teils vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft sind, wäre keine Stärke, sondern eine Normalisierungsgeste, die dem Amt nicht zusteht. Zurückhaltung ist hier nicht das Versagen, sondern die Funktion.

Die Überraschung: Der eigentliche Aufreger ist der Bauzaun

Schloss Bellevue wird gerade saniert — Gesamtkosten: rund eine Milliarde Euro. Dazu kommt ein separater Übergangssitz für die Bauzeit, Kosten: etwa 205 Millionen Euro. Zu einem Zeitpunkt, an dem — wie wir in unserer letzten Folge zu den Spritpreisen gezeigt haben — viele Deutsche schon beim Tanken jeden Cent spüren.

Konsequenz: Die Nachfolgersuche läuft schon

Bereits Monate vor der eigentlichen Wahl am 30. Januar 2027 kursieren zwei Namen: Ilse Aigner (CSU), seit 2018 Landtagspräsidentin in Bayern, von Markus Söder als Wunschkandidatin genannt, von Friedrich Merz zumindest für vorstellbar erklärt. Und Karin Prien (CDU), aktuell Bundesbildungsministerin. Selbst hier gibt es Streit: Derselbe Kolumnist, der Steinmeier kritisiert, traut auch Aigner das Amt nicht zu — zu still, zu sehr Zaungast. Andere sehen in genau dieser Ruhe die richtige Qualität für ein Amt, das nicht mitregieren soll.

Die Auflösung

Das Amt des Bundespräsidenten wurde nach den Erfahrungen von Weimar bewusst schwach gebaut — eine Lehre aus einer Zeit, in der ein zu starkes Staatsoberhaupt der Demokratie geschadet hat. Genau diese eingebaute Schwäche wirkt in einer echten Krise aber schnell wie Untätigkeit. Ob man sich einen lauteren Präsidenten wünscht oder die Zurückhaltung als eingebauten Verfassungsschutz begreift, ist am Ende keine Tatsachenfrage, sondern eine Wertungsfrage. Die Entscheidung über die Nachfolge im Januar wird auch eine Entscheidung darüber sein, was für ein Amt man künftig will. Das sind die Fakten. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung — nicht unsere.

Häufige Fragen

Seit wann ist Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident?

Seit 2017, wiedergewählt 2022 für eine zweite Amtszeit. Diese läuft bis März 2027. Er ist SPD-Mitglied, das Amt selbst ist überparteilich.

Wann wird der nächste Bundespräsident gewählt?

Die Bundesversammlung zur Wahl des Nachfolgers ist für den 30. Januar 2027 angesetzt, einberufen von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Artikel 54 GG verlangt die Wahl spätestens 30 Tage vor Ablauf der laufenden Amtszeit.

Was kostet die Sanierung von Schloss Bellevue?

Die Gesamtkosten liegen bei rund einer Milliarde Euro. Hinzu kommt ein separater Übergangssitz für die Bauzeit mit Kosten von etwa 205 Millionen Euro.

Wer sind mögliche Nachfolger für Steinmeier?

Im Gespräch sind Ilse Aigner (CSU), seit 2018 Landtagspräsidentin in Bayern und von Markus Söder favorisiert, sowie Karin Prien (CDU), aktuell Bundesbildungsministerin. Keine der beiden hat offiziell eine Kandidatur erklärt.

SC
Stephan M. Czaja Herausgeber & Gründer

Stephan M. Czaja ist Online-Unternehmer mit über 20 Jahren Erfahrung im Aufbau datengetriebener Webportale. Er verantwortet Strategie, Infrastruktur und die redaktionelle Linie von Bundestagwahlumfrage.de und steht für die inhaltliche Qualität und Unabhängigkeit des Portals.

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