Warum sind die Spritpreise wirklich so teuer?
2,33 Euro für einen Liter Super. Rekord. Noch im März lag der Preis bei 2,08 Euro. Warum wird Tanken jeden Monat teurer — und wer trägt die Schuld?
Genau darüber wird gerade gestritten: Ist das hausgemacht, Staat und CO2-Preis? Oder ist das die Weltlage — Iran, Jemen, Ukraine? Beide haben einen Punkt.
Die Weltlage: Drei Krisenherde gleichzeitig
Seit Ende Februar 2026 führen die USA und Israel einen Luftkrieg gegen den Iran. Der Iran hat als Antwort die Straße von Hormus gesperrt — durch diese eine Meerenge läuft rund ein Fünftel der weltweiten Ölmenge. Anfang September beschossen sich USA und Iran dort direkt: Die USA trafen drei iranische Öltanker, der Iran traf ebenfalls Tanker und feuerte eine ballistische Rakete auf ein US-Kriegsschiff ab. Seit dem 7. September blockiert eine US-Marineblockade sämtliche neuen iranischen Ölexporte. Vermittlungsgespräche des Oman wurden vor wenigen Tagen auf unbestimmte Zeit verschoben.
Gleichzeitig haben die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen Anfang September die letzten Inseln in der Straße von Bab al-Mandab erobert — der kürzesten Seeroute zwischen Europa und Asien. Sie kontrollieren jetzt alle vier großen Inseln dort plus die gesamte jemenitische Westküste. Die Route ist nicht komplett dicht, aber die täglichen Durchfahrten sind von 47 (Mitte Juli) auf 37 (September) gesunken.
Dazu kommt der Ukraine-Krieg: Ein ukrainischer Drohnenangriff setzte die russische Ölraffinerie und den Terminal in Tuapse in Brand, mit erheblichen Umweltschäden. Die Ölsorte Brent stieg seit Ende August um mehr als 10 Prozent auf fast 100 Dollar pro Fass — die Kombination aus Iran-Konflikt und einem echten Raffinerie-Engpass in Europa.
Die deutsche Steuerlast: 58 Prozent gehen an den Staat
Von jedem Euro an der Zapfsäule für Super sind rund 58 Prozent Steuern und Abgaben — bei Diesel knapp 48 Prozent. Allein die feste Energiesteuer beträgt 65,45 Cent pro Liter Benzin. Dazu kommt der CO2-Preis (2026: Korridor 55 bis 65 Euro pro Tonne), und am Ende wird auf den kompletten Preis noch einmal 19 Prozent Mehrwertsteuer draufgeschlagen — Steuer auf Steuer.
| Land | Preis Super (Sept. 2026) | Vergleich zu Deutschland |
|---|---|---|
| Deutschland | 2,33 €/L | — |
| Niederlande | 2,17 €/L | ▼ 16 Cent günstiger |
| Tschechien / Polen | ~1,81 €/L | ▼ >40 Cent günstiger |
Der Rohölpreis an der Börse ist für alle diese Länder identisch — der Unterschied ist die nationale Steuerpolitik.
Im Mai 2026 senkte Finanzminister Klingbeil die Energiesteuer um 16,7 Cent pro Liter. Der Preis fiel kurz von rund 2,14 auf 1,97 Euro — und kletterte innerhalb einer Woche wieder auf 2,19 Euro. Der ADAC rechnete nach: Von den 16,7 Cent Entlastung kamen am Ende nur 5 bis 8 Cent tatsächlich beim Verbraucher an. Der Rest blieb als zusätzliche Marge bei den Mineralölkonzernen hängen — exakt das gleiche Muster wie schon beim Tankrabatt 2022. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, eine Steuersenkung eins zu eins weiterzugeben, bestätigen Ökonomen von Ifo und DIW.
Konsequenz: Was heißt das konkret?
- Der internationale Preisanteil ist real und wird nicht verschwinden, solange Hormus, Bab al-Mandab und die russischen Raffinerien gleichzeitig unter Druck stehen.
- Der deutsche Steueranteil ist eine politische Entscheidung, keine Naturgewalt — das zeigt der Blick nach Polen und Tschechien.
- Selbst eine Entlastung ist kein Selbstläufer: Ohne Weitergabepflicht landet ein Großteil bei den Konzernen statt beim Fahrer.
Die Auflösung: Der Zusammenhang zur Politik
Schon im Frühjahr sagten 58 Prozent der Deutschen in einer Umfrage, hohe Energiepreise seien für sie persönlich ein großes Problem — zu einem Zeitpunkt, an dem die AfD noch bei etwa 25 Prozent lag, gleichauf mit der Union. Heute steht die AfD bei 30 Prozent. Der Zusammenhang zwischen dem, was Menschen an der Zapfsäule bezahlen, und dem, was sie in der Wahlkabine ankreuzen, ist kein Zufall — auch wenn das kein Politiker gerne offen zugibt. Das sind die Fakten. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung — nicht unsere.
Häufige Fragen
Eine Kombination aus globaler Verknappung (Straße von Hormus blockiert, Bab al-Mandab teilweise gesperrt, Raffinerie-Ausfälle durch den Ukraine-Krieg) und deutscher Steuerpolitik (rund 58 Prozent des Benzinpreises sind Steuern und Abgaben).
Nach einem seit Ende Februar 2026 laufenden Luftkrieg zwischen USA/Israel und dem Iran hat der Iran die Straße von Hormus gesperrt, durch die rund ein Fünftel der weltweiten Ölmenge läuft. Seit dem 7. September 2026 blockiert eine US-Marineblockade neue iranische Ölexporte.
Die Huthi-Rebellen haben Anfang September 2026 die letzten Inseln in der Straße von Bab al-Mandab erobert, der kürzesten Seeroute zwischen Europa und Asien. Die täglichen Durchfahrten sanken von 47 (Mitte Juli) auf 37 (September) — kein Totalausfall, aber ein spürbarer Rückgang.
Rund 58 Prozent des Benzinpreises und rund 48 Prozent des Dieselpreises sind Steuern und Abgaben: feste Energiesteuer (65,45 Cent/Liter bei Benzin), CO2-Preis (55–65 Euro/Tonne) und 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den kompletten Preis.
Nicht vollständig. Beim Tankrabatt im Mai 2026 senkte die Regierung die Energiesteuer um 16,7 Cent pro Liter — laut ADAC kamen davon aber nur 5 bis 8 Cent tatsächlich beim Verbraucher an. Es gibt keine gesetzliche Pflicht zur vollständigen Weitergabe.


