Rentner-Ehepaar beim Spaziergang im Park in Bremen

Rentenpaket II 2025 — Was der Bundestag beschlossen hat

Rentenpaket II auf einen Blick

  • Beschlossen: Bundestag, 2025 — mit Kanzlermehrheit (CDU/CSU + SPD)
  • Rentenniveau: Gesichert bei mindestens 48% bis 2039
  • Generationenkapital: 200 Mrd. Euro, Börsenbeteiligung ab 2025
  • Beitragssatz: Steigt perspektivisch auf bis zu 22,3% (2030)
  • Gegenstimmen: AfD, Grüne, Linke
  • Kosten: Zusätzlich rund 3 Mrd. Euro Steuerzuschuss jährlich

Das Rentenpaket II ist das erste große Gesetzgebungsprojekt der schwarz-roten Koalition unter Kanzler Friedrich Merz — und eines der politisch heißumstrittenen. Die CDU/CSU wollte ursprünglich kein Rentenniveau-Versprechen im Vertrag — die SPD machte es zur Bedingung. Das Ergebnis ist ein Kompromiss: Das Rentenniveau bleibt bei 48%, ergänzt durch das Generationenkapital als liberale Komponente, das die CDU einbrachte. Verabschiedet wurde es mit einer Kanzlermehrheit — ein starkes parlamentarisches Signal, das aber die grundlegenden Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung nicht löst.

Was ist das Rentenpaket II — und was hat es mit Rentenpaket I zu tun?

Das Rentenpaket II ist die Fortsetzung eines Reformprozesses, der unter der Ampel-Koalition begann. Rentenpaket I (2024, Ampel) hatte die Haltelinie bei 48% bis 2025 verlängert — war aber kein dauerhaftes Gesetz. Das Rentenpaket II der Merz-Koalition soll die 48%-Grenze nun dauerhaft und gesetzlich verankern — bis mindestens 2039.

Der wichtigste Unterschied: Während Rentenpaket I nur die Haltelinie verlängerte, fügt Rentenpaket II die Komponente des Generationenkapitals hinzu. Das ist ein staatlicher Kapitalfonds, der 200 Milliarden Euro an Börsenwerten ansammeln soll — ähnlich wie der norwegische Staatsfonds. Ab Mitte der 2030er-Jahre sollen die Erträge dazu beitragen, den Beitragsanstieg zu dämpfen.

Das Generationenkapital: Wie funktioniert es?

Das Generationenkapital ist die CDU-Handschrift im Rentenpaket. Die Idee: Der Staat legt Geld an der Börse an — international diversifiziert, ähnlich wie Norwegens Ölfonds — und reinvestiert die Erträge in die Rentenversicherung. Damit soll ein Teil der Rente kapitalgedeckt finanziert werden, statt rein umlagefinanziert (also durch aktuelle Beitragszahler).

Wahlumfrage-Auswertung am Laptop — Meinungsforschung und Sonntagsfrage Deutschland
Politische Analyse: Rentenpaket II 2025 — Was der Bundestag beschlossen hat — Fakten und Einordnung.
Kennzahl Wert Anmerkung
Zielvolumen200 Mrd. EuroAufbau über mehrere Jahrzehnte
Startkapital12 Mrd. Euro (2025)Aus Haushaltsmitteln und Darlehen
VerwaltungDeutsche RentenversicherungUnabhängig von Tagespolitik
AnlageGlobale Aktien- und AnleiheportfoliosKeine Einzelaktien, nur Indexfonds
Erste AusschüttungAb ~2035Nur Erträge, nicht das Kapital selbst
Erwarteter Effekt~0,3–0,5 Beitragspunkte EntlastungModellrechnung, unsicher

Kritiker weisen darauf hin, dass 12 Milliarden Euro Startkapital kaum ausreichen, um bis 2035 die anvisierten 200 Milliarden zu erreichen. Das Modell setzt auf jahrzehntelange Börsenrenditen — und damit auf Szenarien, die historisch, aber nicht garantiert sind. Zum Vergleich: Der norwegische Ölfonds begann mit natürlichem Rohstoffüberschuss; Deutschland muss das Kapital erst durch Haushaltsschulden aufbauen.

Rentner-Paar informiert sich gemeinsam über Rentenreform
Das Rentenpaket II betrifft sowohl heutige Rentner (48%-Niveau) als auch zukünftige (Generationenkapital). Für jüngere Beitragszahler steigen die Kosten kurzfristig.

Wer profitiert — wer zahlt?

Das Rentenpaket II ist eine Umverteilungsentscheidung, die Gewinner und Verlierer schafft. Die entscheidende Frage: Wer zahlt die Kosten der gesicherten 48%-Grenze?

Gruppe Wirkung Zeitraum
Heutige RentnerProfitieren: Rentenniveau gesichertSofort
Rentennahe Jahrgänge (ab 55)Profitieren: PlanungssicherheitBis 2039
Mittlere Generation (35–54)Ambivalent: höhere Beiträge jetzt, Generationenkapital späterAb sofort & ab 2035
Junge Beitragszahler (unter 35)Belastet: höhere Beiträge, Effekt des Generationenkapitals unsicherAb sofort
ArbeitgeberBelastet: Hälfte des steigenden BeitragssatzesAb sofort
SteuerzahlerBelastet: Erhöhter Bundeszuschuss zur RentenversicherungAb sofort

Wirtschaftsinstitute wie das ifo Institut und das DIW haben berechnet, dass der Beitragssatz bis 2030 auf rund 21,5–22,3% steigen wird — aktuell liegt er bei 18,6%. Das entspricht mehreren hundert Euro Mehrkosten jährlich für einen Durchschnittsverdienenden und seinen Arbeitgeber.

Was sagen CDU, SPD, AfD und Grüne zum Rentenpaket?

Partei Position Abstimmungsverhalten
CDU/CSU Pro: Generationenkapital als marktwirtschaftliche Komponente; Rentenniveau-Sicherung als Koalitionskompromiss Dafür
SPD Pro: 48%-Niveau als SPD-Kernforderung; Generationenkapital als akzeptierter Kompromiss Dafür
AfD Dagegen: Fordert Bürgerversicherung und vollständig kapitalgedeckte Rente statt Kompromisslösung Dagegen
Grüne Dagegen: Generationenkapital zu spekulativ; 48%-Niveau hätte über Beitragsreform finanziert werden müssen Dagegen

Kanzlermehrheit: Was das bedeutet

Das Rentenpaket II wurde mit einer Kanzlermehrheit verabschiedet — also der absoluten Mehrheit aller 630 Bundestagsmitglieder. Das bedeutet: Nicht nur mehr Ja- als Nein-Stimmen, sondern eine Mehrheit der gesamten Mandatszahl. Bei 630 Sitzen sind das mindestens 316 Stimmen. CDU/CSU und SPD halten zusammen rund 330 Sitze. Eine Kanzlermehrheit ist für normale Gesetze eigentlich nicht nötig — politisch signalisiert sie aber Geschlossenheit der Koalition. Mehr zur Kanzlermehrheit: Kanzlerwahl erklärt.

Historische Einordnung: Was die Reform einzigartig macht

Die deutsche Rentenversicherung hat eine lange Geschichte von Reformen — und von politischen Versprechen, die später korrigiert wurden. Die Rentenreform 2001 unter Riester führte die kapitalgedeckte Ergänzung ein — freiwillig. Das Ergebnis war magerer als erhofft: Nur ein Teil der Bevölkerung nutzte die „Riester-Rente", die heute wegen zu hoher Kosten weitgehend als gescheitert gilt.

Das Generationenkapital ist konzeptionell anders: Es wird staatlich gemanagt und investiert, nicht als freiwillige private Ergänzung. Das schützt vor Beratungsfehlern und Vertriebskosten — schützt aber nicht vor Marktrisiken. Wenn die Börse in den 2030er-Jahren eine Krise erlebt, können die geplanten Erträge ausbleiben.

Demografischer Wandel: Das ungelöste Kernproblem

2025 kommen auf 100 Beitragszahler rund 57 Rentenempfänger. 2040 werden es rund 70 sein — wenn die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge vollständig in Rente sind. Das Rentenpaket II verbessert die Situation kurzfristig, löst aber das strukturelle Problem nicht: Weniger junge Beitragszahler müssen mehr ältere Rentner finanzieren. Das Generationenkapital ist ein Versuch, diesen Übergang abzufedern — ob er ausreicht, hängt von Renditen ab, die niemand garantieren kann.

Was sagen die Umfragen? Wie bewertet die Bevölkerung die Reform?

Laut einer Forsa-Umfrage vom März 2026 unterstützen 67% der Deutschen das Ziel, das Rentenniveau bei 48% zu halten. Deutlich geringer ist die Zustimmung zur Finanzierung: Nur 41% sind bereit, dafür höhere Rentenbeiträge zu zahlen. Unter jüngeren Befragten (18–34 Jahre) sinkt die Zustimmung auf 28%.

Das Generationenkapital wird gespalten bewertet: 49% finden die Idee gut, 38% sind skeptisch wegen der Abhängigkeit von Börsenkursen. Nur 13% sehen darin eine ausreichende Lösung für das Rentenproblem.

Diese Umfragedaten erklären den Koalitionsdruck: Die SPD wollte das 48%-Niveau als Signal an ihre Kern-Wählerschaft — mit dem Wissen, dass die Mehrheit der Deutschen Rentensicherheit höher gewichtet als Beitragshöhe. Die aktuellen Sonntagsfragen zeigen, dass Rentenpolitik nach Wirtschaft und Migration das drittmeistgenannte Wahlthema ist.

Rentenpaket und Bundestagswahl 2029

Das Rentenpaket II wird die politische Debatte bis zur Bundestagswahl 2029 begleiten. Bis dahin wird sichtbar, ob der steigende Beitragssatz die Wettbewerbsfähigkeit der Koalition belastet oder ob das Generationenkapital — vier Jahre nach Gründung — erste positive Renditesignale sendet.

Für die SPD ist das Rentenniveau-Versprechen ein zentrales Mobilisierungsargument. Für die CDU/CSU ist das Generationenkapital das marktwirtschaftliche Alleinstellungsmerkmal. Beide müssen 2029 erklären, warum die Koalition das strukturelle Defizit nicht gelöst hat — oder warum das nicht nötig war. Die Opposition, insbesondere die Grünen mit 15 Prozent in aktuellen Umfragen, wird das Thema besetzen.

Video: Bundestag stimmt für das Rentenpaket, 5. Dezember 2025 (tagesschau)

Häufige Fragen

Was ist das Rentenpaket II?

Das Rentenpaket II ist ein Gesetz der CDU/CSU-SPD-Koalition von 2025, das das Rentenniveau dauerhaft bei mindestens 48% des Durchschnittslohns sichert und ein staatliches Generationenkapital von 200 Milliarden Euro einführt, das an der Börse angelegt wird.

Was ändert sich bei der Rente?

Das Rentenniveau bleibt bis 2039 bei mindestens 48%. Das Generationenkapital soll ab den 2030er-Jahren Erträge ausschütten, die den Beitragsanstieg dämpfen. Der Rentenbeitragssatz steigt perspektivisch von 18,6% (2025) auf rund 22% bis 2030.

Was bedeutet Kanzlermehrheit beim Rentenpaket?

Das Rentenpaket II wurde mit einer Kanzlermehrheit beschlossen — der absoluten Mehrheit aller 630 Bundestagsmitglieder (mindestens 316 Stimmen). Für ein normales Gesetz ist das nicht nötig, signalisiert aber die Geschlossenheit von CDU/CSU und SPD. Mehr dazu: Kanzlermehrheit erklärt.

Wann kommt das Generationenkapital?

Das Generationenkapital baut sich schrittweise auf. Der Fonds startet 2025 mit 12 Milliarden Euro. Erste Erträge für die Rentenversicherung werden frühestens ab Mitte der 2030er-Jahre erwartet — wenn das Kapital ausreichend angewachsen ist.

Mehr dazu: Aktuelle Wahlumfragen · Alle Analysen · Parteien im Überblick
LB
Laura Bremer Politikwissenschaftlerin · Wahlforschung & Parteiensysteme

Laura Bremer ist Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Parteiensystemforschung, Wählerverhalten und deutschen Koalitionsdynamiken. Sie analysiert politische Entwicklungen im Kontext aktueller Umfragedaten und historischer Wahlmuster.

Weiterführende Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung · Deutscher Bundestag

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