Wahlbeben in Berlin: Linke crasht zum Rekordsieg
Stand 20:32 Uhr: Zweite, genauere Hochrechnung (ARD/ZDF). Die Zahlen werden weiter aktualisiert, sobald das vorläufige amtliche Endergebnis vorliegt (erwartet gegen 1:30 Uhr).
Die Linke gewinnt die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus deutlich. Nach der zweiten, genaueren Hochrechnung liegt die Partei bei 25,8 % — der stärkste Wert seit Jahrzehnten für Die Linke in einer Landtagswahl. Die CDU unter Spitzenkandidat Stefan Evers folgt mit 20,0 %, die Grünen mit 15,4 %, die AfD bleibt mit 13,8 % deutlich unter den Erwartungen der letzten Vorwahlumfragen. Die SPD kommt auf 12,0 %, das BSW auf 5,0 %.
Unser YouTube Short zur ersten Hochrechnung.
WELT Nachrichtensender zur Berlin-Hochrechnung.
Der Vergleich zu 2023: Wer gewinnt, wer verliert wirklich
Um die Größe des Linke-Erfolgs einzuordnen, lohnt der direkte Vergleich zur letzten Berlin-Wahl — der Wiederholungswahl vom Februar 2023, bei der die CDU unter Kai Wegner mit 28,2 % ihr bestes Ergebnis seit 1999 geholt und anschließend eine Koalition mit der SPD gebildet hatte.
| Partei | 2023 | 2026 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Die Linke | 12,2 % | 25,8 % | +13,6 |
| CDU | 28,2 % | 20,0 % | −8,2 |
| Grüne | 18,4 % | 15,4 % | −3,0 |
| AfD | 9,1 % | 13,8 % | +4,7 |
| SPD | 18,4 % | 12,0 % | −6,4 |
Der Vergleich zeigt: Die AfD legt gegenüber 2023 tatsächlich zu, um 4,7 Punkte. Gemessen an den eigenen Vorwahlumfragen von 17 bis 18 % ist das dennoch ein klares Verfehlen der Erwartungen. Die eigentliche Geschichte des Abends ist der Doppel-Verlust von CDU und SPD — zusammen über 14 Punkte —, während Die Linke praktisch im Alleingang mehr als verdoppelt.
Warum Die Linke so deutlich gewinnt
Die Linke profitiert sichtbar von ihrem klar fokussierten Wahlkampf-Schwerpunkt Wohnungspolitik: der Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne wie Vonovia, also der tatsächlichen Umsetzung des Volksentscheids "Deutsche Wohnen & Co enteignen" von 2021 — mehr dazu in unserer Analyse zum Vonovia-Vergesellschaftungsplan. An der Spitze dieses Erfolgs steht Spitzenkandidatin Elif Eralp, die zugleich als Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin antrat — wer sie ist und wie sie dorthin kam, lesen Sie in unserem Porträt. Angesichts anhaltend hoher Mieten und einer seit Jahren ungelösten Wohnungsfrage in der Hauptstadt konnte die Partei damit offenbar deutlich über ihre traditionelle Wählerschaft hinaus mobilisieren.
Was das für die Koalitionsbildung bedeutet
Rechnerisch möglich wäre ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD. Auch eine Fortsetzung der bisherigen CDU-SPD-Koalition unter Einbeziehung der Grünen käme auf eine Mehrheit — die bisherige reine CDU-SPD-Koalition unter Kai Wegner allein würde dagegen nicht mehr reichen. Sollte es zu einer Koalition unter Führung der Linken kommen, wäre das ein historischer Bruch: Die Partei stünde damit erstmals seit der Wiedervereinigung an der Spitze einer Berliner Landesregierung. Genaueres erst mit der finalen Sitzverteilung.


