Wahlbeben in Berlin: Linke crasht zum Rekordsieg
Historischer Erfolg für Die Linke: Aktuelle Hochrechnung (22:13 Uhr) sieht die Partei klar vorne in Berlin mit 25,5 %, deutlich vor CDU (18,9 %) und AfD (16,1 %). Hintergrund, Vergleich zu 2023 und alle Zahlen, laufend aktualisiert.
Die Linke gewinnt die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus deutlich. Nach der Hochrechnung von 22:13 Uhr liegt die Partei bei 25,5 % — der stärkste Wert seit Jahrzehnten für Die Linke in einer Landtagswahl. Die CDU unter Spitzenkandidat Stefan Evers folgt mit 18,9 %, die AfD mit 16,1 % (weiter unter den Erwartungen der letzten Vorwahlumfragen), die Grünen mit 14,3 %. Die SPD kommt auf 12,1 %, das BSW auf 4,7 %.
Unser YouTube Short zur ersten Hochrechnung.
WELT Nachrichtensender zur Berlin-Hochrechnung.
Der Vergleich zu 2023: Wer gewinnt, wer verliert wirklich
Um die Größe des Linke-Erfolgs einzuordnen, lohnt der direkte Vergleich zur letzten Berlin-Wahl — der Wiederholungswahl vom Februar 2023, bei der die CDU unter Kai Wegner mit 28,2 % ihr bestes Ergebnis seit 1999 geholt und anschließend eine Koalition mit der SPD gebildet hatte.
| Partei | 2023 | 2026 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Die Linke | 12,2 % | 25,5 % | +13,3 |
| CDU | 28,2 % | 18,9 % | −9,3 |
| Grüne | 18,4 % | 14,3 % | −4,1 |
| AfD | 9,1 % | 16,1 % | +7,0 |
| SPD | 18,4 % | 12,1 % | −6,3 |
Der Vergleich zeigt: Die AfD legt gegenüber 2023 deutlich zu, um 7,0 Punkte. Gemessen an den eigenen Vorwahlumfragen von 17 bis 18 % bleibt sie damit dennoch unter den Erwartungen. Die eigentliche Geschichte des Abends ist der Doppel-Verlust von CDU und SPD — zusammen über 14 Punkte —, während Die Linke praktisch im Alleingang mehr als verdoppelt.
Warum Die Linke so deutlich gewinnt
Die Linke profitiert sichtbar von ihrem klar fokussierten Wahlkampf-Schwerpunkt Wohnungspolitik: der Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne wie Vonovia, also der tatsächlichen Umsetzung des Volksentscheids "Deutsche Wohnen & Co enteignen" von 2021 — mehr dazu in unserer Analyse zum Vonovia-Vergesellschaftungsplan. An der Spitze dieses Erfolgs steht Spitzenkandidatin Elif Eralp, die zugleich als Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin antrat — wer sie ist und wie sie dorthin kam, lesen Sie in unserem Porträt. Angesichts anhaltend hoher Mieten und einer seit Jahren ungelösten Wohnungsfrage in der Hauptstadt konnte die Partei damit offenbar deutlich über ihre traditionelle Wählerschaft hinaus mobilisieren.
Was das für die Koalitionsbildung bedeutet
Rechnerisch möglich wäre ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD. Auch eine Fortsetzung der bisherigen CDU-SPD-Koalition unter Einbeziehung der Grünen käme auf eine Mehrheit — die bisherige reine CDU-SPD-Koalition unter Kai Wegner allein würde dagegen nicht mehr reichen. Sollte es zu einer Koalition unter Führung der Linken kommen, wäre das ein historischer Bruch: Die Partei stünde damit erstmals seit der Wiedervereinigung an der Spitze einer Berliner Landesregierung. Genaueres erst mit der finalen Sitzverteilung.
Zentralrat der Juden: "Zutiefst beunruhigt" über den Wahlsieg
Noch in der Wahlnacht meldete sich Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit scharfer Kritik zu Wort: "Dass eine Partei, auf deren Wahlkampfbühne offen der Tod von Menschen gefordert wurde, als Siegerin aus der Wahl hervorgeht, beunruhigt mich zutiefst." Schuster bezieht sich damit auf wiederholte antisemitische Vorfälle im Berliner Linke-Wahlkampf, bei denen laut seiner Darstellung auf Wahlkampfbühnen zum Tod israelischer Soldaten und zur Intifada aufgerufen wurde, während Teile des Publikums dazu tanzten (Handelsblatt).
"In der Bekämpfung des Judenhasses, den diese Partei in ihren Reihen duldet und frei gewähren lässt, besitzt die Linke keinerlei Glaubwürdigkeit mehr", so Schuster weiter. Er appellierte direkt an SPD und Grüne, der Linken nicht in einer Koalition ins Rote Rathaus zu verhelfen. Damit rückt eine mögliche Regierungsbeteiligung der Linken — rechnerisch die naheliegendste Mehrheitsoption des Abends — schon vor Koalitionsgesprächen unter erheblichen öffentlichen Druck. Die Berliner Linke selbst weist den Vorwurf der Judenfeindlichkeit zurück; wie unterschiedlich die Antisemitismus-Debatte um die Partei geführt wird, zeigt sich auch am selben Wahlabend bei der Reaktion auf den Clan-Chef-Auftritt auf der Linken-Wahlparty — mehr dazu in unserer separaten Analyse.
Häufige Fragen
Nach der Hochrechnung von 22:13 Uhr 25,5 Prozent — der stärkste Wert der Partei in einer Berlin-Wahl seit Jahrzehnten.
18,9 Prozent, ein Verlust von 9,3 Punkten gegenüber 2023 (28,2 Prozent).
Beides: Gegenüber 2023 ein Plus von 7,0 Punkten auf 16,1 Prozent, aber ein Verfehlen der eigenen Vorwahlumfragen von 17 bis 18 Prozent.
Präsident Josef Schuster zeigte sich "zutiefst beunruhigt" und appellierte an SPD und Grüne, der Linken nicht ins Rote Rathaus zu verhelfen.
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