Zitter-Krimi im Nordosten: AfD hauchdünn vor Schwesig
Stand 20:35 Uhr: Zweite, genauere Hochrechnung (WELT/infratest dimap). Zahlen werden weiter aktualisiert, sobald das vorläufige amtliche Endergebnis vorliegt.
Ein echter Zittersieg: Die AfD liegt in der zweiten, genaueren Hochrechnung mit 37,8 % knapp vor der SPD unter Manuela Schwesig mit 36,3 %. Angeführt wird die AfD von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm. Damit hat die AfD ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt, während die CDU auf desaströse 5,1 % abstürzt. Die Linke kommt auf 6,2 %, die Grünen auf 5,5 %, die FDP fliegt mit 1,0 % klar aus dem Parlament — und auch das BSW droht mit 4,8 % hauchdünn der Einzug in den Landtag zu verpassen.
* BSW liegt in dieser Hochrechnung hauchdünn unter der Fünf-Prozent-Hürde — der Einzug ist offen, bis das amtliche Ergebnis vorliegt.
Unser YouTube Short zur ersten Hochrechnung.
WELT Nachrichtensender zur MV-Prognose.
Der Vergleich zu 2021: Ein historischer Umbruch
2021 hatte die SPD unter Manuela Schwesig mit 39,6 % einen deutlichen Sieg eingefahren, die AfD lag damals bei 16,7 %, die CDU noch bei 13,3 %. Fünf Jahre später hat sich das Bild fundamental gedreht:
| Partei | 2021 | 2026 | Differenz |
|---|---|---|---|
| AfD | 16,7 % | 37,8 % | +21,1 |
| SPD | 39,6 % | 36,3 % | −3,3 |
| CDU | 13,3 % | 5,1 % | −8,2 |
| Linke | 9,9 % | 6,2 % | −3,7 |
| Grüne | 6,3 % | 5,5 % | −0,8 |
Bemerkenswert: Anders als in Berlin, wo die AfD trotz eines Zugewinns unter ihren eigenen Vorwahlumfragen blieb, übertrifft die AfD in Mecklenburg-Vorpommern selbst die zuletzt für sie eher schlechten Umfragewerte. Noch wenige Tage vor der Wahl hatte eine Umfrage die SPD erstmals seit Langem knapp vor der AfD gesehen. Die reale Hochrechnung zeigt: Dieser Vorsprung ist wieder gekippt — mehr dazu und zur Vorgeschichte in unserer Analyse von vor der Wahl.
Warum die AfD hier so viel stärker ist als in Berlin
Der Kontrast zum selben Wahlabend in der Hauptstadt ist auffällig: Eine und dieselbe Partei erzielt in Mecklenburg-Vorpommern ihr bislang stärkstes Ergebnis in einem deutschen Bundesland, während sie in Berlin unter den eigenen Erwartungen bleibt. Mecklenburg-Vorpommern ist strukturell anders aufgestellt als die Hauptstadt: ländlicher geprägt, wirtschaftlich schwächer, mit einer seit Jahren rückläufigen Industrie- und Werftbranche und einer der niedrigsten Kaufkraftraten unter den deutschen Flächenländern. Genau in solchen Regionen ist die AfD historisch am stärksten verankert. Angeführt wird der Landeserfolg von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm — wer er ist und wie er dorthin kam, lesen Sie in unserem Porträt. Die übergreifende Einordnung aller drei September-Wahlen liefert unsere Analyse "Wahlbeben 2026".
Was das bedeutet: Schwesig bleibt Ministerpräsidentin
Trotz des insgesamt stärksten AfD-Ergebnisses in einer westdeutschen oder ostdeutschen Landtagswahl bislang bleibt Manuela Schwesig auch nach diesem knappen Rennen die klar populärste Einzelpolitikerin des Landes — und sichert sich aller Voraussicht nach die erneute Wiederwahl zur Ministerpräsidentin. Zwar liegt die AfD bei den Stimmen vorn, doch rechnerisch reicht es für die SPD mit der Linken und den Grünen für eine Mehrheit ohne die AfD. Ein Regierungsauftrag an die stärkste Fraktion ist in Deutschland keine verfassungsrechtliche Pflicht — welche Koalition tatsächlich zustande kommt, entscheidet die Mehrheit im Landtag, nicht allein der erste Platz beim Stimmenanteil. Mehr dazu in unserem separaten Artikel "Schwesig bleibt Ministerpräsidentin". Auffällig zudem: Die CDU liegt in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen sogar hinter der Linken — für die einstige Volkspartei ein historischer Tiefpunkt in diesem Bundesland.

