Landtagswahlen 2023 — Alle Ergebnisse im Überblick
Key-Facts: Landtagswahlen 2023
- Berlin (Wiederholungswahl): 12. Februar — CDU 28,2%
- Bremen: 14. Mai — SPD 29,8%
- Bayern: 8. Oktober — CSU 37,0%
- Hessen: 8. Oktober — CDU 34,6%
- Trend: CDU/CSU überall stark, Ampel-Parteien unter Druck
- AfD: Zuwächse in allen vier Ländern
2023 war das Jahr, in dem die Ampel-Müdigkeit Wahlergebnisse wurde. Was sich in den Umfragen längst abgezeichnet hatte, bestätigten vier Landtagswahlen mit brutaler Klarheit: Die Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP wurden in fast jedem Land abgestraft, während die Union überall zulegte. In Bayern bewies die CSU unter Söder, dass sie trotz Aiwanger-Affäre unangreifbar war. In Hessen eroberte die CDU unter Boris Rhein die Staatskanzlei zurück. Und in Berlin zeigte die Wiederholungswahl, dass die Hauptstadt nach dem Chaos der Pandemie-Wahl 2021 einen Neuanfang suchte.
Besonders auffällig war die Dynamik in Bayern: Die Freien Wähler unter Hubert Aiwanger steigerten sich trotz der Flugblatt-Affäre von 11,6% auf 15,8%. Was als politisches Ende hätte enden können, wurde zur Trotzreaktion einer Wählerschaft, die sich von medialer Empörung nicht vorschreiben lassen wollte, wen sie wählt. In Hessen verloren die Grünen über fünf Prozentpunkte — ein Signal, das die Ampel hätte alarmieren müssen.
Und dann die Berliner Wiederholungswahl: Dass eine Wahl in der Hauptstadt wegen organisatorischer Pannen komplett wiederholt werden musste, war in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos. Das Ergebnis — ein Machtwechsel zu Schwarz-Rot — zeigte, dass Wähler nicht nur über Politik, sondern auch über die Funktionsfähigkeit des Staates abstimmen.
Das Jahr 2023 brachte vier Landtagswahlen (inklusive der Berlin-Wiederholungswahl), die allesamt als Stimmungstest für die Ampel-Regierung im Bund dienten. Das Ergebnis war eindeutig: Die unionsregierten Länder bestätigten ihre Regierungen, während die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP fast überall Verluste hinnehmen mussten. Die AfD legte in allen vier Ländern zu.
Berlin — Wiederholungswahl (12. Februar 2023)
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl vom September 2021 war wegen massiver organisatorischer Pannen (fehlende Stimmzettel, stundenlange Wartezeiten, verwechselte Wahlzettel) vom Berliner Verfassungsgerichtshof für ungültig erklärt worden. Die Wiederholungswahl brachte einen Machtwechsel:
| Partei | 2023 | 2021 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CDU | 28,2% | 18,1% | +10,1% |
| SPD | 18,4% | 21,4% | −3,0% |
| Grüne | 18,4% | 18,9% | −0,5% |
| Linke | 12,2% | 14,0% | −1,8% |
| AfD | 9,1% | 8,0% | +1,1% |
| FDP | 4,6% | 7,2% | −2,6% |
Die CDU unter Kai Wegner wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Trotzdem bildete sich eine schwarz-rote Koalition mit der SPD erst nach zähen Verhandlungen. Die bisherige rot-grün-rote Koalition unter Franziska Giffey (SPD) verlor ihre Mehrheit.
Bremen — 14. Mai 2023
Bremen blieb eine SPD-Hochburg — trotz eines schwierigen Umfelds für die Sozialdemokraten. Die SPD verteidigte mit 29,8% ihren ersten Platz, verlor aber gegenüber 2019 leicht.
| Partei | 2023 | 2019 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| SPD | 29,8% | 24,9% | +4,9% |
| CDU | 26,0% | 26,7% | −0,7% |
| Grüne | 11,7% | 17,4% | −5,7% |
| Linke | 10,9% | 11,3% | −0,4% |
| AfD | 5,6% | 6,1% | −0,5% |
| FDP | 5,1% | 5,9% | −0,8% |
| BIW | 5,4% | 2,4% | +3,0% |
Die rot-grün-rote Koalition unter Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) wurde fortgesetzt. Bremen war damit eines der wenigen Länder, in denen die Ampel-Parteien nicht massiv verloren.
Bayern — 8. Oktober 2023
Die Bayernwahl wurde durch die Aiwanger-Flugblatt-Affäre überschattet, die sich als politischer Wendepunkt des Jahres 2023 entpuppte.
Die Aiwanger-Flugblatt-Affäre — Chronologie
Am 25. August 2023 — sechs Wochen vor der Wahl — veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein antisemitisches Flugblatt, das in den 1980er Jahren an Hubert Aiwangers Schule kursiert war und in seiner Schultasche gefunden worden war. Aiwangers Bruder Helmut übernahm die Urheberschaft. Der stellvertretende Ministerpräsident wies eine persönliche Beteiligung zurück, räumte aber ein, Kopien besessen zu haben. Ministerpräsident Söder forderte 25 Fragen zur Aufklärung — und entschied sich letztlich gegen eine Entlassung.
Entgegen vieler Erwartungen schadete die Affäre den Freien Wählern nicht — im Gegenteil. Viele Wähler sahen Aiwanger als Opfer einer medialen Kampagne und solidarisierten sich. Die Freien Wähler stiegen in den Umfragen von 12% auf über 16%. Politikwissenschaftler sprachen von einem „Opfer-Effekt“, der in populistischen Milieus besonders stark wirkt (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung).
| Partei | 2023 | 2018 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CSU | 37,0% | 37,2% | −0,2% |
| Freie Wähler | 15,8% | 11,6% | +4,2% |
| AfD | 14,6% | 10,2% | +4,4% |
| Grüne | 14,4% | 17,6% | −3,2% |
| SPD | 8,4% | 9,7% | −1,3% |
| FDP | 3,0% | 5,1% | −2,1% |
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) setzte die Koalition mit den Freien Wählern fort. Die SPD erreichte in Bayern mit 8,4% ihr historisch schlechtestes Ergebnis. Die FDP verfehlte die Fünf-Prozent-Hürde deutlich.
Hessen — 8. Oktober 2023
In Hessen gelang der CDU unter Ministerpräsident Boris Rhein ein deutlicher Sieg. Die Grünen, die als Koalitionspartner mitregierten, verloren massiv — vor allem wegen des Heizungsgesetzes und der unpopulären Ampel-Politik auf Bundesebene.
| Partei | 2023 | 2018 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CDU | 34,6% | 27,0% | +7,6% |
| AfD | 18,4% | 13,1% | +5,3% |
| SPD | 15,1% | 19,8% | −4,7% |
| Grüne | 14,8% | 19,8% | −5,0% |
| FDP | 4,8% | 7,5% | −2,7% |
| Linke | 3,1% | 6,3% | −3,2% |
Rhein wechselte den Koalitionspartner: Statt der Grünen nahm er die SPD in die Regierung. Es entstand eine schwarz-rote Koalition. Die AfD erreichte in Hessen mit 18,4% ein Rekordergebnis.
Trends des Jahres 2023
Aus den vier Landtagswahlen 2023 lassen sich klare Muster ableiten:
- CDU/CSU auf dem Vormarsch: Die Union gewann in Berlin massiv und stabilisierte sich in Bayern und Hessen. Das Ampel-Chaos im Bund trieb die Wähler zur Union.
- AfD im Aufwind: In drei von vier Ländern legte die AfD deutlich zu. In Hessen erreichte sie fast ein Fünftel der Stimmen.
- Grüne im Sinkflug: Das Heizungsgesetz und die Debatten um Migration schadeten der Partei überall.
- FDP am Abgrund: Die Liberalen verfehlten in Bayern die 5%-Hürde und lagen auch in Hessen nur knapp darüber.
- Ampel-Müdigkeit: Alle drei Ampel-Parteien zusammen kamen in Bayern auf gerade einmal 25,8%.
Die Ergebnisse deuteten bereits auf die Landtagswahlen 2024 und die Bundestagswahl 2025 hin, bei denen sich die Trends weiter verstärkten.
Das Heizungsgesetz als politischer Brandbeschleuniger
Ein roter Faden durch alle Landtagswahlen 2023 war das Gebäudeenergiegesetz (umgangssprachlich „Heizungsgesetz“), das Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im März 2023 vorgelegt hatte. Der Entwurf sah ein faktisches Verbot neuer Öl- und Gasheizungen ab 2024 vor und löste massive Proteste aus. Obwohl das Gesetz bis zur Verabschiedung im September 2023 deutlich entschärft wurde, blieb der politische Schaden enorm:
- Grüne: Verloren in Bayern 3,2 Prozentpunkte, in Hessen 5,0 — das Heizungsgesetz galt als Hauptursache.
- FDP: Scheiterte in Bayern an der 5%-Hürde, obwohl sie das Gesetz in der Koalition abgemildert hatte — die Wähler bestraften die gesamte Ampel.
- AfD: Instrumentalisierte das Thema geschickt als Symbol für „Bevormundung“ und „Verbotspolitik“ und profitierte in allen Ländern.
Das Heizungsgesetz wurde rückblickend zum Symbol für die Kommunikationsprobleme der Ampel-Koalition: Ein inhaltlich notwendiges Klimaschutzprojekt, das durch handwerkliche Fehler, frühzeitige Leaks und mangelnde Erklärung zum politischen Desaster wurde (Quelle: Bundeswahlleiter).
Die Wahlbeteiligung 2023: Mobilisierung durch Polarisierung
Ein bemerkenswerter Aspekt der Landtagswahlen 2023 war die gestiegene Wahlbeteiligung. In Bayern lag sie bei 73,3 % (2018: 72,4 %), in Hessen bei 66,0 % (2018: 67,5 %). In Bremen stieg sie von 64,1 % (2019) auf 65,2 %. Die Berliner Wiederholungswahl erreichte 63,0 % — weniger als die ursprüngliche Wahl 2021 (75,2 %), was angesichts der Sondersituation (Wiederholung, Wintertermin) nicht überraschte. Die gestiegene Beteiligung in Bayern und Bremen deutet darauf hin, dass die politische Polarisierung — insbesondere der AfD-Aufstieg und die Ampel-Unzufriedenheit — mobilisierend wirkte. Ehemalige Nichtwähler kehrten an die Urnen zurück, viele davon zugunsten der AfD oder der Freien Wähler.
Im Rückblick waren die Landtagswahlen 2023 der Beginn einer neuen Phase der deutschen Parteienlandschaft. Die Zweiteilung in ein unionsnahes und ein Ampel-kritisches Lager verfestigte sich. Die CDU konsolidierte sich als führende Kraft in der Opposition, während die Grünen und die FDP einen Abwärtstrend begannen, der sich 2024 bei den ostdeutschen Landtagswahlen und der Europawahl fortsetzte. Die Ergebnisse von 2023 markierten den Wendepunkt, an dem die Ampel-Koalition ihre bundespolitische Legitimation in den Augen vieler Wähler verlor — ein Prozess, der im November 2024 zum Koalitionsbruch und zur vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 führte.
8. Oktober 2023, Bayern: Das Flugblatt, der Skandal — und das Ergebnis, das alle schockierte
Zwei Wochen vor der Bayern-Wahl wurde bekannt, dass Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) als 17-Jähriger im Besitz eines antisemitischen Flugblatts gewesen war. Ministerpräsident Söder erwog öffentlich, ihn zu entlassen. Die Umfragen zeigten die Freien Wähler bei 11%. Dann passierte das Gegenteil von dem, was politische Analysten erwarteten: Aiwanger hielt eine trotzige Pressekonferenz ab. Die Umfragen der Freien Wähler stiegen auf 14%, dann 16%. Am Wahlabend: 15,8% — ihr bestes Ergebnis aller Zeiten. Gleichzeitig kollabierte die SPD auf 8,4%, das schlechteste Ergebnis einer SPD in einem Flächenland seit 1945. Das Wahltagsmuster wurde als "Mitleidseffekt" analysiert — oder als Signal, dass Teile der bayerischen Wählerschaft den Skandal nicht als solchen sahen. Die Meinungsforscher hatten ein völlig falsches Modell.
2021: Öst-West-Wahlverhalten – 35 Jahre nach der Einheit noch immer verschieden
Bei der Bundestagswahl 2021: Im Westen gewann CDU/CSU mit 28 Prozent (vs. 23 im Osten). SPD 26 Prozent (West) vs. 24 Prozent (Ost). AfD 9 Prozent (West) vs. 18 Prozent (Ost). Die Linke 3 Prozent (West) vs. 11 Prozent (Ost). 30 Jahre nach der Einheit: Das Wahlverhalten unterscheidet sich signifikant. Erklärungen: Andere Wirtschaftsstruktur (Industrieabbau Ost, Fachkräftemangel), andere Sozialisation (DDR-Erfahrung prägt), andere demografische Zusammensetzung (älter, homogener). Die Konvergenz des Wahlverhaltens kommt langsam – vielleicht dauert es noch eine Generation.
Häufige Fragen
Welche Landtagswahlen fanden 2023 statt?
2023 fanden vier Landtagswahlen statt: Die Berlin-Wiederholungswahl (12. Februar), Bremen (14. Mai), Bayern und Hessen (beide 8. Oktober).
Wer gewann die Bayernwahl 2023?
Die CSU unter Markus Söder gewann mit 37,0%. Die Freien Wähler erreichten 15,8% trotz der Aiwanger-Flugblatt-Affäre. Beide setzten die Koalition fort.
Was passierte bei der Berlin-Wiederholungswahl 2023?
Die Wahl vom September 2021 wurde wegen massiver Pannen für ungültig erklärt. Die CDU gewann die Wiederholung mit 28,2% und bildete mit der SPD eine Koalition.
Wie schnitten die Grünen 2023 bei Landtagswahlen ab?
Die Grünen verloren 2023 bei fast allen Landtagswahlen deutlich. In Bayern fielen sie von 17,6% auf 14,4%, in Hessen von 19,8% auf 14,8%.
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