Politikfelder

Wohnen & Mieten: Wer löst die Krise — und auf wessen Kosten?

Berlin, München, Hamburg: In den Großstädten zahlen Mieter heute das Doppelte von vor zehn Jahren. Über 40% der Deutschen wohnen zur Miete — sie wählen. Mietpreisbremse, Neubau, Enteignung: Die Parteien haben grundverschiedene Antworten.

Bundestag — Wohnungspolitik der Parteien

Die Positionen im Überblick

CDU / CSU

Bauen, bauen, bauen — das Angebot erhöhen statt Preise zu regulieren. Grunderwerbsteuer für Erstkäufer senken oder abschaffen. Baugenehmigungen beschleunigen, Normen vereinfachen. Mietpreisbremse auslaufen lassen, weil sie Investoren abschreckt und Neubau bremst. Eigentumsförderung statt Mietsubventionen.

SPD

400.000 neue Wohnungen pro Jahr, davon 100.000 Sozialwohnungen staatlich gefördert. Mietpreisbremse verlängern und schärfen — Kappungsgrenze auf 15% statt 20%. Gemeinnützigen Wohnungsbau wiederbeleben. Wohngeld ausbauen. SPD ist die Partei der Mieter: Mieterschutz zuerst, Investoreninteressen zweites.

Grüne

Gemeinnütziger Wohnungsbau als dritten Weg neben privat und staatlich. Mietpreisbremse dauerhaft. Vorkaufsrecht für Kommunen wiederherstellen. Leerstandssteuer für spekulativen Leerstand. Grüne setzen auf Stadtentwicklung durch nachhaltige Stadtplanung — Dachausbau, Nachverdichtung statt Flächenverbrauch am Stadtrand.

AfD

Weniger Migration gleich weniger Wohnungsnot — das ist die AfD-Kernthese. Keine Mietpreisbremse, keine Regulierung. Privatinvestitionen durch Steuersenkungen anregen. Sozialwohnungen für Deutsche priorisieren. Die AfD sieht die Wohnungskrise primär als Migrationsfolge, nicht als Marktversagen — eine Diagnose, die Ökonomen mehrheitlich ablehnen.

Linke

Enteignung großer Wohnungskonzerne (Vonovia, Deutsche Wohnen, Akelius) mit Entschädigung unter Marktwert. Bundesweiter Mietendeckel. 250.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr staatlich gebaut. Spekulation mit Leerstand verbieten. Keine Zweckentfremdung als Ferienwohnung. Die Linke will den radikalsten Eingriff in den Wohnungsmarkt — und das ist politisch gewollt.

BSW

Sozialer Wohnungsbau als staatliche Aufgabe — nicht dem Markt überlassen. Spekulation mit Wohnraum durch Steueranreize begrenzen. Mietpreisbremse verlängern. BSW lehnt Enteignungen ab, will aber die Renditemöglichkeiten für spekulative Investoren einschränken. Miete soll wieder "sozial" sein — nicht als Kapitalanlage dienen.

Kernunterschied auf einen Blick

CDU und AfD setzen auf den Markt — mehr Neubau durch weniger Regulierung. SPD, Grüne und BSW wollen regulieren und sozial bauen. Die Linke geht am weitesten: Enteignung, Mietendeckel, staatlicher Massenwohnungsbau. Für Mieter ist die Positionswahl hier besonders direkt: Es geht buchstäblich um die monatliche Mietzahlung.

Häufige Fragen

Will die Linke wirklich Wohnungen enteignen?
Ja. Die Linke will große Wohnungskonzerne (Vonovia, Deutsche Wohnen etc.) mit mehr als 3.000 Wohnungen vergesellschaften — per Enteignung mit Entschädigung unter Marktwert. Das Berliner Volksbegehren "Deutsche Wohnen & Co enteignen" hat gezeigt: Die Mehrheit der Berliner ist dafür. Das Bundesverfassungsgericht hat Enteignungen nicht ausgeschlossen, aber die Umsetzung bleibt rechtlich komplex.
Was ist die Mietpreisbremse und wer will sie verlängern?
Die Mietpreisbremse begrenzt Mieterhöhungen bei Neuvermietung auf 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete. SPD, Grüne und Linke wollen sie dauerhaft verlängern und verschärfen. CDU und AfD wollen sie auslaufen lassen — sie sehen sie als Investitionshemmnis. Die Groko-Regierung unter Merz hat die Verlängerung bereits abgelehnt.
Wer will am meisten Wohnungen bauen?
CDU setzt auf private Investitionen durch weniger Bürokratie und Steuererleichterungen. SPD will 400.000 neue Wohnungen pro Jahr, davon 100.000 Sozialwohnungen mit staatlicher Förderung. Die Linke will 250.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr direkt staatlich bauen. Zur Einordnung: Gebaut wurden zuletzt unter 300.000 Wohnungen — alle Parteiziele sind ambitioniert.
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