Politikfelder

Ukraine & Außenpolitik: Waffen oder Verhandeln — die tiefste Spaltung seit Jahrzehnten

Der Krieg in der Ukraine hat die deutschen Parteien so tief gespalten wie kein anderes Thema seit dem NATO-Doppelbeschluss. Auf der einen Seite: Waffenlieferungen, Aufrüstung, NATO-Solidarität. Auf der anderen: Waffenstillstand, Diplomatie, kein Taurus. Die Positionen könnten nicht gegensätzlicher sein.

Merz in Kiew — Ukraine-Außenpolitik der deutschen Parteien

Die Positionen im Überblick

CDU / CSU

Volle Unterstützung der Ukraine — militärisch, finanziell, politisch. Merz war der erste Regierungschef, der Taurus-Lieferungen befürwortete (unter Scholz blockiert). 3% des BIP für Verteidigung als Ziel, finanziert durch das 500-Milliarden-Sonderpaket. NATO-Solidarität ohne Wenn und Aber. "Putin versteht nur Stärke" — das ist die CDU-Kernthese.

SPD

Waffenlieferungen ja, aber mit Augenmaß — kein Taurus, keine direkte Eskalation. Scholz' "Zeitenwende"-Rede war historisch, seine Zögerlichkeit danach auch. Die SPD will Diplomatie parallel zu Waffenlieferungen. 2% NATO-Ziel unterstützt. Kein NATO-Beitritt der Ukraine im aktuellen Krieg. Die SPD steht unter dauerhafter innerparteilicher Spannung zwischen Ostsehnsucht und Westbindung.

Grüne

Härteste Unterstützung unter den Parteien, die regieren: Taurus liefern, Russland hart sanktionieren, Ukraine-Mitgliedschaft in EU und langfristig NATO. Baerbock hat den Waffenlieferungskurs gegen Widerstände durchgehalten. Grüne sehen den Krieg als Angriff auf die europäische Werteordnung — keine Kompromisse mit einem Aggressor auf Kosten des Opfers.

AfD

Sofortige Einstellung aller Waffenlieferungen. Direkte Verhandlungen mit Putin. Gas aus Russland wieder kaufen. NATO-Ausgaben runter, keine Auslandseinsätze. Die AfD sieht Russland als natürlichen Partner — kulturell, wirtschaftlich, geopolitisch. Sie ist die einzige Partei, die offen russische Positionen übernimmt. Das kostet ihr EU-Parlamentsmandate (sie wurde aus der Rechtsaußen-Fraktion ausgeschlossen).

Linke

Keine Waffenlieferungen — das ist Parteilinie seit Kriegsbeginn. Sofortiger Waffenstillstand und Verhandlungen. NATO-Ausgaben nicht erhöhen, sondern senken. Antimilitarismus als Grundsatz. Die Linke verurteilt Russlands Angriff, zieht aber andere Schlüsse: Mehr Waffen verlängern den Krieg, Diplomatie beendet ihn. Eine Haltung, die sie viele Wähler in Westdeutschland kostet.

BSW

Sofortiger Waffenstillstand, direkte Verhandlungen — aber ohne Russland zu idealisieren. Wagenknecht argumentiert pragmatisch: Sanktionen treffen Deutschland härter als Russland, Aufrüstung kostet Milliarden die anderswo fehlen. BSW lehnt NATO-Expansionspolitik als Mitursache ab. Das Rezept: Konferenz, Kompromiss, keine Eskalation — auch wenn die Ukraine Gebiet verliert.

Kernunterschied auf einen Blick

CDU und Grüne sind die schärfsten Ukraine-Unterstützer — mehr Waffen, mehr NATO, mehr Druck. AfD und BSW fordern Waffenstopp und Verhandlungen, aber aus verschiedenen Motiven. Die SPD steht in der Mitte und kämpft mit sich selbst. Die Linke lehnt Militärhilfe prinzipiell ab. Es ist die härteste außenpolitische Spaltung seit dem Nato-Doppelbeschluss 1979.

Häufige Fragen

Welche Partei will keine Waffen mehr an die Ukraine liefern?
AfD und BSW fordern einen sofortigen Waffenstopp und direkte Verhandlungen mit Russland. Die Linke fordert ebenfalls ein Ende der Waffenlieferungen. CDU, SPD und Grüne unterstützen die Waffenlieferungen — wobei die SPD unter Scholz bestimmte Waffensysteme (Taurus) blockierte, die CDU unter Merz jetzt liefern will.
Wer will mehr als 2% Verteidigungsausgaben?
CDU/CSU unter Merz will die NATO-Zielmarke von 2% übertreffen und auf 3% steigern — finanziert durch das 500-Milliarden-Bundeswehr-Sonderpaket. Grüne und SPD unterstützen die 2%-Marke. AfD will Geld für Bundeswehr, aber keine Auslandseinsätze. Linke und BSW lehnen jede Aufrüstung ab und sehen das Geld als falsch investiert.
Wie unterscheiden sich AfD und BSW in der Ukraine-Frage?
Beide fordern Verhandlungen und Waffenstopp, aber aus verschiedenen Gründen. Die AfD sieht Russland als natürlichen Verbündeten und lehnt NATO-Engagement grundsätzlich ab — sie übernimmt teilweise russische Narrative. BSW (Sahra Wagenknecht) argumentiert wirtschaftlich und friedenspolitisch: Sanktionen schaden Deutschland, Diplomatie ist günstiger als Krieg — ohne Russland zu idealisieren.
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