Bürgergeld & Sozialleistungen: Zu viel, zu wenig — oder falsch?
Das Bürgergeld ist das kontroverseste Sozialpolitikthema in Deutschland. Eingeführt 2023 als Ablösung von Hartz IV, wird es von rechts als Fehlanreiz attackiert und von links als zu knauserig kritisiert. Die Parteien streiten über Sätze, Sanktionen und Sinn des Systems.
Die Positionen im Überblick
Bürgergeld reformieren oder zurücksetzen — CDU/CSU kritisieren die Karenzzeit von 6 Monaten ohne Sanktionen als falsches Signal. Wer kann, soll arbeiten — und wenn nicht, sollen Sanktionen greifen. Das Prinzip "Fördern und Fordern" schärfer umsetzen. Arbeitsanreize verbessern: der Unterschied zwischen Lohn und Bürgergeld muss spürbar sein. Sachleistungen statt Bargeld für Asylbewerber.
Bürgergeld ist die richtige Reform — die SPD hat es als historischen Schritt weg von Hartz IV durchgesetzt. Würde statt Drangsalierung. Weiterentwickeln, nicht zurückdrehen. Regelsätze regelmäßig und angemessen erhöhen. Gleichzeitig: Arbeit muss sich lohnen — Mindestlohn erhöhen, damit der Abstand zum Bürgergeld stimmt. Soziale Teilhabe als Pflichtbestandteil.
Richtung Grundeinkommen: Die Grünen wollen das Bürgergeld zu einem echten Existenzsicherungssystem ausbauen. Sanktionen weiter reduzieren. Langfristig ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) als Modell testen. Besonders wichtig: Kinder aus der Armut herausholen — Kinderarmut durch ein eigenständiges Kindergrundsicherungssystem bekämpfen.
Bürgergeld für Ausländer ohne lange Beitragshistorie massiv einschränken oder streichen. Maximale Sanktionen bei Arbeitsverweigerung. Das System soll "Deutsche" bevorzugen — alle anderen: Sachleistungen, kein Bargeld. AfD sieht das Bürgergeld als Anreiz für unerwünschte Migration. Leistungsprinzip konsequent: Wer nicht einzahlt, bekommt weniger.
Bürgergeld auf mindestens 813 Euro erhöhen (Berechnung auf Basis tatsächlicher Lebenshaltungskosten). Alle Sanktionen abschaffen. Recht auf Wohnen als Verfassungsrecht. Sozialleistungen für alle — unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltsstatus. Bedingungsloses Grundeinkommen als langfristiges Ziel. Armut nicht verwalten, sondern beseitigen.
Schnelle Arbeitsvermittlung statt lange Schonzeit. BSW kritisiert die Karenzzeit als falsches Signal: Wer arbeiten kann, soll das möglichst schnell tun. Regelsätze müssen Würde wahren — das ist BSW-Konsens mit der SPD. Unterschied: BSW will weniger Duldung von Arbeitsverweigerung, aber keine Rückkehr zur Hartz-IV-Härte.
Bürgergeld 2026: Aktuelle Regelsätze
| Personengruppe | Regelsatz/Monat | + Unterkunft/Heizung |
|---|---|---|
| Alleinstehende | 563 Euro | Je nach Region |
| Partner in Bedarfsgemeinschaft | 506 Euro | Je nach Region |
| Kinder 0–5 Jahre | 357 Euro | — |
| Kinder 6–13 Jahre | 390 Euro | — |
| Jugendliche 14–17 Jahre | 471 Euro | — |
Arbeit lohnt sich nicht — der Kern des Streits
CDU/CSU und AfD argumentieren: Eine Familie im Bürgergeld kann materiell ähnlich gut leben wie eine Familie mit Mindestlohnarbeit — besonders wenn Wohnkosten, Krankenkasse und Kinderzuschläge eingerechnet werden. Das sei ein Fehlanreiz. SPD und Grüne kontern: Das Problem sind zu niedrige Löhne, nicht zu hohe Sozialleistungen. Die Lösung: Mindestlohn erhöhen, nicht Bürgergeld senken. Die Forschungslage ist hier eindeutig differenziert — einfache Vergleiche greife zu kurz.
CDU und AfD wollen härtere Sanktionen, weniger Schonzeit, niedrigere Sätze für bestimmte Gruppen. Linke und Grüne wollen höhere Sätze und weniger Sanktionen. SPD und BSW halten die Mitte: Bürgergeld ja, aber Arbeitsvermittlung ernster nehmen. Die Grundfrage ist dieselbe wie bei Hartz IV: Drohen oder Fördern?


