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Die Große Koalition — Wenn die Größten zusammengehen

Bundestag Plenarsaal — Grosse Koalition: CDU/CSU und SPD

Key-Facts: Große Koalition

  • Definition: Bündnis der beiden mandatsstärksten Parteien (Union + SPD)
  • Spitzname: GroKo
  • GroKos im Bund: 1966–1969, 2005–2009, 2013–2017, 2018–2021, seit 2025 (aktuell)
  • Regierungsjahre: über 16 von 76 Jahren Bundesrepublik (Stand 2026)
  • Typisch: Sehr grosse Parlamentsmehrheit, schwache Opposition
  • Aktuell: CDU/CSU + SPD hätten 38,0% — Mehrheit wäre gesichert

Die Große Koalition (kurz: GroKo) bezeichnet ein Regierungsbündnis der beiden größten Parteien im Bundestag — traditionell CDU/CSU und SPD. Da beide Parteien zusammen in der Regel eine überwältigende Parlamentsmehrheit haben, ist die Große Koalition das stabilste, aber auch das umstrittenste Regierungsmodell in Deutschland.

Der Begriff grenzt sich von der „kleinen Koalition“ ab, bei der eine große Partei mit einer oder mehreren kleinen Parteien koaliert (z.B. CDU + FDP oder SPD + Grüne).

Alle Großen Koalitionen in der Geschichte

ZeitraumKanzler/inParteiAnlassDauer
1966–1969 Kurt Georg Kiesinger CDU Wirtschaftskrise, FDP verliess Koalition 3 Jahre
2005–2009 Angela Merkel CDU Keine andere Mehrheit nach Wahl 4 Jahre
2013–2017 Angela Merkel CDU FDP scheiterte an 5%-Hürde 4 Jahre
2018–2021 Angela Merkel CDU Jamaika-Sondierungen gescheitert 3,5 Jahre
seit 2025 Friedrich Merz CDU Ampel-Bruch, Neuwahl, keine Dreierkonstellation mehrheitsfähig laufend

Auffallend: Drei der fünf GroKos entstanden unter Angela Merkel. Die fünfte GroKo seit 2025 ist die erste unter Friedrich Merz — und die erste, in der CDU/CSU und SPD zusammen weniger als 50% der Stimmen bekommen haben (28,5% + 20,5% = 49%). Die Große Koalition war stets das „Plan B“, wenn andere Bündnisse scheiterten. Sie war nie das Wunschergebnis beider Parteien.

Bundestag Plenarsaal — Grosse Koalition CDU/CSU und SPD im Vergleich
Im Plenarsaal des Bundestags entscheidet sich, ob eine Große Koalition regiert — und wie stabil sie bleibt.

Wie entsteht eine Große Koalition?

Eine GroKo ist in der Regel keine erste Wahl. Sie kommt zustande, wenn:

  1. Keine andere Mehrheit möglich ist: Die bevorzugten Koalitionspartner (FDP für CDU, Grüne für SPD) zusammen nicht genug Stimmen haben.
  2. Sondierungen scheitern: Wie 2017, als die Jamaika-Gespräche (CDU + FDP + Grüne) platzten.
  3. Krisenzeiten: Wenn breite Mehrheiten für schwierige Reformen gebraucht werden (1966: Wirtschaftskrise).

Vorteile und Nachteile

Vorteile

  • Stabil: Riesige Parlamentsmehrheit (oft 70%+ der Sitze)
  • Handlungsfähig: Kann auch Verfassungsänderungen durchsetzen (2/3 Mehrheit)
  • Breiter Konsens: Gesetze werden von links und rechts der Mitte getragen
  • Krisenfest: Kaum Gefahr durch einzelne Abweichler

Nachteile

  • Schwache Opposition: Oft nur 20–30% der Sitze für alle Oppositionsparteien
  • Profillosigkeit: Beide Parteien müssen Kompromisse machen, verlieren Kontur
  • Ränder stärken: Wähler wandern zu AfD, Grünen, Linken ab
  • Reformstau: Kleinster gemeinsamer Nenner statt mutige Politik

1966: Die erste GroKo — und die NPD in der Opposition

Die erste Große Koalition der Bundesrepublik entstand im Oktober 1966 unter ungewöhnlichen Umständen. Die FDP verließ die Regierung Erhard (CDU) wegen eines Streits über den Bundeshaushalt, und CDU/CSU und SPD einigten sich auf ein Notbündnis. Was dann geschah, illustriert das strukturelle Problem der Großen Koalition besonders drastisch.

Mit der CDU/CSU- und der SPD-Fraktion im Regierungslager blieben nur FDP und eine Partei als echte Opposition übrig: die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Die rechtsextreme Partei war 1966 erstmals in mehrere Landtage eingezogen und scheiterte 1969 nur knapp an der 5%-Hürde (4,3%). Die faktische Monopolstellung der NPD in der parlamentarischen Opposition während dieser Zeit ist ein historisches Warnsignal, das bei jeder Debatte über Große Koalitionen berücksichtigt werden sollte.

Ein weiteres Warnsignal: Der frühere SPD-Kanzler Willy Brandt, der als Außenminister in Kiesingers Kabinett diente, pflegte intensive Ost-Kontakte, die später seine Ostpolitik als Kanzler prägten. Die GroKo 1966–1969 war also auch ein Brutkasten für die nächste Richtungsentscheidung der SPD: Kaum hatte sie die Regierung mit dem konservativen Kiesinger verlassen, gewann sie 1969 mit Brandt die Bundestagswahl und setzte eine vollständige politische Kehrtwende um. Große Koalitionen enden häufig damit, dass eine der beteiligten Parteien danach schärfer profiliert auftritt als zuvor.

GroKo-Effekt: Was passiert mit kleinen Parteien?

Historisch zeigt sich ein klares Muster: Während einer Großen Koalition profitieren die kleinen und extremen Parteien. Wähler, die mit der „Einheitspolitik“ unzufrieden sind, wandern zu den Rändern ab.

GroKo-PhaseAfD vorherAfD nachherFDP/Grüne Trend
2005–2009FDP: 9,8% → 14,6%
2013–20174,7%12,6%FDP: 0% → 10,7%
2018–202112,6%10,3%Grüne: 8,9% → 14,8%

Besonders die AfD profitierte von der GroKo 2013–2017: Sie verdreifachte sich von 4,7% auf 12,6%. Gleichzeitig erholte sich die FDP von ihrem Totalausfall (unter 5% bei der Wahl 2013) auf 10,7%.

Die aktuelle Große Koalition (seit 2025)

Seit 2025 regiert Deutschland erneut eine Große Koalition: CDU/CSU und SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Die Koalition verfügt über 378 von 630 Sitzen im Bundestag — eine solide Mehrheit (benötigt: 316). Gleichzeitig ist es die arithmetisch schmälste GroKo aller Zeiten: 2025 erhielten Union und SPD zusammen nur 49% der Stimmen.

Testen Sie es selbst: Im Koalitionsrechner können Sie live sehen, welche Mehrheiten die aktuelle Koalition hat — und welche Alternativen es gegeben hätte.

1. Dezember 1966: Der Ex-Nazi und der Exilant — die erste GroKo beginnt mit einem Handschlag

Als Kurt Georg Kiesinger am 1. Dezember 1966 als Bundeskanzler vereidigt wurde, stand er neben Willy Brandt, seinem neuen Außenminister. Kiesinger war 1933 der NSDAP beigetreten — Mitgliedsnummer 2.633.930 — und hatte im Propagandaministerium gearbeitet. Brandt war als Emigrant vor den Nazis nach Norwegen geflohen und hatte im Widerstand gekämpft. Nun regierten sie zusammen. In der SPD war die Abstimmung über den Koalitionseintritt knapp: 246 von 422 Delegierten stimmten dafür, 163 dagegen. Der SPD-Linke Herbert Wehner, zuvor erbitterter GroKo-Gegner, hatte die Partei mit einer Brandrede umgestimmt. Im Bundestag blieben als echte Opposition nur noch die FDP (49 Sitze) — und am Rand die NPD, die 1966 in sieben Landtage eingezogen war und bei 4,3% auf Bundesebene stand. Die erste Große Koalition dauerte drei Jahre, endete mit Willy Brandts Kanzlerschaft 1969 — und bleibt das eindrucksvollste Beispiel dafür, was eine GroKo aus ehemaligen Gegnern machen kann.

2017: SPD beschließt Opposition – und macht dann doch Große Koalition

Wahlnacht 2017: SPD-Chef Martin Schulz erklärt auf der Bühne: "Wir gehen in die Opposition!" Jubel der Basis. Vier Monate später: SPD verhandelt für die Große Koalition. Schulz blieb. Dann ging er doch. Andrea Nahles übernahm. Die Basis stimmte per Mitgliedervotum ab – 66 Prozent für die GroKo. Die SPD war gefangen: Keine Jamaika-Koalition kam zustande, Neuwahlen wären riskant gewesen. Das Ergebnis: SPD trat in die vierte Große Koalition ein und verlor über vier Jahre an Profil — das schlechteste GroKo-Ergebnis seit Nachkriegszeiten drohte. 2021 die Rehabilitation: 25,7 % und Olaf Scholz als Kanzler. 2025 dann der erneute Rückfall: 20,5 %, wieder Juniorpartner in der fünften GroKo unter Merz.

Häufige Fragen

Was bedeutet GroKo?

GroKo ist die umgangssprachliche Abkürzung für Große Koalition. Sie bezeichnet ein Regierungsbündnis der beiden größten Parteien, in Deutschland CDU/CSU und SPD.

Wie viele Große Koalitionen gab es?

Fünf: 1966–1969 (Kiesinger), 2005–2009 (Merkel I), 2013–2017 (Merkel III), 2018–2021 (Merkel IV) und seit 2025 (Merz). Insgesamt regierte Deutschland über 16 Jahre in Großen Koalitionen.

Warum sind Große Koalitionen umstritten?

Kritiker argumentieren, dass sie die Opposition schwächen, beide Volksparteien profillos machen und Wähler zu extremen Parteien treiben. Befürworter betonen die Stabilität und Handlungsfähigkeit.

Mehr dazu: der Bundestag · 299 Wahlkreise · Sonntagsfrage erklärt

Video: Koalitionen in Deutschland

3:21 Min · Bundestagwahlumfrage.de
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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