Politiker bei einer Diskussion über Wahlrechtsreform im Bundestag

Ministerpräsident — Aufgaben, Wahl und Bedeutung

Markus Söder in Bayern, Julia Willie Hamburg in Niedersachsen, Kai Wegner in Berlin — sie alle tragen unterschiedliche Titel, aber die gleiche Verantwortung. Der Ministerpräsident ist der mächtigste Politiker eines Bundeslandes: Er bestimmt die Richtlinien der Politik, ernennt und entlässt Minister und vertritt sein Land im Bundesrat.

Bundesland Amtsbezeichnung Parlament
13 FlächenländerMinisterpräsident/inLandtag
BerlinRegierender BürgermeisterAbgeordnetenhaus
HamburgErster BürgermeisterBürgerschaft
BremenPräsident des SenatsBürgerschaft

Gewählt wird er nicht direkt vom Volk, sondern vom Landtag. In der Regel braucht er die absolute Mehrheit. Dafür ist fast immer eine Koalition nötig — und die auszuhandeln dauert nach der Landtagswahl manchmal Wochen.

Warum das Amt auch bundespolitisch wichtig ist: Im Bundesrat stimmen die Ministerpräsidenten über Bundesgesetze ab. Eine Landtagswahl in Hessen kann eine Bundesratsmehrheit kippen. Deshalb sind Ministerpräsidenten oft auch bundespolitische Schwergewichte — und regelmäßig Kanzlerkandidaten ihrer Parteien.

Ministerpräsident als Sprungbrett: Wer auf diese Weise Kanzler wurde

Das Ministerpräsidentenamt gilt als die beste Vorbereitung auf das Kanzleramt — und die Geschichte gibt diesem Ruf Recht:

Konrad Adenauer war Oberstadtdirektor von Köln (kein Ministerpräsident, aber kommunaler Regierungschef). Helmut Kohl war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (1969–1976), bevor er CDU-Bundesvorsitzender und später Kanzler wurde. Gerhard Schröder regierte elf Jahre als Ministerpräsident Niedersachsens, bevor er 1998 die Bundestagswahl gewann. Angela Merkel war nie Ministerpräsidentin — sie kam über das Amt der CDU-Bundesvorsitzenden. Und Friedrich Merz war ebenfalls nie Ministerpräsident, sondern Fraktionschef und Parteivorsitzender.

Thüringen 2020: Die Wahl, die die Republik erschütterte

Am 5. Februar 2020 wurde Thomas Kemmerich (FDP) mit nur einer Stimme Mehrheit zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt — mit Stimmen von CDU, FDP und AfD. Es war das erste Mal, dass ein Kandidat im Bundesdeutschen Parlamentarismus mit AfD-Stimmen in ein führendes Regierungsamt gewählt wurde. Der politische Aufschrei war bundesweit. Kemmerich trat drei Tage später zurück. Ramelow (Linke) wurde danach im dritten Wahlgang mit relativer Mehrheit gewählt. Das Ereignis führte zu einer bundesweiten Debatte darüber, ob und wie die demokratischen Parteien die „Brandmauer zur AfD" institutionell sichern können.

Frau informiert sich am Tablet in der Küche über politische Entscheidungen
Ministerpräsidenten prägen die Landespolitik und beeinflussen über den Bundesrat auch Bundesentscheidungen.

Die 16 Ministerpräsidenten 2025: Wer regiert wo

BundeslandPersonParteiIm Amt seit
Baden-WürttembergCem ÖzdemirGrüne2026
BayernMarkus SöderCSU2018
BerlinKai WegnerCDU2023
BrandenburgDietmar WoidkeSPD2013
BremenAndreas BovenschulteSPD2019
HamburgPeter TschentscherSPD2018
HessenBoris RheinCDU2022
Mecklenburg-VorpommernManuela SchwesigSPD2017
NiedersachsenJulia Willie HamburgSPD2022
NRWHendrik WüstCDU2021
Rheinland-PfalzAlexander Schweitzer (geschäftsf.)SPDCDU gewann LTW 2026
SaarlandAnke RehlingerSPD2022
SachsenMichael KretschmerCDU2017
Sachsen-AnhaltReiner HaseloffCDU2011
Schleswig-HolsteinDaniel GüntherCDU2017
ThüringenMario VoigtCDU2024

Stand April 2026: CDU/CSU stellen in acht Ländern den Regierungschef (Bayern, Berlin, Hessen, NRW, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen), SPD in sechs Ländern, Grüne in einem (Baden-Württemberg: Cem Özdemir, seit 2026). In Rheinland-Pfalz läuft nach dem CDU-Sieg (LTW März 2026) die Regierungsbildung. Der dienstalteste Regierungschef ist Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt, seit 2011).

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.

Ministerpräsidenten im Bundesrat: Wie die Länder Bundesgesetze mitbestimmen

Der Bundesrat besteht aus Vertretern der 16 Landesregierungen — an seiner Spitze stehen die Ministerpräsidenten. Jedes Land hat drei bis sechs Stimmen, die einheitlich abgegeben werden müssen. Bei zustimmungspflichtigen Gesetzen (etwa der Hälfte aller Bundesgesetze) kann der Bundesrat ein Veto einlegen. Die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat hängen daher davon ab, welche Parteien in den Ländern regieren — ein Grund, warum Landtagswahlen bundespolitisch so viel Gewicht haben.

Häufige Fragen

Was macht ein Ministerpräsident?

Der Ministerpräsident leitet die Landesregierung, bestimmt die Richtlinien der Landespolitik, vertritt das Bundesland nach außen und wirkt über den Bundesrat an der Bundesgesetzgebung mit.

Wie wird ein Ministerpräsident gewählt?

Der Ministerpräsident wird vom Landtag gewählt — in der Regel mit absoluter Mehrheit. Die Bürger wählen ihn nicht direkt, sondern bestimmen über die Landtagswahl die Zusammensetzung des Parlaments.

Mehr dazu: Briefwahl · Wahlbeteiligung · SPD Umfragen

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