Bundestagswahl — Ablauf, Wahlsystem und Termine
Alle vier Jahre — manchmal auch früher — entscheiden rund 60 Millionen Wahlberechtigte, wer sie im Bundestag vertritt. Die Bundestagswahl ist die wichtigste Wahl in Deutschland: Sie bestimmt die Zusammensetzung des Parlaments, das den Bundeskanzler wählt, Gesetze beschließt und Milliarden-Budgets verantwortet.
Die letzte Bundestagswahl fand am 23. Februar 2025 statt — vorgezogen, weil die Ampel-Koalition zerbrach. Die Wahlbeteiligung lag bei beachtlichen 82,5 %. Die nächste reguläre Wahl ist für Herbst 2029 vorgesehen.
Zwei Stimmen, ein System
Das deutsche Wahlsystem ist eine personalisierte Verhältniswahl — ein Hybrid, den es so in keinem anderen Land gibt. Jeder Wähler hat zwei Stimmen:
| Stimme | Wofür? | Wirkung |
|---|---|---|
| Erststimme | Direktkandidat im Wahlkreis | Wer die meisten Stimmen hat, erhält das Direktmandat |
| Zweitstimme | Landesliste einer Partei | Entscheidet über die Sitzverteilung im Bundestag |
Die Zweitstimme ist die entscheidende. Sie bestimmt, wie viele der 630 Sitze jede Partei erhält. Die Fünfprozenthürde filtert kleine Parteien heraus — wer darunter bleibt, zieht nicht ein, egal wie viele Stimmen es absolut waren.
„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.“ — Art. 38 Abs. 1 Grundgesetz
Wahltag: Von 8 Uhr bis Mitternacht
Vor der Wahl: Parteien stellen Landeslisten auf, nominieren Direktkandidaten für die 299 Wahlkreise. Spätestens 21 Tage vor der Wahl bekommen Wahlberechtigte ihre Wahlbenachrichtigung.
Am Wahltag: Die Wahllokale öffnen um 8:00 Uhr und schließen um 18:00 Uhr. Der Anteil der Briefwähler lag 2025 bei über 40 %. Punkt 18:00 Uhr verkuenden die Sender die ersten Hochrechnungen — die sogenannte „18-Uhr-Prognose“.
Nach der Wahl: Am Dienstag nach der Wahl beginnen die Sondierungen. Der neue Bundestag tritt spätestens 30 Tage nach der Wahl zusammen.
Alle Bundestagswahlen seit 2005
| Jahr | Wahlperiode | Beteiligung | Stärkste Partei |
|---|---|---|---|
| 2025 | 21. Bundestag | 82,5 % | CDU/CSU |
| 2021 | 20. Bundestag | 76,6 % | SPD |
| 2017 | 19. Bundestag | 76,2 % | CDU/CSU |
| 2013 | 18. Bundestag | 71,5 % | CDU/CSU |
| 2009 | 17. Bundestag | 70,8 % | CDU/CSU |
| 2005 | 16. Bundestag | 77,7 % | CDU/CSU |
Der Trend bei der Wahlbeteiligung ist bemerkenswert: Nach einem Tiefpunkt 2009 (70,8 %) stieg sie kontinuierlich und erreichte 2025 mit 82,5 % den höchsten Wert seit 1998. Offenbar mobilisieren Krisenzeiten — die vorgezogene Wahl fand mitten in einer angespannten politischen Lage statt.
Die Wahlrechtsreform 2023
Das Bundeswahlgesetz wurde 2023 grundlegend geändert. Die wichtigste Neuerung: 630 feste Sitze. Überhangmandate und Ausgleichsmandate sind Geschichte. Das bedeutet aber auch: Ein Wahlkreissieger zieht nicht mehr automatisch ein, wenn seiner Partei nicht genug Sitze zustehen. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte die Reform 2024 im Wesentlichen.
20 Minuten Unklarheit: Die knappste Bundestagswahl der Geschichte
Am Abend des 18. September 2005, um 18:01 Uhr, sendeten ARD und ZDF die ersten Exitpolls der Bundestagswahl: CDU/CSU 35%, SPD 34%. Ein Abstand von einem Prozentpunkt. Bis 22:30 Uhr war unklar, welche Partei die meisten Zweitstimmen hatte. Die endgültigen amtlichen Ergebnisse am nächsten Morgen: CDU/CSU 35,2 %, SPD 34,2 % — exakt ein Prozentpunkt. In absoluten Stimmen: 1,06 Millionen Stimmen Unterschied bei 47,6 Millionen abgegebenen Stimmen. Keine Mehrheit für irgendjemanden. Vier Wochen lang verhandelten alle Parteien mögliche Koalitionen. Das Ergebnis: Große Koalition, Merkel Kanzlerin — aber SPD-Mitbeteiligung an der Regierung. Es war die erste Wahl, bei der das Ergebnis keine klare Regierungsformel ergab und alle Optionen monatelang offenblieben. Bis 2021 blieb 2005 das Mahnzeichen für politische Ungewissheit nach einer Wahl.
2023: Wahlkreisreform 2025 – wie die Zahl 630 Einzug ins Grundgesetz hielt
Die Wahlrechtsreform 2023 schrieb die Zahl 630 in das Bundeswahlgesetz. Hintergrund: Seit 2013 war der Bundestag durch Ausgleichs- und Überhangmandate immer größer geworden. 2013: 631 Sitze. 2017: 709. 2021: 736. Der Reformdruck war enorm. Der Lösungsansatz: Streichung der Ausgleichsmandate, möglicher Verfall von Direktmandaten, feste Obergrenze 630. CDU/CSU klagte – teilweise erfolgreich. Das Bundesverfassungsgericht billigte den Kern, hob einen Teil auf. Ergebnis 2025: 630 Abgeordnete. Das künftige Problem: Direktkandidaten ohne Einzugsrecht ärger ihre Wähler.
Häufige Fragen
Wann ist die nächste Bundestagswahl?
Die letzte Wahl fand am 23. Februar 2025 statt. Die nächste reguläre Bundestagswahl ist für Herbst 2029 vorgesehen — sofern der Bundestag nicht vorzeitig aufgelöst wird.
Welche Stimme ist wichtiger — Erst- oder Zweitstimme?
Die Zweitstimme entscheidet über die Sitzverteilung im Bundestag und ist damit für die Machtverhältnisse maßgeblich. Die Erststimme bestimmt, welcher Kandidat den Wahlkreis direkt vertritt.
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