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Abgeordnete im Bundestag diskutieren auf dem Gang

Abgeordneter — Definition, Aufgaben und Rechte

630 Menschen bestimmen, welche Gesetze in Deutschland gelten. Sie entscheiden über Milliarden-Budgets, wählen den Bundeskanzler und können eine Regierung stürzen. Diese 630 Menschen sind die Abgeordneten des Deutschen Bundestags — gewählte Volksvertreter, die das demokratische Rückgrat der Bundesrepublik bilden.

Das Grundgesetz formuliert es in Artikel 38 bewusst idealistisch: Abgeordnete sind „Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Dieses freie Mandat ist kein Lippenbekenntnis. Es unterscheidet Abgeordnete grundsätzlich von Delegierten, die an Weisungen gebunden wären. In der Praxis bewegen sich die meisten Parlamentarier allerdings im Spannungsfeld zwischen Gewissen, Parteilinie und den Erwartungen ihrer Wähler.

Zwei Wege ins Parlament

Wer im Bundestag sitzen will, braucht entweder ein starkes Ergebnis im Wahlkreis oder einen guten Platz auf der Landesliste:

Weg Stimme Prinzip Anzahl
Direktmandat Erststimme Relative Mehrheit im Wahlkreis 299 Mandate
Listenmandat Zweitstimme Über Landesliste der Partei 331 Mandate

Die Wahlrechtsreform 2023 hat die Gesamtzahl auf 630 Sitze festgelegt. Zum Vergleich: Der 20. Bundestag (2021–2025) war mit 736 Abgeordneten das größte frei gewählte Parlament der Welt — ein Zustand, den selbst mancher Parlamentarier als „absurd“ bezeichnete.

Politiker im Gespräch im Bundestag
Zwischen den Plenarsitzungen: Abgeordnete im Gespräch auf den Fluren des Reichstags.

Was Abgeordnete tatsächlich tun

Die Vorstellung, Abgeordnete würden den ganzen Tag im Plenarsaal sitzen, ist ein Mythos. Der Großteil der Arbeit findet in Ausschüssen statt, wo die inhaltliche Detailarbeit an Gesetzentwuürfen passiert. Jeder Abgeordnete ist Mitglied in mindestens einem Fachausschuss.

Daneben gibt es drei weitere Kernbereiche: Die Kontrolle der Regierung — durch Anfragen, Untersuchungsausschüsse und das Budgetrecht. Die Repräsentation — Wahlkreisarbeit, Bürgersprechstunden, Veranstaltungen vor Ort. Und die oft unterschätzte Fraktionsarbeit — denn die politische Abstimmung innerhalb der eigenen Fraktion nimmt enorm viel Zeit in Anspruch.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ — Art. 1 Abs. 1 GG. Dieser Satz ist auch für jeden Abgeordneten die oberste Richtschnur.

Rechte, Pflichten und ein schönes Gehalt

Bundestagsabgeordnete genießen besondere Rechte — und ja, auch ein beachtliches Einkommen:

Recht/Pflicht Beschreibung Rechtsgrundlage
Immunität Schutz vor Strafverfolgung ohne Genehmigung des Bundestags Art. 46 GG
Indemnität Keine Verfolgung wegen Abstimmungen oder Äußerungen im Parlament Art. 46 Abs. 1 GG
Freies Mandat Nicht an Weisungen gebunden, nur dem Gewissen verpflichtet Art. 38 Abs. 1 GG
Diäten Monatlich ca. 11.300 Euro plus Kostenpauschale von ca. 4.700 Euro Art. 48 Abs. 3 GG
Anwesenheitspflicht Teilnahme an Sitzungen und Abstimmungen erwartet Geschäftsordnung BT

Wussten Sie: In den 16 Landtagen sitzen nochmal rund 1.900 weitere Abgeordnete. Zusammen mit den Europaabgeordneten kommt Deutschland auf über 2.600 Parlamentarier — mehr als die meisten anderen Demokratien weltweit.

7. September 1949: Die erste Rede im ersten Bundestag

Die Geschäftsordnung sieht vor, dass der älteste Abgeordnete die erste Bundestagssitzung eröffnet — als „Alterspräsident“. Am 7. September 1949 war das Paul Löbe (SPD), 74 Jahre alt, Reichstagpräsident 1920–1932, KZ-Häftling 1933–1934. Er trat ans Rednerpult im Bundeshaus in Bonn und erklärte den 1. Deutschen Bundestag für eröffnet. Seine erste Amtshandlung: die 410 Abgeordneten zur Sitzordnung aufzurufen. Unter den 410 Mandatsträgern waren 28 Frauen (6,8 %). Am Ende desselben Tages wurde Konrad Adenauer mit exakt 202 von 402 abgegebenen Stimmen zum Bundeskanzler gewählt — eine absolute Mehrheit um eine einzige Stimme. Später gestand Adenauer, er habe sich selbst gewählt. Ohne seine eigene Stimme hätte er das Amt nicht erhalten. Ein Abgeordneter — eine Stimme — und manchmal hängt daran alles.

1949: Wie das deutsche Wahlrecht seine Fachbegriffe bekam – von Erststimme bis Zweitstimme

Das Bundeswahlgesetz von 1949 kodifizierte ein neues politisches Vokabular: "Erststimme", "Zweitstimme", "Ausgleichsmandat", "Überhangmandat". Viele Begriffe waren im deutschen Politiksystem neu. Das Mischsystem aus Mehrheitswahlrecht (Direktmandat per Erststimme) und Verhältniswahl (Parteiliste per Zweitstimme) hatte keine direkte Vorlage. Der Parlamentarische Rat kombinierte Elemente des britischen Westminster-Systems mit dem Weimarer Verhältniswahlrecht. Das Ergebnis: Ein Hybridystem mit eigener Terminologie, die heute Millionen Wähler kennen – oder glauben zu kennen.

Häufige Fragen

Was ist ein Abgeordneter?

Ein Abgeordneter ist ein gewählter Volksvertreter, der im Bundestag oder einem Landtag die Interessen der Bürger vertritt und an der Gesetzgebung mitwirkt.

Wie wird man Abgeordneter im Bundestag?

Man wird Abgeordneter entweder durch Direktwahl im Wahlkreis (Erststimme) oder über die Landesliste einer Partei (Zweitstimme).

Mehr dazu: Briefwahl · Große Koalition
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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